Mehr als 60 Brauereien bieten im Landkreis Bamberg eine Biervielfalt, die sich Nicht-Franken kaum vorstellen können. Vor allem Landrat Johann Kalb und seine CSU-Fraktion im Kreistag haben deshalb schon vor Jahren für ein Bierkulturzentrum geworben. 2019 wurden diese Pläne in Form einer Machbarkeitsstudie sehr viel konkreter, auch wenn SPD und Grüne/AL dem Millionen-Vorhaben kritisch gegenüberstanden. Im vergangenen Jahr ist es um das Großprojekt im Zeichen des Gerstensaftes aber sehr still geworden. Hat Corona etwa auch den Träumen von einem Bierkulturzentrum ein Ende bereitet?

Erst Wahlkampf, dann Pandemie

"Das Projekt wurde zunächst wegen des Kommunalwahlkampfs und dann pandemiebedingt zurückgestellt", sagt Frank Förtsch, der Pressesprecher des Landratsamts, auf unsere Nachfrage. Das heiße aber nicht, dass die Pläne nicht zu gegebener Zeit weiterverfolgt würden.

Noch bis Februar 2020 haben sich mehrere Landkreis-Gemeinden um das Bierkulturzentrum beworben. Die Standorte sollten geprüft, ein Architekturwettbewerb vorbereitet werden. Außerdem suchte der Landkreis Gespräche mit potenziellen Investoren. "Wir haben die höchste Brauereidichte der Welt. Das sind wir unseren Brauern, unserer Gastronomie und unserer Kultur hier schuldig, dass wir uns um dieses Thema kümmern", hatte Landrat Kalb damals im Kreisausschuss argumentiert. Klassische Weinregionen wie die Mosel oder auch Mainfranken hätten es längst verstanden, den Wein als qualitativ hochwertiges Produkt in angenehmer Atmosphäre zu vermarkten. Daher sei es höchste Zeit, einen Ort zu schaffen, um dem Qualitätsprodukt Bier den gleichen Stellenwert einzuräumen.

Projektplaner Holger Seidel vom Büro Drees und Sommer hatte einen Treffpunkt der Brauer weltweit mit gläsernem Sudhaus, Braugarten, Shop und Bierkeller und zugleich einen Standort für wissenschaftliche Arbeiten skizziert. Einen Ort, an dem sich Touristen und Einheimische über die regionale Bierkultur informieren können, wo aber auch (Fach-)Seminare rund ums Bier stattfinden können. Eine hauseigene Brauerei, in der Brauer in Kooperation neue Sude entwickeln, sollte den regionalen Brauern keine Konkurrenz machen.

Drei Monate zuvor war im Bürgerhaus Lechnerbräu in Baunach das unter Federführung der Wirtschaftsförderung des Landkreises erstellte Konzept für ein Bierkulturzentrum vorgestellt worden. Es sollte laut Thomas Reichert von der Wirtschaftsförderung "nicht einfach ein weiteres Brauereimuseum werden", allerdings würden auch eine Dauerausstellung und eine Multimediapräsentation eingeplant.

Während die CSU-Fraktion in einem Bierkulturzentrum eine Form der Wirtschaftsförderung für den Mittelstand erkannte, gab es im Kreistag auch kritische Stimmen gegen das Projekt. Vor allem die in einem Gutachten genannten Investitionskosten von 40 Millionen Euro schreckten ab. Und Bernd Fricke (Grüne/AL) sah unter anderem auch eine Verniedlichung und Verharmlosung des Themas Alkohol. Ein Bierkulturzentrum bezeichnete er als "so unnötig wie schales Bier". Auch die SPD-Fraktion stand dem Vorhaben kritisch gegenüber, der Landkreis dürfe nicht selbst als Betreiber des Großprojektes auftreten. Es sei an der Zeit, private Investoren ins Boot zu holen, mahnte etwa Carsten Joneitis.

Bierkultur bleibt Thema

"Dass der Landkreis das nicht selbst baut, ist selbstverständlich", hatte der Landrat damals betont. Nun seien private Investoren gefragt: Brauereien, Hoteliers, große Braufirmen. Denen könne man endlich ein tragfähiges Konzept vorlegen. Interessenten gebe es. Für die Prüfung der Machbarkeit seien lediglich 50 000 Euro über Leader-Gelder finanziert worden.

Im Kommunalwahlkampf 2020 war das Bierkulturzentrum dann nur noch ein Randthema, dem die vier Herausforderer des Landrats zurückhaltend bis ablehnend begegnet sind. Kalb betonte hingegen immer wieder, dass der Landkreis nicht selbst investieren werde. Bierkultur bleibe aber ein Thema für den Landkreis, das Bierkulturzentrum sei "ein Arbeitstitel".

Im mittlerweile zweiten Lockdown scheint das ehrgeizige Projekt nun weiter in die Ferne gerückt. Die regionalen Brauereien und Hotel-Betreiber hoffen, mit staatlicher Hilfe ihre schließungsbedingten Verluste abfedern zu können. Und auch potenzielle Investoren dürften erst einmal die weitere Pandemie-Entwicklung und die eigene wirtschaftliche Situation im Blick haben. Damit bleibt die Idee eines Bierkulturzentrums im Bamberger Land zunächst noch Theorie - bis sie ein Geldgeber zum Leben erweckt.