Ein Heim-Bewohner begrapscht eine Altenpflegerin - das kann, muss aber nicht unbedingt ein Fall für Konrad Dengler sein.

Dengler, ein erfahrener Jurist im Ruhestand, ist der neue Gewaltbeauftragte des Diözesancaritasverbands. Als solcher fungiert er als Ansprechpartner sowohl für die rund 1700 Beschäftigten des katholischen Spitzenverbands der Freien Wohlfahrtspflege als auch für die mehr als 1800 Kinder, Jugendlichen und Senioren, die die Caritas im gesamten Bistum in ihren Einrichtungen betreut. Auch Angehörige möglicher Opfer können sich an ihn wenden.

Am Dienstag stellte die Caritas in Bamberg ihr Konzept zur Gewaltprävention vor, in der der externe Beauftragte eine wichtige Rolle spielt.
Ziel sei es, "alle Arten von Gewalt zu verhindern", sagte Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein. Und für den Fall, dass es doch einmal zu Übergriffen gekommen sei, wolle man "angemessen damit umgehen können".

Viele denkbare Formen

Der Caritasverband beschäftigt sich nach Angaben von Gerhard Öhlein, Ursula Kundmüller (Abteilung Kinder-, Jugend- und Familienhilfe) und Josef Noppenberger (Abteilung Gesundheits-, Alten- und Eingliederungshilfe) seit 2010 intensiv mit der Thematik. Die damals entbrannte Diskussion um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen habe den Anstoß gegeben.

Doch seien sexuell motivierte Übergriffe nur ein Aspekt. Es gelte auch physische, verbale und psychische Gewalt zu unterbinden oder zu erkennen.

Laut Öhlein gibt es in sozialen Einrichtungen besondere Risikofaktoren gerade dafür. Sie entstünden beispielsweise durch die Abhängigkeitsstrukturen in der Erziehung und Pflege, durch die zwangsläufige emotionale und körperliche Nähe, aber auch durch herausforderndes Verhalten von Betreuten und Strukturen wie Nachtdienste.

Das Gewaltrisiko in der sozialen Arbeit kann von allen Seiten ausgehen, wie die Caritas-Vertreter darlegten. Denkbar sei, dass sie von Mitarbeitern ausgeübt wird. Auch der umgekehrte Fall, wie das eingangs genannte Beispiel, sei nicht so selten. Man habe auch Formen von Gewalt im Blick, wie sie von Betreuern oder Betreuten untereinander stattfinden könnten, und das Mobbing durch Vorgesetzte.

Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören nach Öhleins Angaben ein Verhaltenskodex, an den der Arbeitgeber genau so gebunden sei wie die Beschäftigten, und verpflichtende Schulungen für sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: von der Verwaltung, Technik, Hauswirtschaft und Reinigung bis zu den Fach- und Führungskräften.
Erste Schulungen für die ersten 120 Beschäftigten aus drei Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe-Einrichtungen in Pettstadt (Landkreis Bamberg), Altenkunstadt und Lichtenfels seien angelaufen. Die Berufung eines Gewaltbeauftragten bildet einen weiteren Mosaikstein im Präventions-Konzept.

"Die Caritas meint es ernst!" Das Ehrenamt sei nicht nur ein Feigenblatt; deshalb habe er sich bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen, sagte Konrad Dengler bei seiner Vorstellung am Dienstag.

Aus 30 Jahren Berufserfahrung kenne er die Nöte der Betroffenen, aber auch die Ansprechpartner bei der Polizei und der Opferschutzorganisation "Weißer Ring". Auch Einblick in die Besonderheit sozialer Berufe hat Dengler: Er unterrichtet seit 1979 angehende Erzieherinnen und Erzieher in Rechtskunde. Der dreifache Vater war Wunsch-Kandidat des Caritasverbands für ein Ehrenamt, das in dieser Form bundesweit angeblich erstmals geschaffen wurde.

Seit Ende 2013 etabliert sich die Anlaufstelle. Gravierende Fälle sind Dengler noch nicht zu Ohren gekommen. Viele Vorfälle bewegten sich unterhalb dessen, was strafbar ist. Es komme oft auch darauf an, wie ein mögliches Opfer das Geschehene bewerte.

Wichtig ist dem Gewaltbeauftragten der Hinweis, dass er jede Meldung streng vertraulich behandelt.


Wie man den Gewaltbeauftragten erreicht

Für einen ersten Kontakt ist der Gewaltbeauftragte des Caritasverbands wie folgt zu erreichen:

per Post: Konrad Dengler, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D., Postfach 1229, 96003 Bamberg;
per Telefon unter der Nummer 0951/509732 (Fax 0951/509733);
per E-Mail unter der Adresse gewalt@caritas-bamberg.de.