Ob Leopold und sein Hirsch-Kumpel Ludwig bis zum kommenden Wochenende da sind, muss sich zeigen. Dafür wird ihr sechsköpfiger Harem auf jeden Fall eingezogen sein. Die drei Damen des Rehbock-Kollegen sowie weiter östlich die Zwerg-Ziegen, -Schafe und -Kaninchen haben dann wohl gleichfalls ihre neuen Quartiere bezogen.

Sie alle hauchen dem Baumwipfelpfad im Zuge des Programms "Natur & Tiere" im wörtlichen Sinn Leben ein. Zusammen mit dem Festplatz am Aussichtsturm und Weiterem gehören sie zu den Neuerungen, die am Wochenende 8./9. Juli mit einem großen Fest gefeiert werden.

Im "Jahr 2" des Baumwipfelpfades oberhalb Ebrachs am Radstein hat die Bayerische Staatsforsten wie angekündigt weiter Geld in die Hand genommen, um die Attraktivität des Baumwipfelpfades auszubauen. In das Programm "Natur & Tiere" wurden 390 000 Euro investiert.
Seit Eröffnung im März 2016 wollten schon 354 000 Besucher den Pfad sehen, weit mehr als die fürs erste Jahr erhofften 100 000, macht Sebastian Czech deutlich. Der 30-Jährige ist seit Juni offiziell Stellvertreter von Betriebsleiterin Miriam Langenbucher. Tatsächlich arbeitet der Forstingenieur aus der Nähe von Regensburg schon seit Jahresbeginn in Ebrach.


Viele Neuerungen am Pfad

2017 hat sich einiges getan am Pfad. Kleinigkeiten wurden nachgebessert, wie die Schaffung weiterer Sitzgelegenheiten entlang des Weges zum Pfad oder auch die Erweiterung der Hundeboxen von drei auf fünf, mit zwei nun wesentlich größeren.

Am signifikantesten sind jedoch die Dinge, die für das neue Programm entstanden sind. "Wir sind wohl der einzige Pfad, der über einem Wildgehege verläuft", meint Sebastian Czech. Kurz vor dem 42 Meter hohen Aussichtsturm wurde ein gut drei Hektar großes Wildgehege angelegt. Es ist eingezäunt und zum Schutz vor ungebetenen vierbeinigen Gästen - wie Wildschweinen - mit Elektrozaun versehen.


Wildwiesen zum Äsen

Zwei jeweils etwa 1000 Quadratmeter große Wildwiesen sollen Hirschen und Rehen publikumsträchtiges Äsen schmackhaft machen. Dazu gibt es eine Futterstation in unmittelbarer Nähe.

Bereits in Aktion ist "Deutschland wohl größtes Vogelhaus", so Czech, mit Maßen von 170 mal 170 Zentimetern. Es fehlen allerdings noch Tafeln, auf denen sich die beobachteten Vögel identifizieren lassen. In sechs Nistkästen in Sichtweite können Pfadbesucher mittels Webcam auch das Geschehen im Inneren beobachten. Seltene Einblicke wird auch das Schlangenbiotop unter dem Pfad bieten. Auf den zum Wärmen gedachten Schiefertafeln wird man wohl so manches Tier beobachten können.

Für das neue "Natur & Tiere"-Programm kooperiert der Baumwipfelpfad mit Dienstleister Eckard Mickisch. Der Wildtierexperte aus Wunsiedel brachte sich nicht nur in die Konzeption mit ein. Er stellt auch sämtliche Tiere und Tierpfleger. Für die Versorgung wurde ein eigenes Lagergebäude errichtet.

Ebrach ist das dritte Wildgehege neben dem in Mehlmeisel und Wunsiedel, das er betreibt. Dabei handelt er stets getreu seinem Motto "tierfreundlich und menschennah". Eckard Mickischs Erfahrung ist, dass Kinder Tiere beobachten, erleben, füttern, streicheln wollen. Das beinhaltet für ihn auch Respekt vor dem Tier "ich will ja keinen Zirkus."

Mickisch kennt seine Tiere. Rotwild (Hirsche) und Rehe sind in Wildgehegen aufgewachsen und damit die Nähe zu Menschen gewohnt. Freilich werden sie sich in Ebrach erst an die neue Umgebung und vor allem wohl den Turm gewöhnen müssen.

In diesem Jahr wird wohl Hirsch Leopold, ein stattlicher 16-Ender mit einer Krone aus Spitzen, die Attraktion sein. Im kommenden Jahr gesellt sich mit Hubertus einer der seltenen weißen Hirsch dazu. Alles ist ausbaufähig, meint Mickisch, der in Ebrach auch als Wildtierberater fungiert.


Stolz auf Neuerungen

Die Schilderungen Czechs zeigen, wie stolz das Pfad-Team auf die Neuerungen ist. Die letzten Arbeiten für den zweiten Spielplatz - beim Streichelwald mit sechs Ziegen, vier Schafen und sechs Zwergkaninchen - laufen noch, und auch ein Brotzeitplatz soll noch entstehen.
 

 


Beim "Wald-Wild-Wein"-Fest am Samstag ab 13 Uhr lassen sich die Neuerungen bestaunen. Abends wird als Novum der Turm illumiert, Sonntag ist um 11 Uhr Gottesdienst. Das Fest ist für die gesamte Region gedacht und soll jährlich abgehalten werden.

Weitere Informationen sowie Details zum Festprogramm finden sich auf der Homepage.