Der Heilige Georg hat wohl einen besonders guten "Draht" zum Wettergott: Obwohl der frühe Sonntagmorgen mieses Wetter verhieß, blieben die vielen hundert Teilnehmer bei den beiden Georgiritte - in Gunzendorf und in Baunach - als Reiter und als Fußgänger trocken.

Den Anfang der beiden Wallfahrte zu Pferde machte die ältere, die Jahrhhunderte zurück reichende in Gunzendorf. Für diese war Pfarrer Alexander Berberich von Gundelsheim an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Der Grund: "Es gibt wohl nicht viele Pfarrer, die sich aufs Pferd wagen," so MdB Andreas Schwarz voll Respekt. Wie es ihm denn da oben gehe, wurde ein doch recht blasser Berberich immer wieder gefragt. Im vergangenen Jahr hatte der Geistliche auf der etwas wilden "Sarah" gesessen. Heuer führte Barbara König den Geistlichen auf der "braven "Chiara", wie sie sagt. Tochter Lena sitzt als Ministrantin auf "Velvet", die Berberich schon etliche Male sicher zur Kapelle hoch getragen hatte, aber das mit nun 27 Jahren nicht mehr so schaffen würde.

Anerkennung erntet die kleine Truppe aus Priesendorf: Am Samstag war sie mit der Kutsche die 47 Kilometer nach Gunzendorf gefahren, Montag geht es wieder zurück. Die Hauptsache ist aber der Ritt auf den Senftenberg. Dafür nimmt Papa Harald Graser die zweieinhalbjährige Paula mit hoch aufs Pferd. Samt Schnuller. Mama Christina reitet allein. Ebenfalls der nur fünfjährige Leon, den sein Vater Michael Flohr hoch zu Ross begleitet. Das zweite Mal sind die Priesendorfernun dabei.


Segen kann nicht schaden

Genauso oft ist Heidi Rattel aus Drosendorf mit von der Partie. Das heißt, sie begleitet ihre Reitbeteiligung Lara Wichert. Es sei eine schöne Tradition und "ein bisschen Segen für Mensch und Tier kann auch nicht schaden", findet sie. Während Hans Kalb "schon immer" (als Fußpilger) dabei ist, darf er inzwischen als Landkreischef begrüßen.

Zu den Stammreitern zählt der Bamberger Bernhard Ernst .Er nimmt zum 21. Mal teil. Vermutlich war das aber der letzte Senftenbergritt mit seiner Friesenstute "Vaily", 25. Bei dieser Traditionsveranstaltung treffe man viele Bekannte, begeistert sich Ernst und deutet auf Kleppkes aus dem Rattelsdorfer Gemeindeteil Höfen, die gleich neben ihm stehen. "Früher sind wir geritten, jetzt reiten unsere Kinder", sagt Ulla Kleppke.

Ernst gefällt nicht nur der gemeinsame Ritt durch die schöne Frühlingslandschaft. Auch dieses Mal sind wieder knapp 60 Pferde und Ponys nahezu aller Rassen und Größen. Er ist auch auf Berberichs Predigten gespannt: "Weil der austeilt und immer die Richtigen trifft." In diesem Jahr dürften alle ein wenig ge- und betroffen sein.
Berberich stellt sich wohl selbst ein bisschen in die Tradition des Heiligen Georg, den er als einen beschreibt, der mutig ist, den Finger in die Wunde legt.

Dies Mal legt Berberich seinen Finger in den wunden Punkt Umgang mit Flüchtlingen. Sechs Prozent der Deutschen wären bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. "Wow ein tolles Volk", übt sich Berberich in beißender Ironie und redet in seiner fein- und hintersinnigen Predigt tief ins Gewissen. Die Teilnehmer nehmen vermutlich nicht nur die schönen optischen Impressionen mit nach Hause.

Nach Hause, also in den Stall am Örtleinsweg, hatten die Pferdepartner Franken bereits am Samstag gebeten. Dort fand neben einer Gelassenheitsprüfung in der Reithalle auch ein Rockkonzert statt.

Für die vielen Pferde des Georgenrittes am Sonntag waren am Örtleinsweg "Unterkünfte" aufgebaut, wo sich die Vierbeiner ausruhen konnten, bis man sich am Mittag auf den Weg zum Liebeskreuz machte, begleitet von der Baunacher Blaskapelle. Im langen Festzug waren auch etliche Haustiere dabei, die nach dem Gottesdienst am Kreuz den Segen erhielten. Organisatorin Michaela Hohlstein zeigte sich zufrieden mit der Resonanz auf die noch junge Veranstaltung, die sie auf dem besten Wege sieht, sich fest zu etablieren.