Am Anfang eines Sparhaushaltes stand der Beschluss für ein neues Großprojekt: Einstimmig genehmigte der Finanzsenat am Mittwoch die Sanierung des so genannten Quam, des Quartiers am Rathaus Maxplatz. In einer finanzpolitischen Ausnahmesituation, die vielen Gruppen enorme Opfer abverlangt, ist dieser Beschluss bemerkenswert. Immerhin wird die Generalsanierung des Rathauses Maxplatzes, der ehemaligen Hauptwache und vier weiterer Gebäude 30 Millionen Euro verschlingen. Doch statt Streit gab es Einmütigkeit, ganz einfach, weil die Stadt zum neuen Großprojekt nur einen Bruchteil selbst beisteuern muss, 1,5 Millionen Euro. Der große Rest kommt vom Bund (15 Millionen), dem Freistaat (3 Millionen), der Oberfrankenstiftung (2,7 Millionen), aber auch von zwei städtischen Stiftungen (2 Millionen Euro).

Doch es war nicht nur der große Brocken zum Einstieg, der dem bekanntlich filigran aufgestellten Stadtrat die Zustimmung hätte schwer machen können. Auch bei den 53 weiteren Tagesordnungspunkten gab es manche Sollbruchstelle, die in früheren Zeiten Marathondebatten ausgelöst hätte. Dazu kam es nicht, weil Corona Fakten schafft, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Zum Beispiel die, dass Bambergs erstmals neue Schulden machen muss, um laufende Kosten wie Gehälter oder Mieten zu bezahlen, 15,75 Millionen Euro exakt. Und auch das ist ein Novum: Das früher unausweichliche Feilschen um die freiwilligen Leistungen für eine Vielzahl von Vereinen und Institutionen wurde in den Frühling vertagt.

Dass dies so einfach möglich war, ist einem finanztechnischen Trick zu verdanken, den Grünes Bamberg zusammen mit ÖDP, SPD und dem Bürger-Block aus der Taufe hob. Erstmals soll es 2021 neben den bestehenden Globalbeträgen drei so genannte Notfallfonds geben, die mit einer dreiviertel Million Euro gefüllt werden, ebenfalls durch Schulden finanziert. "Der soziale Zusammenhalt ist uns enorm wichtig", begründete Wolfgang Grader von Grünes Bamberg dieses Sonderprogramm. Die drei Töpfe unter dem Namen "Schule, Hort und Kitas", "Zusammenhalt in der Stadt" und "Mobilität, Klima, Umwelt", Hans-Günter Brünker (Volt), sprach von einem Bürgeretat, überzeugten sogar die CSU-BA-Fraktion und die Linken, die mit einer Antragssalve aufgewartet hatten. Auch Martin Pöhner und Daniela Reinfelder (FDP-BuB-FW) stimmten zu, nachdem sie zuvor die Budgetkürzung bei den Schulen um 25 Prozent angeprangert hatten. Ihre Hoffnung ist, dass die neuen Fonds dazu dienen werden, einen Teil der Kürzungen abzufangen und nicht dafür aufgewendet werden, "neue Pop-Up-Radwege zu bauen" (Pöhner). Zu den vielen Institutionen, die mit 15 Prozent weniger städtischem Geld auskommen müssen, gehört auch der Verein Stadtmarketing, der sich mit seinen Großevents nicht nur Freunde gemacht hat. Der Vorschlag der Verwaltung, hier den Rotstift anzusetzen und den jährlichen Zuschuss von 70 000 auf 60 000 Euro zu kürzen, fand eine Mehrheit. Die CSU wäre sogar noch weiter gegangen. Doch auch die Grünen wollen die Zügel anziehen. Anders als von der Verwaltung favorisiert, wurden die Mittel nur für das kommende Jahr gebilligt und nicht für drei Jahre. Viele Bürger müssen tief in die Tasche greifen, damit die städtischen Kassen nicht leer laufen. Mit drei Millionen Euro beteiligen sich alle Grundeigentümer Bambergs über die höhere Grundsteuer B am städtischen Gemeinwesen - ein Schritt, dem die Linken nicht zustimmen wollten, weil sie eine unzumutbare Belastung für Mieter befürchteten. Auch Hundebesitzer spüren Corona. Zum zweiten Mal seit 2001 steigt die Steuer für die Vierbeiner 2021 an. Die Kosten für den so genannten Ersthund steigen von 72 auf 84 Euro. Der Zweithund kostet künftig 131 statt 102 Euro. Umstritten blieb auch die Corona-Hilfe der städtischen Energietochter. Die Stadtwerke sollen der Stadt mit drei Millionen Euro unter die Arme greifen. Das rief Ursula Redler von der CSU-BA-Fraktion auf den Plan. Sie fürchtet, dass das Unternehmen und seine Kunden dadurch überlastet werden könnten. Heftige Gegenwehr auf der Referentenbank löste der Deckungsvorschlag der CSU aus - eine Kürzung der Erschließungskosten für den zweiten Bauabschnitt von Brose. Und auch Stadtwerke-Chef Michael Fiedeldey schaltete sich ein: "Wir haben in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet. Gewinnrücklagen zur Stützung des städtischen Haushalts zu entnehmen, ist das Recht des Gesellschafters." Heinz Kuntke (SPD) formulierte so: "Es nutzt den Stadtwerken nichts, wenn der Gesellschafter pleite geht." Mit 25 Millionen Euro Schulden gehört Bamberg zu den Städten in Bayern, die am geringsten in der Kreide stehen. Doch was passiert nun? 2021 muss die Stadt 16 Millionen Euro neue Darlehen aufnehmen, um ein 38 Millionen Euro großes Loch im Verwaltungshaushalt zu stopfen. Die Prognosen des Kämmerers Bertram Felix lassen gar einen mittelfristigen Anstieg des Schuldenbergs auf 81 Millionen Euro befürchten. Dass dieser Anstieg nicht allein auf die Folge der Corona-Pandemie zurückzuführen ist, zeigt der Bayernvergleich, wie ihn Bambergs OB Andreas Starke (SPD) zog: "Bamberg gehört zu den Städten mit den stärksten Einnahmeeinbrüchen."