LKR Bamberg
Umwelt

Elektro-Autos sollen endlich "Gas geben"

Im Landkreis Bamberg sollte ein Netz von Ladestationen für E-Mobile entstehen. Dafür arbeitet die Kreisverwaltung an der Erstellung eines Gesamtkonzeptes.
Die Ladestation am Landratsamt Bamberg  Foto: Ronald Rinklef
Die Ladestation am Landratsamt Bamberg  Foto: Ronald Rinklef
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Strom soll die Landkreisbürger mobil machen. Möglichst viele Strecken sollen sie mit Elektroautos zurücklegen. Damit sie das auch können, ist es nötig, ein Netz an Elektro-Auto-Ladestationen aufzubauen. Bislang scheiterte das an den doch erheblichen Kosten. Mittlerweile hat die Kreisverwaltung günstigere Modelle entdeckt, von denen der Landkreis erst jüngst eines auf dem Parkplatz des Landratsamtes aufgestellt hat. Nach einem Antrag der ÖDP befasste sich der Umweltausschuss des Kreistages einmal intensiver mit dieser Thematik und fährt voll auf Elektro-Mobile ab.

Tobias Sieling erläuterte namens der Antragsteller, dass es darum gehe, ein Bündel von Maßnahmen vorzuschlagen, um die Sache auf eine höhere Ebene zu setzen und Mitbürger auf niedrigschwelliger Ebene einzubeziehen.

In der von Landrat Johann Kalb (CSU) geleiteten Sitzung trug der Kreis-Energie-Experte, Klimaschutzbeauftragter Robert Martin nun den aktuellen Sachstand sowie die Vorschläge der Verwaltung zum Thema Elektromobilität vor.

Laut Martin sind in der Region Bamberg (Stadt und Landkreis) inklusive Hybrid-Autos 272 Fahrzeuge zugelassen, an reinen Elektroautos sind es 85. Vor nicht allzu langer Zeit noch waren nur sehr teure Ladestationen auf dem Markt. Nun hat Martin aber ein kostengünstiges Modell eruiert, von dem seit einigen Wochen eines mit zwei Lademöglichkeiten (mit insgesamt 22 Kilowatt) am Landratsamt steht. Die Anschaffungskosten bezifferte Martin mit 2000 Euro. Wohl wegen der "extrem hohen" Kosten hatten bislang nur wenige Landkreisgemeinden auf seinen letztjährigen Appell reagiert, über die Anschaffung einer solchen Station reagiert.

Wie Martin gleichfalls rekapitulierte, soll sich Deutschland nach Vorstellungen der Bundesregierung zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität entwickeln. Das bedeutet, dass bis zum Jahr 2020 eine Million und bis 2030 sechs Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren sollen. Dafür bedarf es einer entsprechenden Infrastruktur (Ladestationen). Vor kurzem wurde das Elektromobilitäts-Gesetz beschlossen. Es hat zum Ziel, dass für E-Mobile Parkplätze an Ladesäulen reserviert werden, Parkgebühren vergünstigt oder erlassen werden sollen, E-Mobile Busspuren befahren dürfen und eine Kennzeichnungspflicht als weiteres Sonderrecht (vonseiten der Kommunen) umgesetzt wird.

Der Weg zu zusätzlichen E-Autos könnte darin bestehen, dass sich nach Vorbild des Landkreises Gemeinden für kommunale Zwecke E-Autos zulegen. Vorstellbar sei auch, dass der Landkreis und Kommunen in den für den Tourismus interessanten Gebieten Ladestationen aufstellen. Gerade auch in der Nähe zu Autobahnen, wovon dann Hotellerie und Gastronomie profitieren würden.

Um für Elektroautos zu werben, sei auch eine Öffentlichkeits-Kampagne denkbar. Etwa in der Art "Der Landkreis macht e-mobil". Damit würde man bayern- und deutschlandweit Aufmerksamkeit wecken. Eine flächendeckende Ausstattung - mindestens eine Ladestation pro Gemeinde - würde dem Landkreis nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal bescheren, sondern auch dem Klimaschutz dienen, so Martin weiter.

Zusätzliches Potenzial sieht Martin auch in den Bestrebungen des Bamberger Vereins für Carsharing, der nun auch das Land im Blick hat. Robert Martin stellte auch den Ansatz vor, eine Art "Stammtisch der Elektromobilität" ins Leben zu rufen, der (ein bis zweimal jährlich) als Informationsplattform dienen könnte. In einem speziellen "Tag der Elektromobilität" sieht der Klimaschutzbeauftragte weniger Erfolg. Als sinnvoller erachtet er es, das Thema gemeinsam mit der Stadt Bamberg im Rahmen der Fahrradmesse anzugehen. Was den Ausbau einer flächendeckenden Lade-Infrastruktur betreffe, so arbeite die Verwaltung derzeit an einer Projektskizze.

Gesamtkonzept

Dass man ein Gesamtkonzept brauche, machte Bernd Fricke seitens der Grünen deutlich. "Wir müssen das in eine Form gießen", folgerte auch Landrat Johann Kalb. Dankbar sei er, dass man in Gestalt von Nadja Kulpa-Goppert (Fachbereiche ÖPNV/Baukultur und nachhaltige Entwicklung) jemanden habe, "der in diesem Bereich schon gearbeitet hat". Diese Sicht bestätigte auch Sabina Sitzmann-Simon (CSU, die zudem vorschlug, Gelder, die in einem anderen ÖPNV-Bereich eingespart werden für den der Elektromobilität zu verwenden. Heinz Jung (SPD) wiederum sprach Robert Martin seine Anerkennung für die kompetente Unterstützung beim Thema E-Mobilität im Sinne des Klimaschutzes aus.

Allerdings müsse man die Vision noch "ein bisschen mitdenken", so Jung. Dass es bisweilen schwierig werden kann, einen zentral liegenden Parkplatz mit Ladestation zu versehen, zeigte Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) an seinem Marktplatz auf. Da müsse man für einen neuen Stromanschluss 7000 bis 8000 Euro in die Hand nehmen und den Marktplatz aufreißen.

"Wir sind nah bei einander", fasste Fricke den Tenor im Ausschuss zusammen. "Wir sollten die Claims im Landkreis selbst abstecken", befand Martin abschließend. Die Verwaltung arbeitet jedenfalls weiter an einem Gesamtkonzept.