Das Kinderstück "Der Karottenkönig" feierte auf der Altenburg mit Möhren-Rap und Sidestep erfolgreiche Premiere.
Ein Theaterfest für die Kinder und einen hinreißenden Spaß für Eltern und Großeltern bietet das Stück "Der Karottenkönig" auf der Altenburg hoch über Bamberg allemal. Jetzt hatte das Sommerstück des Chapeau Claque im Burgraben der Altenburg unter idealen Bedingungen Premiere.
Und was soll man sagen: Der Karottenkönig, er zündete, er hat die Herzen des Publikums gewonnen. Dem Stück wünscht man gerne noch viel Publikum und den Kinder aus Bamberg und der Region viele schöne Sonnen-Sonntage, an denen möglichst viele kleine Theatereleven die Chance haben, Kindertheater satt und mit dem Karottenkönig zu erleben.
Vier Schauspielrinnen und Schauspieler zaubern unter der Regie von Benjamin Bochmann und nach einer nur hinsichtlich der Mineralstoffe von E. T. A. Hoffmann inspirierten Vorlage von Andreas Ulich mit dem Karottenkönig ein herrliches Stück veritablen Kindertheaters auf die kleine Bühne unter dem Burgsteg. Das kurzweilige Abenteuer des verhinderten Theaterschriftstellers Amandus schreit zwar buchstäblich nach noch mehr Gemüse, aber nach einer Stunde hat der Spaß ein Ende und die Möhren gibt's dann entweder wieder als wertvolle Beilage zu Kartoffelbrei und Erbsen. Und Amandus, gespielt von einem glänzend aufgelegten Valentin Kärner, wird wohl zukünftig vermehrt Gärtnern. Das passt ja aber doch für Bamberg.
Die Geschichte vom Karottenkönig, der gerne die süße Gärtnerin Anna (eine hinreißend liebe Jennifer Aigner Anderson) in sein Möhrenschloss entführen will, um an den Adelstitel derer von Zabelthau zu kommen, ist leichthändig und witzig inszeniert, toll besetzt, fein austariert zwischen Action und Tiefgang und unaufdringlich mit Möhren-Rap und Sidestep garniert. Ein Kinderteller vom Feinsten. Vitaminreich für den Kopf der Kleinen, opulent und doch nicht weiter als der Bauch für die Augen der Kids.
Anspruchsvoll und wertvoll
Da wird aber nicht etwa nur die Erwachsenen-Portion auf Kindertellergröße geschrumpft, da wird richtig anspruchsvoll und wertvoll gekocht, damit es den jungen Theatergängern so gut mundet, dass sie gerne mehr davon genießen mögen. Ein ehrliches Stück ist der Karottenkönig, eines das Spaß macht und Witz hat, das aber das Spektakel nicht wie Zuckerguss über alles drüber kippt oder gar von der sinnlosen Übertreibung des reinen Klamauks lebt. Theater eben, das für Kinder gemacht wurde und seine jungen Zuschauer mindestens so Ernst nimmt wie die klassischen Häuser ihre erwachsene Kundschaft. Und das muss auch sein, will man in der Stadt des Paul Maar mit Kindertheater bestehen können.
Einfach nur cool ist Pascal Averibou als Karottenkönig, wenn er auf seinem Skateboard daher geflitzt kommt und mit der Attidüte des "King of the Road" der gemüsenärrischen Anna den Hof macht, so dass die, obwohl sie gerade erst zarte Gefühle für den Traumtänzer Amandus bei sich entdeckt hat, dem Möhrenbaron beinahe auf den Leim geht. Und selbst Frau von Zabelthau, Annas Mutter, die fortwährend mit aller Welt und dem Universum via Staubsaugerrohr in Kontakt ist, erliegt dem Charme des Karottenkönigs um ein Haar. Pascal Averibou dabei ein Karottenkönig, der ein unbedingt liebenswerter Windbeutel ist. Und Maria Albu als eine ein wenig abgedrehte Mama Annas ist vermutlich, die Schwiegermutter, die sich alle Dichter wünschen - irgendwie besonders, sehr präsent und doch immer ganz weit weg.
Ach ja, und der Karottenkönig, er landet am Ende doch wieder im Gemüsebett auf dem Mistbeet. Wie es dazu kommt wird aber nicht verraten. Unbedingt hingehen, staunen und gucken!