Allen Protesten zum Trotz: Auch im zweiten Entwurf für den Netzentwicklungsplan (NEP) 2025 ist die Höchstspannungstrasse von Redwitz über Würgau ins mittelfränkische Ludersheim als "erforderlich" betrachteter Bestandteil des künftigen deutschen Stromnetzes enthalten. P44mod nennt sich das, was für viele eine Monstertrasse darstellt. "mod" deshalb, weil es die modifizierte Variante des vom Netzbetreiber Tennet geplanten Projekts 44 ist - die ursprünglich vom thüringischen Altenfeld über Redwitz nach Grafenrheinfeld führende "Thüringer Strombrücke".

Weil für die Strecke Redwitz - Grafenrheinfeld eine ganz neue Stromtrasse gebaut werden müsste, regt sich vor allem in den davon betroffenen Landkreisen Haßberge und Coburg massiver Widerstand. Da sich die bayerische Staatsregierung auf die Seite der Trassengegner gestellt hat, legte Tennet im vergangenen Jahr die Alternative zu P44 vor: den Ausbau beziehungsweise die Verstärkung der bestehenden 220-Kilovolt(kV)-Leitung zur 380-kV-Höchstspannungstrasse.


Vorrang für bestehende Trassen

Im Landkreis Bamberg führt diese Trasse von Wattendorf über Würgau durch die Gemeindegebiete von Stadelhofen, Scheßlitz, Königsfeld, Litzendorf, Heiligenstadt und Buttenheim. Der Vorteil für die Planer: Sie können P44mod als "Netzverstärkung" auf einer bestehenden Trasse darstellen. Außerdem können sie sich die Mehrkosten sparen, die durch den von der Bundesregierung beschlossenen Vorrang der Erdverkabelung beim Neubau von Stromtrassen bei P44 (Redwitz - Grafenrheinfeld) entstehen.

Allerdings ist die Alternativtrasse über den Jura 38 Kilometer länger. Und es reicht nicht, einfach neue Leitungen auf die bereits dort stehenden Masten aufzuhängen. Darum ist laut NEP-Entwurf ein "Neubau in bestehender Trasse" notwendig. Ob dafür die alten Masten durch neue, noch größere ersetzt, oder ob neben der bestehenden Leitung parallel eine zweite - mit dem entsprechenden Raumbedarf - errichtet würde, geht aus dem Netzentwicklungsplan nicht hervor. Dieser legt lediglich die erforderlichen Trassen fest, wenn er nach der Konsultation des zweiten Entwurfs als Bundesbedarfsplan vom Gesetzgeber beschlossen wird.

Um diesen Neu- beziehungsweise Ausbau zu verhindern, haben sich bereits Ende vergangenen Jahres die Landräte und Bürgermeister der betroffenen Kreise und Kommunen gegen P44mod ausgesprochen. Doch ihre Einwände haben im Konsultationsverfahren des ersten Entwurfs offenbar nichts gefruchtet.

In dem vor kurzem vorgelegten zweiten Entwurf ist die neue Variante gegenüber der ursprünglichen Trasse nach Grafenrheinfeld sogar noch stärker in den Vordergrund gerückt. Zwar heißt es nach wie vor: "Die Projekte P44 und P44mod sind alternativ zueinander zu verstehen. Bei Bestätigung eines der beiden Projekte entfällt das andere." Doch der komplette Neubau einer Trasse wird, vor allem wegen der Widerstände aus Bayern, zunehmend als politisch unerwünscht betrachtet. Der schwarze Peter würde damit den Landkreisen Bamberg und Forchheim zufallen, die zuvor von den Stromtrassenplanungen unberührt waren.


Landrat will sich weiter wehren

Deshalb hat sich unmittelbar nach der Bekanntgabe des zweiten Entwurfs der Bamberger Landrat Johann Kalb (CSU) zu Wort gemeldet. "Das werden wir so nicht akzeptieren", gibt er sich kämpferisch. Die betroffenen Landkreise, Städte und Gemeinden hätten sich von Anfang an gegen die Verwirklichung dieses Netzprojektes gestemmt und würden das auch weiterhin tun. Es wird also spannend, ob die Einwände aus Oberfranken in der zweiten Konsultationsphase mehr Berücksichtigung finden werden. Oder ob gar neue Argumente vorgebracht werden. Schließlich hat der lautstarke Protest andernorts erst dazu geführt, dass die Planer P44mod ins Auge fassten.