Die Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Fair Guards Security, die früher für das Ankerzentrum zuständig war, sind eingestellt worden. Das hat die Staatsanwaltschaft Bamberg am Donnerstag bestätigt. Nach Bekanntwerden eines Videos im vergangenen Jahr ermittelte die Behörde gegen den Mann wegen Gewalt gegen einen Bewohner. Die Filmaufnahmen sollen eine Auseinandersetzung im Ankerzentrum in Bamberg vom Februar 2019 zeigen.

Damals hielt wohl ein anderer Bewohner mit dem Handy fest, was vorgefallen war: Auf dem verwackelten Video, das auch die Redaktion gesichtet hat, erkennt man, wie mehrere Securityleute einen Flüchtling zu Boden drücken. An einer Stelle sieht es so aus, als ob einer der Sicherheitsmänner mit dem Knie Richtung Kopf des Bewohners tritt.

Kein sicherer Beleg

Allerdings ist die Bewegung wegen der schlechten Qualität nur schwer zu erkennen. "Das vorliegende Video wurde durch einen Sachverständigen ausgewertet. Aufgrund des Gutachtens ist ein tatsächlich realisierter Kniestoß gegen den Kopf nicht mit der erforderlichen Sicherheit belegt", teilte Alexander Baum, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bamberg, auf Nachfrage mit. Nach den durchgeführten Ermittlungen sei somit ein strafbares Verhalten des Security-Mitarbeiters im Sinne einer gefährlichen Körperverletzung bzw. einer vorsätzlichen Körperverletzung nicht nachweisbar.

Der Chef der Securityfirma hatte sich auch nach diesem Vorfall gegen pauschale Gewaltvorwürfe gewehrt. Doch immer wieder war es in der Vergangenheit zu solchen Vorwürfen gekommen - vor allem vom bayerischen Flüchtlingsrat. Dieser hatte auch im Juni 2020 das Handyvideo veröffentlicht und Anzeige erstattet.

Die Flüchtlingshilfsorganisation kritisiert die Einstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bamberg entsprechend scharf: Das Video zeige den Tritt gegen den Kopf des Geflüchteten deutlich genug, um den Sicherheitsmann anzuklagen, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Laut Flüchtlingsrat soll es sich dabei um den Sicherheitschef gehandelt haben. "Er und seine Mitarbeiter sind regelmäßig durch Übergriffe aufgefallen, Konsequenzen hatte das bisher für keinen von ihnen."

Neue Sicherheitsfirma tätig

Der Flüchtlingsrat fordert erneut, die Ankerzentren abzuschaffen und Geflüchtete dezentral unterzubringen. "Dann ist auch der massenhafte und sündhaft teure Einsatz von zwielichtigen Sicherheitsdiensten nicht mehr notwendig!"

Die umstrittene Sicherheitsfirma ist noch im vergangenen Jahr nach Ausschreibung von einer neuen Firma abgelöst worden. Dass es zu einem Wechsel kam, hat auch das Ombudsteam der Stadt Bamberg begrüßt. "Wir hatten darauf gedrängt, dass das formgerecht ausgeschrieben wird, mit entsprechenden Bedingungen", betont Sprecherin und BuB-Stadträtin Daniela Reinfelder. "Eine Forderung war, dass die Security Nummern tragen muss, denn sie muss identifizierbar sein." Die Mitarbeiter der neuen Securityfirma sind nun durch eine entsprechende Kennzeichnung an den Sicherheitswesten zuordenbar.

Das Ombudsteam ist laut Reinfelder der Meinung, dass eine Deeskalation unbedingt erforderlich ist. Sollte beispielsweise eine Situation unter Bewohnern heftiger sein, greife die neue Securityfirma nicht selbst ein, sondern verständige sofort die Polizei. Die Regierung von Oberfranken hatte als Betreiberin des Ankerzentrums zuletzt auch einen Gewaltschutzbeauftragten eingestellt.