Es ist ein Schmuckstück, das viele schon gesehen haben, aber nur wenige als solches auch erkannt haben. Direkt an der stark befahrenen Bundesstraße durch Breitengüßbach steht die Kapelle St. Nikolaus. Und das ist auch schon einer der Hauptgründe, warum das Bauwerk aus der Zeit um 1700 sein Dasein eher im Verborgenen fristet. Nur noch einmal im Jahr wird in der Kapelle, die Platz für etwa 80 bis 100 Gläubige bietet, ein Gottesdienst gefeiert - am Nikolaustag. "Dann schauen auch immer wieder ein paar Neugierige rein", sagt Kirchenpfleger Michael Dietz. Denn ansonsten ist die Kapelle fast das ganze Jahr über geschlossen, auch wenn immer noch jeden Früh 6.30 Uhr und abends um 19 Uhr die beiden Glocken zum Gebet läuten. Und nur wenige Besucher finden den Weg hierher, obwohl eine Besichtigung auf Anfrage beim Pfarramt möglich ist. Ab und zu wird auch noch ein Rosenkranz gebetet, weiß Meßnerin Ingeborg Dillig. "Früher gab es gelegentlich auch noch Hochzeiten", erinnert sie sich.

Problem Straßenverkehr

Doch die Gefahr für die Besucher ist zu groß. Nicht, weil die Nikolauskapelle baufällig wäre. Erst vor zwei Jahren wurde der Dachstuhl aufwändig saniert, weswegen die Kapelle auch am morgigen Tag des offenen Denkmals unter dem Motto "Holz" präsentiert wird. Die Gefahr lauert viel mehr direkt vor der Tür. Nur ein guter Meter Gehweg trennt das Hauptportal der Kapelle von der Bundesstraße.
Der Verkehr gefährdet aber nicht nur Gottesdienstbesucher. Er ist auch der Grund, warum der Zahn der Zeit stärker an der Nikolauskapelle nagt als an manch anderem Kirchlein. "Es ist etwas besser geworden in den letzten Jahren", stellt Kirchenpfleger Michael Dietz fest - während draußen immer noch viel, zu viel Schwerlastverkehr durch den Ort rollt anstatt über die Autobahn. Besser geworden ist es vor allem seit der Auflösung der Muna. Sogar Panzer rollten in früheren Zeiten direkt an der Kapelle vorbei zur Verladung am Breitengüßbacher Bahnhof. Zeugen jener Zeit sind sicher noch Risse in der Nordwand der Nikolauskapelle.

Fledermausquartier

Die dringend nötig gewordene und im Frühjahr und Sommer 2010 durchgeführte Sanierung des Dachstuhl war jedoch weniger der Verkehrsbelastung geschuldet - auch wenn die Erschütterungen sicher manchen der Schieferziegel vom Dach rutschen ließen. Dass sie sich lösen konnten, lag daran, dass die Nägel vollkommen durchgerostet waren erläutert Kirchenpfleger Dietz. Aber auch von innen her nahmen die Schäden zu. Einige Balken, vor allem im Bereich des hölzernen Glockenturms. Knapp 96 000 Euro hat die Sanierung des Dachstuhls gekostet. Etwa zwei Drittel davon wurden durch Zuschüsse des Erzbistums, der Gemeinde Breitengüßbach und der Oberfranken-Stiftung (je 19 000 Euro) sowie der Bayerischen Landesstiftung gedeckt, rund 30 000 Euro musste die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Noch immer sind etwa 10 000 Euro offen, führt der Kirchenpfleger aus. Spenden sind also willkommen.
Auflagen, aber keine Gelder, kam vom Denkmal- und vom Naturschutz. Naturschutz deshalb, weil unter dem Kirchendach Fledermäuse nisten. Für sie mussten extra drei Einflugluken ins Dach eingebaut werden - was "ein paar tausend Euro extra gekostet hat", sagt Dietz.
Der Tag des offenen Denkmals bietet am Sonntag also die seltene Gelegenheit, um nicht nur das Ergebnis der Sanierung zu sehen, sondern überhaupt mal einen Blick in das barocke Kleinod zu werfen zu können.