Es sind drei Männer, die mit ihren Familien in Rumänien in bitterer Armut leben. Die Frau eines der Angeklagten konnte nicht einmal zur Urteilsverkündung kommen, weil das Geld für die Anreise nach Deutschland fehlte. Drei Familienväter, keiner hat einen erlernten Beruf, ein Angeklagter kann weder lesen noch schreiben. In der Wohnung des anderen leben die vier Kinder mit ihrer Mutter ohne Strom, das Essen sei oft knapp.

Soweit die eine Seite. Die andere sprach Richter Martin Barnickel in seiner Urteilsverkündung an: "Wir haben viele rumänische Staatsangehörige hier in Deutschland, die auch aus ärmlichen Verhältnissen kommen - aber sich hier ihr Brot mit Arbeit verdienen." Das Argument, hunderttausende Euro zu entwenden, weil die Kinder zu Hause hungern würden, könne man nicht gelten lassen. Die Kleine Strafkammer des Bamberger Landgerichts sah es als erwiesen an, dass die drei Rumänen im Alter von 30, 31 und 33 Jahren von 2014 bis 2015 in ganz Deutschland Buntmetall im großen Stil gestohlen haben. Die Männer stiegen in Unternehmen ein, die Altmetall sammeln, um insbesondere Kupfer zu stehlen und weiter zu verkaufen. Dabei gingen sie rabiat vor: Hohe Sachschäden, etwa durch einen niedergerissenen Zaun, ein Loch in der Mauer oder eine komplett zerschlagene Videoanlage nahmen sie in Kauf.

In insgesamt 14 Fällen haben sie in verschiedenen Städten und Gemeinden in Franken, der Oberpfalz, Niederbayern und Sachsen-Anhalt zugeschlagen - "in einer hochorganisierten Bande", wie Barnickel sagte.
Denn die drei Verurteilten waren nicht allein: 19 Menschen waren in der Gruppe aktiv, alle aus dem gleichen Ort in Rumänien, und alle irgendwie miteinander verwandt. "In der Bande gab es einen sehr guten Zusammenhalt. Da waren die Späher im Pkw, dann holte man den Transporter, und sechs bis acht Personen sind in die Objekte eingedrungen", wie der Richter ausführte. Die Täter wechselten Handykarten, Fahrzeuge und portionierten die Ware direkt für den Verkauf. Praktisch, dass die Bandenmitglieder gleichzeitig als Schrott- und Autohändler tätig waren. "Die Verkaufspreise waren teilweise höher als der Entwendungsschaden. An der Gewerbsmäßigkeit gibt es keinen Zweifel", sagte der Richter.


Mehrere Einbrüche mit 20.000 Euro Beute

Die Beute hatte in mehreren Fällen einen Wert von über 20.000 Euro, der Sachschaden lag teilweise bei 5000 Euro. Der kompletten Bande war die Polizei bei umfangreichen bundesweiten Ermittlungen auf die Spur gekommen.
Die drei Familienväter, die nun in Bamberg verurteilt wurden, hatten unter anderem in Hallerndorf (Landkreis Forchheim), Ochsenfurt (Landkreis Würzburg), Hilpoltstein (Landkreis Roth) und Hammelburg (Landkreis Bad Kissingen) Buntmetall gestohlen.

Das Gericht verurteilte die Diebe zu vier Jahren, zwei Jahren und neun Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe - wegen schweren Bandendiebstahls, Sachbeschädigung und bandenmäßiger Hehlerei. Die Täter tragen zudem die Verfahrenskosten. Die Höhe der Strafe richtet sich nach der Beteiligung der Männer an den einzelnen Straftaten. Und: "Die weitgehenden Geständnisse haben eine deutliche Strafmilderung herbeigeführt", merkte Richter Barnickel nach der Urteilsverkündung an. Gleichwohl sprach er von einer "erheblichen kriminellen Energie", die schon allein in der Bandenstruktur zu sehen sei. Die Gruppe sei gar "der Prototyp der Bande, wie sie sich der Gesetzgeber vorstellt." Es existiere ein Pool von Mitgliedern, auf die man stets habe zugreifen können, um zum Tatort zu fahren.

Richter Barnickel war sich des sozialen Hintergrundes der Straftäter durchaus bewusst. Zu deren relativ geringen Bestrafung hätten nicht nur die Geständnisse beigetragen sowie die Tatsache, dass in zwei Fällen das Diebesgut sichergestellt werden konnte. Die Urteile seien auch deswegen so ausgefallen, weil "sehr viele Menschen von den Diebstählen leben mussten. Pro Familie blieb da nicht viel übrig."