Melanie Huml, bayerische Gesundheitsministerin aus dem Stimmkreis Bamberg-Stadt, spricht im Interview über Fragen, die nur Frauen gestellt werden, warum sie gegen die Quote ist, und appelliert "Frauen, traut euch mehr zu!"
Im Jahr 2003 trat Melanie Huml zum ersten Mal an - als eine der wenigen Frauen in der CSU. Sie setzte sich durch und sitzt seitdem im bayerischen Landtag, im neuen Kabinett als Gesundheitsministerin. Welchen Gegenwind sie von männlichen Kollegen erfahren hat, welche Parteikolleginnen sie unterstützten und warum sie ein Vorbild für Digital-Ministerin Judith Gerlach ist, verrät Huml im Interview.
Während des Referendariats bekam meine Mutter von einem Schulleiter zu hören, sie solle lieber zu Hause bleiben, sich um ihre Kinder kümmern und die Stelle einem Mann überlassen. Mussten Sie sich im Laufe Ihrer Karriere ähnliche Sprüche anhören?
Melanie Huml: Teilweise, vor allem im Medizinstudium. Da hatte ich einen Professor, der gesagt hat, wir Frauen nähmen den Männern den Studienplatz weg. In der Politik hatte ich eher den Eindruck, dass man bemüht ist, Frauen mit dabei zu haben.
Gab es also keinerlei Gegenwind von männlichen Kollegen?
Wenig. Als ich in den Landtag kam, haben sich viele sogar gefreut, dass sie eine so junge Frau in ihren Reihen hatten. Vor allem die, die selbstbewusste Töchter in meinem Alter haben. Auch zu den Männern in meinem Alter hatte ich gute Kontakte. Das Alter dazwischen war etwas schwieriger. Viele lebten noch ein klassisches Familienbild. Da war es ungewöhnlich, dass es eine junge Frau gibt, die sie in der Karriere überholen könnte. Als ich zum ersten Mal angetreten bin, als Kreisvorsitzende der Jungen Union (JU), hatte ich einen männlichen Gegenkandidaten. Da gab es teilweise abwertende Kommentare.
Und als Günther Beckstein mich als Staatssekretärin berufen wollte (2007), kam plötzlich das Gerücht auf, dass ich schwanger sei. Das war ich nicht, und man hätte mich auch einfach fragen können. Außerdem wäre es auch kein Hindernis gewesen. Aber Günther Beckstein hat zu mir gehalten. Als ich dann als Staatssekretärin ins Amt kam, gab es aus der Opposition jemanden, der von "Kinderüberraschung" gesprochen hat - ich glaube das war jemand von den Grünen.
Wird man als Frau in der Politik anders behandelt?
Wir bekommen andere Fragen gestellt. Viele Kabinettsmitglieder haben kleine Kinder: Hubert Aiwanger, Georg Eisenreich, Hans Reichhart, Judith Gerlach und ich. Aber ich habe den Eindruck, dass nur Judith und ich gefragt werden, wie man Karriere und Familie vereinbaren kann. Warum? Ich glaube, dass Aiwanger, Eisenreich und Reichhart auch gerne Zeit mit ihren Kindern verbringen. Außerdem wird viel mehr über Frisuren und Kleidung von Frauen in der Politik geschrieben, als bei Männern. Auch die Wortwahl ist anders: Wenn Angela Merkel sich durchsetzt, heißt es so was wie "Sie hat sich durchgebissen" oder "ihn geschasst". Bei einem Mann heißt es einfach "er hat sich durchgesetzt".
Die CSU hat mit 20 Prozent den zweitgeringsten Anteil an weiblichen Mitgliedern aller Parteien (nach der AFD mit 16 Prozent). Bei Grünen und Linken ist der Anteil fast doppelt so hoch. Liegt das auch daran, dass die CSU eine bewusst konservative Partei ist, also ein traditionelles Familienbild pflegt?
Der Frauenanteil in der CSU ist verbesserungswürdig. Das ist auch etwas, das Markus Söder angehen möchte. Aber in der Führungsriege haben wir schon relativ viele Frauen. Wir haben mit Barbara Stamm viele Jahre lang eine Landtagspräsidentin gehabt, in der Stellvertreterriege von Horst Seehofer sind wir mehr Frauen als Männer. Da ist schon Potenzial da. Aber es ist auch wichtig, dass wir für Frauen noch attraktiver werden. Wenn es in der Parteibasis nur 20 Prozent Frauen gibt, ist es auch entsprechend schwer, Positionen mit Frauen zu besetzen. Aber es gibt schon viele Formate, um ein Netzwerk von Frauen aufzubauen, die sich für Politik interessieren. Es passiert viel. Aber die CSU wird trotzdem oft als konservative Männerpartei wahrgenommen. Als junge Abgeordnete bin ich oft mit dem Zug nach München gefahren und habe viel mit den Mitreisenden gesprochen. Als die erfahren haben, dass ich im Landtag bin, kam die Frage "für welche Partei?" Auf die CSU kam keiner. Das ist ein bisschen schade. Ich will aber, dass sich das über Bewusstseinsbildung ändert, nicht über feste Vorgaben.
Wie stehen Sie zur Frauenquote?
Warum stehen im Artikel so viele Fehler gegen die Rechtschreibung und vor allem die Kommasetzung?
Karlheinz Dorsch
Praktikantenschicksal
Aber die müssten der deutschen Rechtschreibung und Zeichensetzung auch mächtig sein.