Die wie gemeißelt wirkenden, undurchdringlichen Züge des Künstlers scheinen alle Vorurteile des Westens über das Gesicht Asiens zu bestätigen. Doch hinter der scheinbaren Maske muss es brodeln.
Das beweisen die meist großformatigen Bilder, die Dashdemed Sampil in einer Ausstellung des Bamberger Kunstvereins im Foyer des E.T.A.-Hoffmann-Theaters bis 8. März zeigt. Es sind fremdartig wirkende, verstörende Werke, die kaum einer kunsthistorischen Tradition zuzuordnen sind.
Sampil, 1971 in der Nordwestmongolei geboren, hat an der Kunstakademie der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator und an der Nürnberger Akademie der bildenden Künste bei Peter Angermann studiert. Er hat u. a.
einen Kunstförderpreis des bayerischen Kultusministeriums erhalten und lebt und arbeitet alternierend in Ulan Bator und Nürnberg.
Seine Bilder loten aus, was Malerei heute noch leisten kann, sagte die Vorsitzende des Kunstvereins Bamberg, Barbara Kahle, zu Beginn der Vernissage am Donnerstagabend. "Große menschliche Themen" seien die Sujets Sampils, die er jedoch verzerrt und irritierend wiedergebe. Natalie de Ligt, ehemalige Leiterin der Kunsthalle Mainz, holte in ihren Interpretationsversuchen weit aus: In der menschenleeren Mongolei mit ihren rund drei Millionen Einwohnern schrumpfe die Kommunikation auf Nötigste - "Künstler kommunizieren über ihre Werke". Sampil, an der Schnittstelle von Ost und West arbeitend, sei weder einer westlich-christlichen noch einer mongolischen Tradition zuzuordnen. Seine Figuren, "archaische Mischwesen", seien menschliche Archetypen.
In der Tat geht es auf den Bildern (Öl oder Acryl) recht brachial zu; einen "empfindsamen Berserker" nennt Peter Angermann seinen Schüler. Geburt, Tod, Sexualität, Angst, seltsame Masken sind zu sehen, zerfließende Formen, Traumgebilde in meist kräftigen Farben. Seine "Madonna" verschmilzt mit dem Kind, ein unbetiteltes Gemälde, das einen Sexualakt zeigt, charakterisierte de Ligt zu Recht als "weder erotisch noch pornografisch". Immer wieder überarbeitet Sampil seine Bilder, die Figuren zeigen wie aus einem schlechten Science-Fiction-Film. Einige Anklänge könnte man finden zum Primitivismus, zu Gauguin vielleicht - es wäre aber ein erschreckender, verfremdeter Gauguin. Dashdemed Sampil ist kein bequemer, leicht zu konsumierender Gefälligkeits-Künstler. Doch seine Bilder graben sich ins Hirn.

Öffnungszeiten Di.-Sa. 10-13 Uhr, Mi.16-18 Uhr und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.