Jugendtreff, Bücherei, Mittagsbetreuung und Offene Ganztagsschule haben eines gemeinsam: massive Raumprobleme. Seit Jahren stehen die Verantwortlichen deswegen regelmäßig im Rathaus auf der Matte. Mit Erfolg! Denn die Appelle sind nicht mit den Akten in irgendwelchen Schubladen verschwunden. Vielmehr hat sich die Verwaltung intensiv Gedanken gemacht und eine Lösung gefunden, die alles unter ein Dach bringt. Sogar ziemlich wörtlich: Zum großen Wurf soll das "Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum" auf dem Schulgelände werden. Auf einer etwa 1000 Quadratmeter großen Wiese.

Doch die verschiedenen Vorgaben und Vorstellungen unter einen Hut zu bringen, ist selbst auf einer großen Fläche kein leichtes Unterfangen. Die ersten Pläne mussten genau deswegen noch einmal gravierend "umgestrickt" werden.

Dafür, wie der Planer die neuen Herausforderungen gemeistert hatte, interessierte sich eine Vielzahl von Bürgern. In der Hauptsache handelte es sich freilich um solche, die mit den betroffenen Einrichtungen zu tun haben: Mittagsbetreuung (in der Grundschule), Jugendarbeit, Offene Ganztagsschule (an der Mittelschule) und Bücherei.

Bei dem knapp zwei Millionen Euro teuren Vorhaben, das gleich bei der Mittelschule realisiert werden soll, ist die Gemeinde auf möglichst hohe Zuschüsse angewiesen. Mit 1,6 Millionen Euro ist der Anbau (mit 900 Quadratmeter Nutzfläche) veranschlagt. Etwa 300 000 Euro werden die Modifizierungen im bestehenden Gebäude kosten.

Zuschüsse beziehungsweise Förderungen gibt es jedoch nur dann, wenn sich das Vorhaben mit dem von der Regierung von Oberfranken anerkannten abstrakten Raumprogramm deckt. Was bedeutet, dass für bestimmte Räume nur eine festgelegte Größe gefördert wird. Zudem gilt es, gerade für Zuschüsse zum Jugendtreff die Vorgaben des Bayerischen Jugendrings zu erfüllen. "Bis zum aktuellen Stichtag 1. Februar muss das endgültige Konzept eingereicht sein ", erklärt Sachbearbeiterin Nadja Göhl. Auf jeden Fall musste Architekt Peter Schneider wegen der Förderbedingungen des Bayerischen Jugendrings so umplanen, dass Jugendtreff und Bücherei über jeweils separate Eingänge zu erreichen sind.

Das heißt in der Folge auch, dass Synergie-Effekte wie gemeinsame WC wegfallen. Andererseits machte Schneider bei den Umplanungen aus der Not auch eine Tugend: Der im Osten des bestehenden Schulgebäudes vorgesehene Anbau kommt nun aus dem Erdreich heraus, weshalb also auf ein Tiefparterre und damit verbundenem baulichem Mehraufwand verzichtet werden kann.


Weiterer Aufzug nötig

Nicht verzichten kann der Architekt dagegen auf den Bau eines weiteren Aufzugs - auch am Schulgebäude gibt es einen - allerdings nicht auf der Seite, an welcher der Anbau entstehen soll. Weil Bücherei und Jugendtreff ins Erdgeschoss "wandern", bedeutet das, dass im Obergeschoss des Anbaus die Mittagsbetreuung unterkommt und mit der jetzt schon bestehenden im Schulhaus auf der gleichen Ebene korrespondiert.
Wie Schneider erklärte, fallen durch die Umplanung keine Mehrkosten an - durch den Verzicht aufs Hochparterre.

"Man sieht, das ist etwas Besonderes, die Vernetzung verschiedener Einrichtungen", kommentierte Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) das Projekt, das in der Gemeindeverwaltung in die Zuständigkeit von Nadja Göhl fällt. Sie kennt sich mit der Materie zwischenzeitlich bestens aus und weiß, unter welchen Bedingungen die Einrichtungen, die künftig das neue Zentrum beseelen wollen, momentan arbeiten müssen.

Der Jugendtreff etwa muss sich seit Jahren in zwei gebrauchten Containern auf einer Gesamtfläche von 60 Quadratmetern und einem nicht optimalen Standort (Bürgermeister-Weyrauther-Straße) begnügen. Der Büchereibetrieb läuft in zwei kleinen Wohnungen auf insgesamt 110 Quadratmetern. Der Schulbücherei stehen derzeit gar nur 27 Quadratmeter zur Verfügung. Und die Mittagsbetreuung ist in der alten Hausmeisterwohnung beheimatet, auf 129 Quadratmetern, Essen inklusive, nach exakt getaktetem Zeitplan. Weil hier auch für die Offene Ganztagsschule (103 Quadratmeter in einem anderen Schultrakt) gekocht wird, "muss das Essen durch die ganze Schule getragen werden." Nadja Göhl leidet hörbar mit mit all den Betroffenen.

Die Neukonzeption soll Schneider nach Wunsch des Gemeinderates konkretisieren. Klar machte das Gremium auch, dass sorgsam gewirtschaftet werden muss und die Umsetzung so bald wie möglich, aber nur auf der Basis von Förderzusagen erfolgen soll.