Schwerst feministisch geht es im aktuellen Programmheft des "Theaters im Gärtnerviertel" (TiG) zu; derzeit angesagte Autorinnen wie Laurie Penny und Margarete Stokowski lassen sich über den Stand der Frauenemanzipation aus. Ja, der Geschlechterkampf. Ein ewiges und immer populäres Thema, das stets für Freude im Publikum sorgt. Bestritten die meisten doch diverse Schlachten auf diesem Felde.

Nun kann man Beziehungstango oder -punk dröge und verbissen abhandeln, so dass nur Geschlagene zurückbleiben. Man kann auch lustige Komödien drumherum stricken. John von Düffel hat es mit "Der dressierte Mann" getan, damit den Titel eines Bestsellers von 1971 aufgreifend. Esther Vilar vertrat darin die schon damals krude These, Frauen beuteten die armen Männer aus, die als Arbeitsbienen für ehefrauliche Drohnen im komfortablen Heim schuften müssten.

Übersprudelnde Fantasie

Zunächst scheint in der Inszenierung des TiG im wunderbar ausgestatteten Saal der Brauerei Keesmann wenig Vilar auf. Als Bühne (Benjamin Bochmann) dient ein leicht erhöhtes Podium mit Klavier, vor, hinter und auf dem sich das Geschehen abspielt, davor einige ins Spiel turbulent einbezogene leere Bierkästen. Übersprudelnd ist die Fantasie der Regisseurin Heidi Lehnert, die ihre charmanten Ideen effektvoll einsetzt. So zitieren zu Beginn in einer Art Kasperletheater zwei Figuren den Beginn des klassischen Emanzipationsstücks überhaupt: In Henrik Ibsens "Puppenheim" spielt Nora noch das Kindchen. Ganz anders Helen (Laura Mann): Sie erwartet eine glanzvolle Bank-Karriere. Just als sie ihrem Partner Bastian (Martin Habermeyer) die frohe Botschaft überbringen will, hat der als Schürzenträger mit dem gestickten Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" ein Menü vorbereitet und einen Heiratsantrag.

Nicht nur das Menü missglückt gründlich. Offensichtlich kann der arme Kerl, ein Kollege seiner Liebsten mit nur einem Zehntel ihrer Einkünfte, mit der Nachricht nicht umgehen. Seine Männlichkeit hat einen Schlag erhalten, so sehr, dass er auch im Bett seinen Mann nicht stehen kann. Als Bastian erfährt, dass es mit dem Kinderwunsch nichts wird, er als "Loser mit Fortpflanzungsverbot" rangiert, ergreift er die Flucht - in den Alkohol. Da funken zwei Mütter dazwischen, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Dr. Elisabeth Schröder-Röder (Marsha Cox) ist eine Radikalfeministin und irgendwie Alt-68erin und enttäuscht über die bürgerliche Attitüde ihres "Basti", Konstanze Engelbrecht (Ursula Gumbsch), "Zahnarztgattin in dritter Ehe", möchte ihre Karriere-Helen aufs Weibchenschema hintrimmen.

Boulevard pur

In schöner Selbstironie definiert sich das Stück einmal als "pseudointellektuelle Boulevardkomödie". Übers "pseudo" ließe sich streiten, "Boulevard" stimmt zweifellos. Und wie! Regie und Schauspieler lassen es diesmal richtig krachen mit allen Ingredienzen des Genres. Die Figuren sind überzeichnet bis zur Karikatur, die Dialoge wimmeln von Pointen, überraschende Wendungen gibt es zuhauf. Bei der Feministin mit dem sogenannten Pussy Hat fragt man sich, warum und von wem sie überhaupt schwanger geworden ist. Die konsumsüchtige Konstanze wiederum ist ganz altmodisch und ein Madonna"sches material girl - die Musikauswahl besorgte Franz Tröger; die originellen Kostüme suchte Nikola Voit aus.

So wird die Geschlechterfrage durchdekliniert. Der dressierte Mann, der nach dem Sklavenjoch giert? Die Frau in der traditionellen Rolle doch glücklicher? Was, wenn sich Nachwuchs ankündigt? Ein Film-Einspieler aus dem Neandertal unterfüttert scheinbar biologistisch das muntere Treiben. Am Ende deutet sich wieder mit Handpuppen nach all dem Geschlechter-Ping-Pong eine versöhnliche Lösung an. Das Ganze doch nur ein Kasperletheater? Jedenfalls läuft das Schauspielerquartett zu großer Form auf. Allen voran Ursula Gumbsch, die ihre Konstanze augenrollend und hüftwackelnd selbst entlarvt und wie Martin Habermeyer, der den verunsicherten und in einer langen Passage betrunkenen Mann grandios spielt, des Öfteren Szenenapplaus provozierte. So wie das TiG-Team Beifall erntete wie selten.

Neoliberaler Feminismus

Manches in dem munteren Stück wirkt heute hoffnungslos veraltet, Vilars Zentralthese etwa. Es mag sie schon noch geben, die Jägerinnen auf der Suche nach dem Versorger. Aber in Zeiten der Berufstätigkeit fast aller Frauen stellen sich ganz andere Fragen. Es ist auch ein bürgerlicher, ja neoliberaler Feminismus, der hier verhandelt wird, mit Monatsgehältern von 50 000 Euro und Figuren, die das Wort "Tarifvertrag" kaum je gehört haben. In der nächsten Produktion des TiG, Brecht/Weills "Dreigroschenoper", geht"s dann eher ans Eingemachte, die ökonomische Basis.

Termine und Karten Spielort Großer Saal der Brauerei Keesmann, Wunderburg 5. Weitere Vorstellungen 29., 31. Januar; 4., 5., 12., 13., 14., 20., 21., 26. Februar; 5., 6. März Dauer ca. zwei Stunden, eine Pause Karten Betten-Friedrich, Obere Königstraße 43, Telefon 0951/27578; BVD, Lange Straße 39-41, Tel. 0951/9808220