Der Vorstand des Tierschutzvereins Bamberg trat bei der Mitgliederversammlung zurück. Vor der Wahl eines neuen Vorstandsteams kam es fast zum Eklat.
Das Interesse an der Mitgliederversammlung des Bamberger Tierschutzvereines war enorm. Obwohl sie im großen Saal des Bistumshauses stattfand, reichten die Sitzplätze nicht aus: Einige der 175 erschienenen Mitglieder nebst Interessierten mussten mit einen Stehplatz vorlieb oder im Vorraum Platz nehmen.
Die Mitgliederversammlung eröffnete Erster Vorsitzender Liebhard Löffler gleich mit einem Paukenschlag: Noch während seines Rechenschaftsberichtes, in dem er kurz und knapp auf die vergangenen Aktivitäten zurückblickte sowie sachlich Stellung zur umstrittenen Unterbringung von Welpen aus einem Tiertransport nahm, gab er den Rücktritt des gesamten Vorstands bekannt. Löffler und alle Mitglieder des Führungsteam standen nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung.
Die Entscheidung fiel insbesondere Löffler sichtlich nicht leicht.
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"Seit elf Jahren habe ich rund 30 Stunden die Woche neben meinem Beruf für den Tierschutzverein in Bamberg gearbeitet", sagte er. In all dieser Zeit habe er auch auf seinen Urlaub verzichtet - nur um am Ende "mehr als ungerecht behandelt" zu werden.
Weiter betonte Löffler, er lege sein Amt nieder, um den Fortbestand des Vereines nicht zu gefährden. "Ich möchte, dass es dem Bamberger Tierschutzverein auch in Zukunft gut geht. Wir brauchen dich" lauteten seine letzten Worte als Erster Vorsitzender.
Obwohl der Verein und die Stiftung dem Bericht von Schatzmeisterin Christine Göhl zufolge eine Rücklage in Millionenhöhe besitzen - trotz einiger getätigter Investitionen - verweigerte eine knappe Mehrheit dem Vorstand die Entlastung: 85 von 175 Mitgliedern erteilten sie nicht.
Das bedeutet, dass der "alte" Vorstand weiter in der Haftung steht - sofern man ihm grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Tun unterstellen könnte. Löffler nahm seine Nichtentlastung nicht nur kommentarlos hin.
Er wirkte sogar noch beschwichtigend auf eine Frau ein, die lautstark ihren Unmut äußerte: "Das Tierheim ist ein Vorzeigeheim. Gegen den Vorstand wird eine billige Revolte getrieben. Ich glaube, viele wissen gar nicht, was sie damit anrichten", schimpfte sie.
Abgesehen von einigen weiteren Zwischenrufen ging die Veranstaltung bis zum Tagesordnungspunkt Neuwahlen sachlich weiter. Dann jedoch kochten die Emotionen.
Vorgeschlagen wurde ein Team mit Robert Pfuhlmann an der Spitze, das sich in den vergangenen Tagen per Flugblatt ins Gespräch gebracht hat. Als sich der Spitzenkandidat vorstellte, eskalierte die Stimmung im Saal.
Er sagte einerseits, dass er in seinem Engagement um die Tiere zwar viele Enttäuschungen habe hinnehmen müssen, jedoch immer noch voller Elan und Enthusiasmus sei. Andererseits wählte er im Weiteren einen Vergleich aus mit der Tierwelt, der bei den meisten Mitgliedern nicht gut ankam.
Pfuhlmann sagte, die Stärke des Wolfes sei das Rudel und die Stärke des Rudels wiederum der Wolf. Um wörtlich hinzuzufügen: "Aber auch die Natur macht Fehler und so kommt es in der Wildnis immer wieder mal vor, dass ein mental kranker Wolf zum Leitwolf wird."
Weiter kam er in seinen Ausführungen nicht. Es gab zahlreiche Zwischenrufe und einige Mitglieder verließen kopfschüttelnd den Saal. Der stellvertretende Vorsitzende Stefan Röthel sprang aufgebracht auf und verbat sich energisch diese Verleumdung.
Erst durch das Eingreifen der Wahlleiterin beruhigte sich die Versammlung wieder langsam.
Pfuhlmann und die weiteren Kandidaten für die Vorstandsämter beschränkten sich fortan darauf, sich vorzustellen, übten aber keine weitere Kritik am bisherigen Vorstand.
Obwohl Pfuhlmann ohne Gegenkandidat antrat, erhielt er erst im dritten Wahlgang eine Mehrheit. Am Ende stimmten 79 Mitglieder für ihn, 74 gegen ihn und elf enthielten sich ihrer Stimme.
Der erste Wahldurchgang hatte für ungültig erklärt werden müssen, weil mehr Stimmen abgegeben worden waren, als Mitglieder da waren. Der zweite Wahldurchgang hatte mit einem Patt - 78 für, 78 gegen Pfuhlmann - geendet.
Die Kandidaten für die weiteren Vorstandsämter erhielten jeweils deutlich mehr Ja-Stimmen. Hier das Ergebnis im Überblick: Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Peter König und Peter Frank gewählt.
Marco Heinzel übernimmt das Amt des Schatzmeisters übernehmen und Heinz Häfner wird als Schriftführer fungieren.
Kommentar von Harald Rieger
Ein guter Einstand sieht anders aus
S icherlich hat es in den letzten Jahren immer wieder Reibung zwischen dem Vorstand und einzelnen Mitgliedern gegeben. Ob berechtigt oder nicht, soll einmal dahin gestellt sein. Um aber wieder Ruhe in den aufgewühlten Verein zu bringen, wäre der neue Vorsitzende Pfuhlmann besser beraten gewesen, auf der Versammlung das "Friedensangebot" des alten Vorstandes anzunehmen. Stattdessen trat Pfuhlmann bei seiner Vorstellung noch einmal nach.
Vielleicht war sein Vergleich ganz anders gemeint und vielleicht hätte er ihn auch wieder entschärft, wenn er ihn zu Ende hätte bringen können. So aber steht eine tief unter die Gürtellinie gehende Aussage im Raum.
Mag Löffler auch seine Eigenheiten haben und vielleicht hätte man an dieser und jenen Stelle auch anders entscheiden können - es bleibt aber festzuhalten: Er führte den Verein ehrenamtlich elf Jahre, kann eine positive Bilanz aufweisen und übergibt ein modernes Tierheim.
Den bisherigen Vorsitzenden nun mit einem "mental kranken Wolf" zu vergleichen, führt sicherlich nicht zu einer Beruhigung im Verein. Die Quittung bekam der Neue an der Spitze prompt. Selbst im zweiten Wahlgang (der erste soll an dieser Stelle nicht zählen, da er durch einen Formfehler ungültig war) konnte er nur eine knappe Mehrheit der Mitglieder überzeugen. Kein guter Einstand.
Umso mehr sind er und sein Team nun gefordert. Ob es ihm gelingen wird, sparsamer und transparenter zu sein und ob er den emotional aufgewühlten Verein wieder in ruhiges Fahrwasser lenken kann, wird er beweisen müssen.
Fast die Hälfte der Anwesenden stimmten gegen ihn. Sie werden ein besonders wachsames Auge auf seine Taten haben. Nicht, dass im nächsten Jahr ein anderer "Leitwolf" auf der Matte steht und plötzlich gegen ihn "kämpft".
Allerdings: Wenn der Vorstand, alle Hauptamtlichen und alle Mitglieder ihre Befindlichkeiten einmal beiseite lassen und sich endlich wieder auf ihr eigentliches Ziel besinnen, der Hilfe und dem Schutz der Tiere, dann dürfte die nächste Jahreshauptversammlung ein Freudenfest werden.