Mitten in der von ihnen so verhassten freien Gesellschaft unserer Demokratie planten Neonazis ihre feigen Anschläge. Die Ermittlungserfolge der Polizeibehörden in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Bamberg sowie dem LKA verdeutlichen, wie sich der braune Hass auch über Ober- und Mittelfranken ausbreiten konnte.

Erik Ohlenschlager, Leitender Oberstaatsanwalt in Bamberg, ist überzeugt, dass zwei Asylbewerberunterkünfte in Bamberg, darunter auch das sogenannte Balkanzentrum, konkrete Ziele für Sprengstoffanschläge waren. Möglicherweise war der Anschlag für den 31. Oktober geplant gewesen, an diesem Datum sollte eine Demonstration von Rechtsextremisten vor dem Rückführungszentrum stattfinden. Bei einigen der Verhafteten handle es sich um regional führende Köpfe der Partei "Die Rechte", bestätigt Ohlenschlager.

Sogar ein Organisator der "Nügida-Bewegung" in Nürnberg sei festgenommen worden, sagen die Ermittler. Bislang bestehe der Verdacht, dass die vier Hauptverdächtigen eine kriminelle Vereinigung gebildet haben und für mehrere Gewaltdelikte verantwortlich seien sowie weitere Taten geplant hatten.

Die Verdächtigen stammen aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg, aus Nürnberg und aus Erlangen. Mitglieder der rechtsextremen Gruppe sollen auch einen massiven Angriff in der Bamberger Innenstadt gegen drei Passanten Mitte Mai verübt haben, die nach einem vorangegangenen Streit die Polizei verständigen wollten. Mit Faustschlägen verletzte einer der Täter mehrere Personen.


Szene immer radikaler

Immer mehr Details trugen die Polizeiermittler über die Neonazi-Gruppe zusammen. Die Fahnder bekamen mit, dass die Verdächtigen in den vergangenen Wochen größere Lieferungen von Feuerwerkskörpern aus Polen orderten. Diese Sendungen wurden von der Polizei abgefangen.

Dabei handelte es sich aber nicht um Feuerwerkskörper, sondern um sogenannte Kugelbomben, die in geschlossenen Räumen mit ihrer Sprengkraft eine schreckliche Wirkung entfalten können.
Werner Mikulasch, Vize-Polizeipräsident von Oberfranken, über die Erkenntnisse seiner Fahnder: "Die rechtsradikale Bamberger Szene ist immer radikaler geworden. Schwere Anschläge standen wohl unmittelbar bevor." Daher erfolgte die Entscheidung, die rechte Szene auffliegen zu lassen. Bei den Razzien der Polizei wurden dann auch Waffen wie mehrere Schwerter oder eine Armbrust sichergestellt. Dazu kommen Schreckschuss-Waffen und sogenannte Paintball-Gewehre. Außerdem fanden Kriminalbeamte eine scharfe Pistole aus früheren Wehrmachtsbeständen mit Munition.

Die akribische Arbeit der Ermittler steht allerdings erst am Anfang. Jetzt müssen sie Mobiltelefone, PCs und weitere Datenträger aus den Wohnungen der Rechtsextremisten auswerten. Hiervon erhoffen sich die Experten weitere Einblicke in das Netzwerk der fränkischen Neonazis. Staatsanwaltschaft Bamberg und Polizei stoßen bereits jetzt auf enge Verflechtungen der Gruppierung - sowohl in rechtsextreme Kreise als auch in die überregionale Hooliganszene. Es besteht daher der konkrete Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung durch die Beschuldigten.