Ja, er habe eine Bilddatenbank von markanten Krankheits-Fällen erstellt, und zwar für ein anatomisch-klinisches Weiterbildungsprojekt. Einige der Fotos hätten zudem der Vorbereitung eines Vortrags über Beckenvenendiagnostik gedient, den er bei einem bundesweiten Phlebologen-Kongress im Herbst in Bamberg halten wollte.

Dass er die Bilder mit sexueller Motivation gemacht haben soll, wie es ihm die Staatsanwaltschaft anlastet, wies der frühere Chefarzt Heinz W. am Mittwoch vor dem Landgericht aber erneut von sich.

Auch am siebten Prozesstag gegen den ehemaligen Leiter der Klinik für Gefäßmedizin am Bamberger Klinikum ging der angeklagte Arzt nur am Rande auf die Tatvorwürfe - sexuelle Übergriffe auf 13 Frauen - ein. In der Hauptsache fuhr er fort, seine Arbeitsweise, das Entstehen und Fortführen von Patientenakten und die praktizierte Dokumentation von Untersuchungen zu erläutern.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde im Gerichtssaal auch eine Power-Point-Präsentation gezeigt, die W. in der Untersuchungshaft zu Anschauungszwecken für die medizinischen Laien unter den Prozessbeteiligten angefertigt hat.

Laut Leander Brößler, Pressesprecher des Bamberger Oberlandesgerichts, werden darin Fotos und Ultraschallaufnahmen vom Unterleib einer jungen Frau einander gegenüber gestellt. W. habe damit darlegen wollen, wie er jene Fotos für Fachvorträge einsetzen wollte, die die Bamberger Staatsanwaltschaft als Beweismaterial gegen ihn verwendet.

Die jüngsten Ausführungen des 49-Jährigen bezogen sich vorwiegend auf Fall acht der Anklage. Das mutmaßliche Opfer war keine Patientin, sondern eine medizinische Fachangestellte in der Ausbildung. Er habe im Juli 2010 für ein Fortbildungsprojekt jemanden gesucht und die damals 18-Jährige angesprochen, sagte W..

Die junge Frau soll sich bereit erklärt haben, sich zu diesem Zweck untersuchen zu lassen und sei auch mit einer Bild- und Fotodokumentation einverstanden gewesen. Laut Heinz W. gibt es eine schriftliche Einverständniserklärung. Er will sie bei seiner Verhaftung übergeben haben. Sie sei ihm aber nicht wieder ausgehändigt worden; deshalb könne er sie nun nicht zu seiner Entlastung vorlegen.

Dem ehemaligen Chefarzt wird auch vorgeworfen, er habe die jungen Frauen - darunter zehn Patientinnen - ohne deren Wissen bei Unterleibs-Untersuchungen fotografiert. Vorher soll er den mutmaßlichen Opfern ein Beruhigungsmittel verabreicht haben, so dass sie wehrlos waren. Auch das stritt Heinz W. erneut ab.

Bei der Polizei soll die 18-Jährige von einer Krampfadernstudie gesprochen haben, für die W. angeblich sehr schlanke Teilnehmerinnen wie sie gesucht habe.

Von so einer Studie sei nie die Rede gewesen, betonte der Angeklagte am siebten Verhandlungstag. Er hatte auch eine Erklärung parat: "Ich vermute, dass diese Aussage einer Pressefalschmeldung geschuldet ist."


Ist Sachverständiger befangen?

Der siebte Prozesstag endete am Mittag mit einem Befangenheitsantrag gegen einen der drei medizinischen Sachverständigen, einem Rechtsmediziner. W.s Verteidiger beziehen sich auf ein Gutachten in den Akten, das noch nicht zur Sprache gekommen ist. Angeblich basiert es auf nicht aussagekräftigem Bildmaterial. Der Angeklagte glaubt dem Antrag zufolge, dass der Sachverständige ihm gegenüber nicht unparteilich ist.

Frühestens am kommenden Dienstag, wenn das Verfahren weitergeht, wird die Große Strafkammer unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt über den Antrag entscheiden. Die Nebenkläger erhielten bis Montag Zeit, Stellung zum Befangenheitsantrag zu nehmen.

Wird der Antrag vom Gericht abgelehnt, geht das Verfahren mit weiteren Einlassungen des Angeklagten zu den Tatvorwürfen weiter.

Wird dem Antrag stattgegeben, ist der Fortgang des Prozesses offen. Theoretisch ist es laut OLG-Sprecher Brößler möglich, die Person eines Sachverständigen in einem laufenden Verfahren zu wechseln.