Die Freiwillige Feuerwehr Vorra-Abtsdorf-Hundshof kann etwas Außergewöhnliches vorweisen: Sie besitzt das einzige Gerätehaus im Passivhaus-Standard in ganz Bayern. Das vom Frensdorfer Architekten Michael Trykowski geplante Feuerwehrhaus wird am kommenden Sonntag mit dem Segen des Ortspfarrers Wolfgang Schmitt offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Bis sie ihren Neubau beziehen konnte stand der Wehr nach den Worten ihres Kommandanten Bernhard Lunz lediglich "eine größere Garage" aus den Anfängen der 60er Jahre zur Verfügung. Darin war das Tragkraftspritzenfahrzeug (ein Ford Transit, Baujahr 1985) untergebracht. Einen Wasseranschluss oder gar eine Heizung gab es nicht. "Jetzt haben wir natürlich so gebaut, dass wir auch das nächst größere Fahrzeug unterbringen können", sagt Lunz. Das wäre womöglich ein TSF/W (Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser). Dieses künftige Fahrzeug würde auch eine Atemschutzausrüstung enthalten. Doch so weit in die Zukunft will Lunz, der das Amt des Kommandanten bereits seit 15 Jahren inne hat, gar nicht planen.

Im November 2007 erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau. Das heißt, dass vor dem Winter lediglich die Bodenplatte betoniert werden konnte. In etwa zweijähriger Bauzeit wurde dann der Bau errichtet. "Wenn man viel selber macht, dauert es halt seine Zeit", betont Lunz. 6200 freiwillige Arbeitsstunden hätten die ehrenamtlichen Helfer am Bau geleistet. Bemerkenswert findet der Kommandant, dass immer wieder neue Helfer aktiviert werden konnten, so dass alles in allem 107 Personen ehrenamtlich am Bau tätig waren.
Die Gemeinde musste trotzdem noch 396 000 Euro für den Bau aufbringen, teilte Bürgermeister Jakobus Kötzner mit. Aus dem staatlichen Fördertopf ging lediglich der Pauschalzuschuss in Höhe von 40 000 Euro für einen Fahrzeugstellplatz ein.

Den 60 Aktiven der Feuerwehr stehen jetzt im Erdgeschoss des neuen Gerätehauses eine Fahrzeughalle, ein Kommandantenbüro, sanitäre Anlagen sowie die Räume für Geräte und Atemschutz zur Verfügung. Im Obergeschoss befindet sich ein Schulungsraum nebst Küche und Toiletten. Um sicherzustellen, dass kein "Feierhaus" entsteht, haben die Frensdorfer Gemeinderäte die Nutzung durch eine eigene Nutzungsordnung geregelt. Der Passivhaus-Standard wurde durch eine 30 Zentimeter dicke Styropordämmung, die von außen auf das 24-Zentimeter-Mauerwerk aus Kalksandstein angebracht wurde, erreicht. Geheizt wird das Haus ausschließlich über die Solarzellen auf dem Dach und eine Bauteile-Aktivierung. Wie das funktioniert, erklärt Kommandant Lunz: "In die Betondecken und in die Bodenplatte wurden Schläuche eingelassen. Das von der Sonne erwärmte Wasser wird durchgepumpt."

Die Räume werden so konstant auf einer Temperatur von 16 Grad gehalten. Eine Heizung mit Öl, Gas oder Pellets gebe es nicht. Falls noch um einige Grad höher geheizt werden müsse, geschehe dies über die Lüftungsanlage.
Aber die Feuerwehrführung hat noch weiter gedacht: Sie ließ sich von der Gemeinde eine Photovoltaikanlage genehmigen, die auf dem Dach installiert wurde. Für die rund 40 000 Euro teuere Anlage zeichnet als Eigentümer und Betreiber der Feuerwehrverein verantwortlich.

Die Anlage finanziere sich selbst, erklärt Kommandant Bernhard Lunz. Vertraglich in einer Zeit aufgestellt als es noch hohe Einspeisevergütungen gab, bleibe neben Tilgung und Zinsen sogar noch der eine oder andere Euro für die Jugendarbeit oder für Vereinsausflüge übrig. Praktisch veranlagt zeigte sich die Feuerwehrführung auch, indem sie vor dem Gerätehaus die Motive für Übungen des Feuerwehrnachwuchses ins Pflaster gelegt hat. Früher mussten die Symbole bei jeder Übung eigens aufgemalt werden.