Steffen Burger hat gerade jede Menge zu tun. Der 33-jährige Bamberger arbeitet als IT-Entwickler bei der Deutschen Telekom. Normalerweise sind Tools und Applikationen für eine Telefonieplattform der Telekom, die von großen Firmen genutzt wird, seine Welt. Aber in seiner Freizeit surrt seit einer Woche sein 3D-Drucker. Was dabei herauskommt, ist nichts Geringeres als wichtige Schutzausrüstung in der Corona-Krise. "Wir drucken Schutzvisiere für das Gesicht nach einem Muster, das in Tschechien und Schweden bereits zertifiziert ist", sagt Burger.

Mit "wir" meint der Bamberger ein großes Netzwerk. Unter dem Namen "Maker vs. Virus" hat sich von Kassel ausgehend bundesweit in kurzer Zeit eine Initiative gebildet. Sie bringt Leute zusammen: Solche, die ohne Profitabsicht ihre technischen Ressourcen von 3D-Druckern, Lasercuttern oder CNC-Fräsen für den Schutz gegen Corona laufen lassen. Und solche, die dringend auf derartigen Gesichtsschutz angewiesen sind.

Von fünf auf 50

Burger hat die Regionalgruppe "starke Franken" ins Leben gerufen und sich mit den Technikfreaks des Bamberger Vereins "Backspace" kurzgeschlossen. Inzwischen machen in Franken rund 30 Personen mit. "Wir sind mittlerweile bei 50 solcher 3D-Drucker, vor einer Woche waren es noch fünf", berichtet Burger. Neben dem Druck haben die Franken auch noch einen sogenannten Lasercutter im Einsatz. Dieser produziert den gewünschten Schutz in etwa einer Minute. Die 3D-Drucker benötigten hingegen eine halbe bis zweieinhalb Stunden, erklärt Burger.

Die fertigen Masken sind eine Art gewölbter Gesichtsschutz aus Plastik, der nicht nur Nase und Mund, sondern auch die Augen vor der gefürchteten Tröpfcheninfektion mit einem Corona-Virus schützen kann. "Ungefähr 200 Masken haben wir seit dem Start unserer Initiative am vergangenen Wochenende schon drucken können", berichtet Burger. Die meisten davon seien an ein Seniorenheim in Bamberg gegangen, andere landeten bei Zahnärzten vor Ort, 40 Exemplare hat Burger auf Nachfrage an Kliniken in Sachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen verschickt.

Zum Selbstkostenpreis

Sein 3D-Drucker ist das eine, noch wichtiger ist die Koordination des Hilfsangebots. "Wir kommunizieren über eine Chatplattform und dann noch über eine digitale Pinnwand, wo wir Angebot und Nachfrage zusammenbringen", beschreibt der 33-Jährige den Informationsaustausch.

Geld verdienen wollen die "Maker vs. Virus" nicht. "Wir führen nur Initiativen auf, die ihre (selbst) produzierten Artikel kostenlos oder zum Selbstkostenpreis anbieten", heißt es auf der Internetseite "makervsvirus.org", wo auch der E-Mail-Kontakt zu Steffen Burger zu finden ist.

Probleme beim Materialnachschub

Ein bis drei Euro kostet so ein Schutzvisier in der Herstellung. Die Initiative könnte neben 3D-Drucker-Besitzern aber noch Unterstützung an anderer Stelle gut gebrauchen. "Da die Baumärkte derzeit geschlossen sind, kommen wir nur schlecht an die nötige PET-Folie ran", sagt Burger. Spenden von Laminierfolie, Polycarbonatfolie (für den Lasercutter) oder auch Knopflochgummibänder, um die Masken am Hinterkopf zu halten, seien willkommen. Ebenso Geldspenden für das Versandporto.

Die "Macher gegen das Virus" haben jedenfalls ihre Form der Hilfe gefunden.