Waren das schon erste Fingerzeige für zukünftige Koalitionen im Bamberger Rathaus? Zaghafte politische Annäherungsversuche? Zwei freie Tische standen auf der Bühne für die drei Favoriten bereit. Jonas Glüsenkamp (Grüne) stellte sich an den rechten, Christian Lange (CSU) an den linken Tisch - und Amtsinhaber Andreas Starke (SPD)? Der tigerte langsam in Richtung Glüsenkamp, was die 500 Zuschauer im Saal schmunzelnd bemerkten.

Damit für sie der politische Showdown vor der Kommunalwahl im Welcome-Kongress-Hotel möglichst spannend wird, gingen die Moderatoren nach dem Grundsatz vor: Weniger ist mehr! Weil bei zehn Kandidaten um das Amt des Bamberger Oberbürgermeisters eine Endlosveranstaltung zu befürchten war, konzentrierten sich FT-Redaktionsleiter Michael Memmel und Marcus Appel von Radio Bamberg bei einem Großteil der Fragen auf die großen Drei. Bei einer repräsentativen Umfrage des Pragma-Instituts im Auftrag des Fränkischen Tags hatten diese Kandidaten mit Abstand am stärksten abgeschnitten: Wie berichtet, erreichte Starke bei den Befragten 48, Lange und Glüsenkamp jeweils 17 Prozent, während die weiteren sieben Kandidaten zusammen 18 Prozent erhielten. Sie durften sich deshalb nur bei zwei Themen ihrer Wahl in die Diskussion einmischen (siehe Seite 12).

In der Elefantenrunde lieferten sich Starke, Lange und Glüsenkamp einen fairen Schlagabtausch, an dessen Ende alle ein Schlusswort an die Wähler richten durften. "Am 15. März haben Sie die Chance, neue Wege einzuschlagen. Ich glaube, ich habe in den vergangenen Jahren als Zweiter gezeigt, dass ich Impulse setzen kann, jetzt will ich Erster werden", warb Lange für einen Wechsel. Starke umschmeichelte diesmal auch verbal die Grünen: "Bamberg steht in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen, ja sogar Umbrüchen. Möglicherweise wird es grünstichiger als bisher", prognostizierte er und versprach, seine "Integrationskraft zu nutzen, um Mehrheiten zu bilden". Und Jonas Glüsenkamp ließ ihn nicht abblitzen, appellierte im Hinblick auf die Umfrage an die Wähler: "Wenn Sie für den Amtsinhaber tendieren, fragen Sie sich, wen Sie ihm zur Seite stellen wollen. Seien Sie mutig an der Wahlurne!"

Muna birgt Konfliktpotenzial

Weniger harmonisch ging es in den Sachdiskussionen zu. Am meisten Konfliktpotenzial lieferte wie erwartet das Thema Muna. Über die Pläne für ein großes Gewerbegebiet am Rande des Hauptsmoorwaldes lässt sich in Bamberg auch nach dem erfolgreichen Veto im Bürgerentscheid vortrefflich streiten. Entsprechend teilte Glüsenkamp gegen beide Kontrahenten aus: OB Starke warf er vor, an den Bürgern "vorbeizuregieren". Starke wollte das nicht so stehen lassen: Man habe die Bürgerbeteiligung gegen Ende des Verfahrens in den Fokus gestellt. "Bamberg braucht Gewerbeflächen, um Schulsanierungen, Kitaplätze, bezahlbaren Wohnraum und Kulturräume zu schaffen, das ist ja kein Selbstzweck", betonte er.

Für Gewerbeansiedlungen auf dem Muna-Areal warb auch Lange, dem Glüsenkamp vorwarf, einen Kompromissvorschlag des OB mit seiner CSU verhindert zu haben. Wollte seine Fraktion dem Amtsinhaber damit eins auswischen? "Die CSU käme nie auf einen solchen Gedanken", wies Lange den Vorwurf zurück. Durch den Bürgerentscheid sei eine große Chance vertan worden, hier gelte es, neue Gespräche zu führen, um Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bekommen. Die Nulllösung, wie von den Grünen bevorzugt, sei jedenfalls keine Option, schoss Lange eine verbale Spitze gegen Glüsenkamp. Die "Nulllösung ist auch für mich nicht die Lösung. Was mir vorschwebt, ist tatsächlich eine gewerbliche Nutzung auf Basis der Flächennutzung, die von der BI vorgesehen worden ist", erwiderte Glüsenkamp.

Mangel bei der Kinderbetreuung

Zur Sache ging es auch beim Thema Kinderbetreuung. Hier musste sich OB Starke den Vorwurf anhören, das Thema zu vernachlässigen - zu Gunsten von Millionenprojekten, wie der Sanierung des Alten Rathauses. "Die Heizung in Ihrem Büro in allen Ehren, aber ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal in einer Schultoilette waren?", stichelte Glüsenkamp und erntete Applaus. "Ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen, die 15 Millionen Euro Fördergelder vom Staat nehme ich nicht", wehrte sich Starke. Lange wollte sich beim Thema Rathaussanierung nicht festlegen, erst müsse man alle Zahlen auf dem Tisch liegen haben.

Lange forderte eine gesicherte Betreuung der Kinder vom ersten bis ins zehnte Lebensjahr. Glüsenkamp schlug vor, auf Projekte wie die Sanierung der Buger Brücke zu verzichten - und die Stadtkasse speziell für Schulen und Kitas zu belasten. Starke verwies auf laufende Projekte und hunderte Kita-Plätze, die aktuell in Bamberg am Entstehen seien.