Es macht piep. Jetzt ist der Speichertank des Mähdreschers voll. Jörg Deinlein fährt zum Hänger. Der gedroschene Raps schießt schwarz aus dem Rohr, innerhalb weniger Sekunden sind ein paar Tonnen auf dem Hänger. Deinlein wendet und erntet weiter. Der nächste Traktor mit Hänger muss gleich kommen.

Die Ernte des Feldes geht ruck zuck. 2,8 Hektar groß ist die Fläche. Kein Problem für den roten Mähdrescher mit dem sieben Meter breiten Mähwerk, den Deinlein mit Lenkrad und Steuerknüppel bedient. Die Fahrerkabine ist klimatisiert. Schwitzen war früher einmal. Draußen hat es knapp 30 Grad. Hier drinnen ist es angenehm kühl. Die Technik lässt einen gewissen Luxus auch bei der Ernte zu. "Das macht Spaß", sagt deshalb Deinlein. Der 42-Jährige hat noch auf einem Mähdrescher ohne Fahrerkabine gelernt. Die Landwirtschaft ist heute wesentlich weiter.

Jörg Deinlein ist Landwirt in Neudorf, einem Ortsteil von Scheßlitz. Mit seinem Bruder Andreas bewirtschaftet er 250 Hektar Fläche: Getreide, Raps und Mais bauen sie an. Alles für die Ferkelzucht. Alles muss beste Qualität haben. Schlechtes Futter ist schlecht für die 330 Mutterschweine.


Exakte Positionsbestimmung

Da spielt die Technik eine große Rolle. Die klimatisierte Fahrerkabine ist das eine. GPS-Technik etwas viel Entscheidenderes. "Bei uns haben immer mehr Betriebe Interesse an diesen Techniken und setzen sie zunehmend in der Praxis ein", sagt Anton Weig, landwirtschaftlicher Berater vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bamberg.

Wie beim Navigationsgerät, das in nahezu jedem Auto inzwischen zu finden ist, wird auch hier via Satellit die exakte Position des Mähdreschers berechnet. Innerhalb von Sekunden hat dann Landwirt Jörg Deinlein auf seinem kleinen Display im Fahrerhaus den Ertrag bestimmt, den der Mähdrescher gerade erst geerntet hat. Deinlein sieht, an welchen Stellen die Qualität des Feldes nicht so gut ist. Wo die Düngung besser werden muss, wo vielleicht aber einfach der Boden schlecht ist.


Auf zwei Zentimeter genau

Deutliche Einsparungen sind so möglich. Zum Beispiel auch beim Saatgut. "Wir haben einen exakteren Saatgutaufwand", sagt Deinlein. Wenn sein Bruder Andreas aussät, dann übernimmt die GPS gestützte Steuerung. Und hält die Spur auf zwei Zentimeter genau. "Mein Bruder ist total entspannt", erzählt Jörg Deinlein. Schließlich braucht der sich nur noch auf die Sämaschine zu konzentrieren - das Fahren entfällt. Die Technik weiß genau, wo was gesät wurde. Früher haben Landwirte zur Sicherheit doppelt gesät. Das ist vorbei.

Billig ist die Technik nicht: Von den fast 1800 Betrieben im Landkreis lohne sich die Investition meist nur für die knapp 120 größeren Unternehmen, die mehr als 100 Hektar bewirtschaften, sagt Anton Weig vom AELF. Doch kleinere Landwirte könnten ebenso profitieren, indem sie Dienstleistungen wie das Dreschen von großen Betrieben erledigen lassen.

So kommt der Mähdrescher von Jörg Deinlein auch bei benachbarten Landwirten zum Einsatz. Personal braucht es nach wie vor: Der Ausbildungsbetrieb beschäftigt zwei Lehrlinge und eine Halbtagskraft. Auch die drei Söhne packen mit an. Technik ersetzt die Arbeitskraft nicht. Aber: Die Präzision ist viel höher, sagt Deinlein.