Denn vor allem die Landwirtschaft ist Leidtragender einer zunehmenden "Vergänsung" - der Begriff wurde von dem Hallstadter Landwirt Erhard Pflaum in die Debatte gebracht - des Maintales. Die Schäden, die alljährlich durch Grau-, Kanada- und neuerdings auch Nilgänse entstehen, gehen in die Zehntausende von Euro, wenn nicht sogar schon ein sechsstelliger Betrag zur Debatte steht.

Der Bauernverband fordert deshalb Gegenmaßnahmen, um der Plage Herr zu werden, die nach Ansicht der Ökonomen vor allem aus Renaturierungsmaßnahmen an Baggerseen und für das "Flussparadies Franken" resultieren. Das beschert dem Federvieh ideale Lebensbedingungen. Um sich ein Bild der Situation zu machen, trafen sich auf Einladung des Oberhaider Bürgermeisters Carsten Joneitis (SPD) Kommunalpolitiker, Jäger und Jagdpächter, Behördenvertreter, Vogelschützer und natürlich Landwirte mit MdL Heinrich Rudrof am Main.
Die Gänse, die am Vormittag noch da waren, hatten offenbar Verdacht geschöpft und sich auf eine Insel in dem Baggersee in Richtung Dörfleins zurück gezogen.

Dennoch waren in einiger Entfernung etwa 50 Tiere zu beobachten. "Sie ziehen mal den Main ein bisschen rauf und wieder runter", erklärte Andreas Klarmann, und der Landwirt Roland Reh forderte, den Abschuss auch im Februar freizugeben. Noch kurz vor dem Dreschen fräßen die Gänse die Ähren der Getreidefelder ab. Und der Hallstadter Gemüsebauer Hubert Lang sprach von "3000 Euro Schaden an einem Abend", was den Anbau nicht mehr lohnenswert mache. Bei Erhard Pflaum schließlich wurden zweieinhalb Hektar Raps total abgefressen, im Jahr darauf an gleicher Stelle auch die Wintergerste: "Das waren zweimal 3000 Euro Schaden." Auch Mais rupften die Tier beim Beginn des Wachstums komplett heraus. Pflaum forderte deshalb eine Einschränkung der Brutbereiche vor allem in den Renaturierungszonen.

Heinrich Stöcklein aus Dörfleins schließlich hatte in seinem Weißkraut-Acker über 10 000 Euro Schaden, die von niemandem erstattet würden. Kreisjagdberater Hans-Joachim Rost sah die Gänse ebenfalls "deutlich vermehrt". Sollten die Schäden weiter zunehmen, bestehe die Möglichkeit einer Verkürzung der Schonzeiten, so dass von August bis Januar, vielleicht sogar im Februar gejagt werden könne. Jeder "Flug" von Gänsen müsse "merken", dass Gefahr bestehe, dann würden die Reviere auch gemieden.

Anträge müssten allerdings die Geschädigten stellen. Der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Baunach, Weigler, forderte dazu Regelungen zwischen Betroffenen und Revierpächtern. Die Bejagung solle ähnlich wie bei den Kormoranen organisiert werden. Der Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Bamberg, Jürgen Reinwald, sah ebenfalls "erhebliche Schäden" durch die drei Gänsearten.

Was aber sagt der Bauernverband dazu? Der Bamberger Kreisobmann Heiner Faatz begrüßte ausdrücklich die Artenvielfalt in der Natur, aber: "Wir empfinden keinerlei Wohlwollen für Massen von Tieren, die das natürliche Gleichgewicht ins Wanken bringen." Die Gänse vermehrten sich so stark, dass sie durch Jagd alleine nicht mehr aufzuhalten seien. Sein Haßfurter Kollege Klaus Merkel forderte "kurzfristige Maßnahmen und ein langfristiges Konzept", dabei den Austausch von Erfahrungen.

"Die Verhältnisse haben sich geändert, die Zugvögel sind heimisch geworden", da dürfe sich der Naturschutz nicht aus der Verantwortung stehlen. Der neue Bamberger Kreisgeschäftsführer Werner Nützel kündigte an, fürs Erste einen Antrag auf Verlängerung der Jagdzeit zu stellen. Außerdem wolle man beim Landratsamt die Übernahme der Kosten für die Beweissicherungen einfordern. Um die Entwicklung zu verfolgen, solle ein "runder Tisch" gebildet werden. "Die Zeit drängt", verlieh Erhard Pflaum diesen Vorschlägen Nachdruck.