Wenn die Narren Fasching feiern, scheint die Sonne - zumindest am vergangenen Samstag beim Faschingszug in der Gartenstadt. Dementsprechend gut besucht war auch der 23. Gaudiwurm, der sich wieder vom Spinnseyer hin zur Kunigundenkirche schlängelte.

Mit dabei waren neben zwei Gardegruppen aus dem Bamberger Umland, mehreren Musikkapellen und dem Prinzenpaar aus Memmelsdorf wieder zahlreiche Kindergarten- und Schulkinder, aber auch Senioren des Awo-Altenheimes. Bunt maskiert zogen sie als Teufelchen, wilde "Raubkatzen" oder lebende Legosteine durch die Gartenstadt.

Ein echter Hingucker war einmal mehr der Wagen des Bürgervereins Gartenstadt. Mit einem aufwendig gestalteten Gefährt nahmen sie die Konversion auf die Schippe. Dabei "verwandelten" die Narren unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in ein Police-Acadamy-Team, das sich Bamberg unter den Nagel reißt.

"Wir haben in diesem Jahr noch mehr Zeit in die Gestaltung des Wagens investiert. Allein die XXL-Polizeimütze kostete einige Abende - zumal der Fasching heuer extrem kurz war und wir dadurch fast etwas unter Zeitdruck gerieten", schilderte Bürgervereinsvorsitzender Matthias Neller. Er bedauerte, dass die Stadtspitze in Sachen Konversion regelrecht überrollt worden sei. Da sei manch einer auch etwas blauäugig gewesen. Dennoch sei man seitens des Bürgervereins mit dem Spruch "Sorry! Wir hatten keine Chance" aber doch fair geblieben. "Außerdem ist die Bundespolizei bei uns in der Gartenstadt herzlich willkommen", betonte Neller.

Ansonsten war der Bürgerverein stolz, weiterhin einen eigenen Faschingszug auf die Beine stellen zu können. Schließlich, so Neller, gehöre dieser einfach zur Gartenstadt und sei für Kinder, Familien und ältere Mitbürger ein wichtiger Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben. "Ich selbst war als Kind immer vom Fasching in der Gartenstadt begeistert. Leuchtende Kinderaugen gab es heuer wieder genug und das ist die schönste Belohnung unserer Mühen", bilanzierte er.

Ebenfalls der Konversionspolitik der Stadt hatten sich Bambergs unabhängige Bürger (BuB) verschrieben: Sie verabschiedeten die Konversionspläne und bejubelten das Ankommen der Bundespolizei. Stadtrat Norbert Tscherner (Bamberger Bürgerblock), der seit vielen Jahren unermüdlich am Gartenstadter Gaudiwurm mitwirkt, konnte sich das "Lästern" ebenfalls nicht verkneifen und wetterte gleich mit zwei dekorierten Lastwagen gegen die Stadtpolitik. Als Sheriff sah er dabei schon die Zukunft des neuen Rathauses an der Promenade voraus: "Hier entsteht Bambergs zweites Event-Haus".

Bleibt nur noch die Frage, warum BuB-Vorsitzende Daniela Reinfelder nicht neben ihren Parteifreunden hoch oben auf ihrem Wagen thronte. War sie gar erkrankt? Mitnichten: Sie fuhr als wilde Bikerin im Pulk mit weiteren "Rockern" voraus auf dem Soziussitz einer "heißen" Harley Davidson. Wild, wild West Fasching eben ...