Nach einem Jahr fand nun der zweite Poetry-Preacher-Slam-Uni-Gottesdienst stand. Er stand unter dem Thema " Kirche im Homeoffice? - Über die Aufgaben von Kirche heute". Die Liturgie in der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche gestalteten Pfarrer Thomas Braun von der Evangelischen Studenten-Gemeinde (ESG) und die Studentin Mareike Nehring.

"Statt Predigt wird heute geslammt", begann Nehring ihre Begrüßung der rund 80 Besucher zu dem "ganz besonderen Gottesdienst ". Da wegen Corona nicht laut Beifall gerufen werden durfte, sollte dieses Mal kräftig mit den Füßen gestampft werden, auch Schnipsen mit den Fingern und Klatschen waren erlaubt. "Ein richtiger Slam findet heute nicht statt", schränkte die Studentin ein, "da es diesmal kein Wettbewerb ist, es gibt auch kein Finale und keinen großen Gewinner."

Nach einem Gebet von Pfarrer Braun startete dann als erste Slammerin Anne Schneider, Pfarrerin der Erlöserkirche , mit dem Ausruf: "Zum Kuckuck!". Über das wiederholte Rufen des Vogels, das sie mehrmals angeblich mitten im Winter vernahm, sinnierte die Pfarrerin dann über dessen Leben, das auch nicht einfach sei. Sie verglich es mit dem Kind in der Krippe, "einem Kuckuckskind der besonderen Art, vom Himmel herunter gekommen, um uns nahe zu sein". In Anspielung auf das Jetzt fragte sie: "Wird es je wieder etwas Normales geben?" - und ermunterte den Kuckuck zum Rufen. Vielleicht sollten wir manchmal auch etwas lauter sein, geplagt von Sorgen und Nöten, Urlaubssehnsucht und Unsicherheit, bei Wohnungskoller und Einsamkeit, fuhr Schneider fort und gab als Losung aus: "Die Hoffnung hochhalten, so gut es jeder kann!"

"Seltsame und verrückte Zeit"

"Diese ganze Zeit ist etwas seltsam und verrückt", begann als nächster Prediger Pfarrer i. R. Günther Schardt. Er philosophierte über den Begriff "Home und Heimat" . Von Haus und Wohnung als Ort der Geborgenheit - Stichwort "my home is my castle" - kam er auf Homeooffice, Homeschooling , Homepage und Hometrainer. Schardt: "Hat die Kirche im Home-Modus ein neues Leitbild? Kann sie mehr und andere Leute erreichen, und welche Botschaft soll man ihnen dann vermitteln?" Eine könnte laut dem Prediger lauten: "Haltet durch, habt Geduld!". Keiner sei allein, "jeder ist getragen in diesen schweren Tagen", ermutigte der Pfarrer zum Schluss noch einmal die Zuhörer.

Den Abschluss der Slammerrunde machte, da Pfarrer Walter Neunhoeffer von St. Stephan erkrankt war, die ESG-Studentin Katja Steiger. Sie fragte, ob angesichts weiter Abstandsregeln und sonstiger Corona-Bestimmungen in der Kirche wirkliche Gemeinschaft entstehen könne und gab selbst als Antwort: "Nein!" Immerhin entstünden mit der virtuellen Welt neue Möglichkeiten: Andachten online, Gottesdienste per Livestream, gemeinsam im weltweiten Netz zusammenkommen. "Diese Formen bieten Halt in den schweren Zeiten", konstatierte Steiger. "Wir sind im Lockdown, aber unser Glaube und Gott sind es nicht", stellte sie fest, "denn Gott ist immer im Homeoffice und schaut uns von oben zu. Er ist immer da und hört unsere Gebete , wenn wir zusammenkommen."

Alle drei Slammer erhielten großen Fußapplaus und wie alle anderen Mitwirkenden den Dank von Pfarrer Braun. Der Gottesdienst wurde musikalisch stimmungsvoll gestaltet mit englischsprachigen Liedern des Duos Johanna und Samuel Dupke, die zum Abschluss noch mit Pathos "Der Mond ist aufgegangen" vortrugen.

Der Livestream ist noch auf Youtube unter https://youtu.be/g400ek6AIAA zu sehen und bereits über 300 mal angeklickt worden.