Gerade mal ein Jahr gehört Wolfgang Heyder dem Bamberger Kreistag an. Doch der Manager des Deutschen Basketball-Meisters und Pokalsiegers Brose Baskets Bamberg will gar nicht verhehlen, dass die Politik ihn in ihren Bann gezogen hat. Auch wenn der sowieso schon dicht gedrängte Terminplan damit noch etwas gehaltvoller geworden ist: "Ich habe diesen Schritt in die Kommunalpolitik noch keine Sekunde bereut", sagt er aus ehrlicher Überzeugung. Und so ist es eigentlich auch nur logisch, das nächste Ziel anzuvisieren: Als Direktkandidat bewirbt sich der Pödeldorfer für den Stimmkreis Bamberg-Land um ein Mandat als Bezirksrat für Oberfranken.

Ob er "Blut geleckt" hat? So ganz will Heyder das starke Wort nicht zurückweisen. "Ein bisschen schon", gesteht der Mann zu, der hauptberuflich natürlich immer froh ist, nicht mit solchen Schreckensbildern beim Basketball konfrontiert zu sein.
Vor fünf Jahren habe er sich "breitschlagen lassen" von seinem Nachbarn Franz-Josef Schick, auf der Kreistagsliste für die SPD zu kandidieren.

Das ist für einen Mann des Sports nicht selbstverständlich, allerdings darf der Sport auch kein Hindernis sein. Wolfgang Heyder sieht in seinem Engagement keine Kollision mit seiner Tätigkeit, auch wenn ein Franz Beckenbauer schon mal Probleme bekam, als er - damals noch aktiver Fußballer und Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft - sich politisch allzu einseitig über Spitzenpolitiker der SPD äußerte.

Seit 30 Jahren in der SPD

Wolfgang Heyder sieht das anders. "Ich bin schon mehr als 30 Jahre SPD-Mitglied", gibt er zu, da dürfe man wohl für seine Überzeugungen eintreten. Geschadet hat das ehrenamtliche Engagement ihres Managers im Übrigen bisher weder den Brose Baskets noch dem Mann selbst. Dass er vor einem Jahr als erster Nachrücker auf der SPD-Liste für Marga Söhnlein in den Kreistag einzog, hat er bis heute "keine Minute bereut". Seine persönliche Bilanz fällt sogar sehr positiv aus: "Es war ein gutes Jahr und ein positives Miteinander, mit sehr kompetenten Leuten. Auch menschlich gefällt es mir sehr gut, der Umgang ist sehr angenehm, und meine Freizeit muss ich sowieso organisieren." Aber das kann ein Manager ja.

Ob er Möglichkeiten sieht, seine Qualitäten auch im Bezirkstag von Oberfranken einzubringen? Die Situation dort sei der bei den Bamberger Basketballern eigentlich nicht unähnlich, sagt Heyder, und das gar nicht mal im Spaß. Etwa zehn Millionen Euro beträgt der Jahresetat der Brose Baskets, und Möglichkeiten der zusätzlichen Geldschöpfung gibt es kaum. Eintrittsgelder, VIP-Logen - da sind die Spielräume ausgereizt. Fernsehgelder gibt es bei den Basketballern (noch) nicht.

Sponsoren gewinnen

Bleibt für den Manager, will er eine auch langfristig international schlagkräftige Spitzenmannschaft aufbauen, eigentlich nur ein Weg: die Gewinnung von Sponsoren. Diesen Weg hat Heyder auch dank starker Wirtschaftsunternehmen im Raum Bamberg erfolgreich beschritten. Aber gibt es auch potenzielle Sponsoren für den Bezirk Oberfranken, der 92 Prozent seines 347-Millionen-Etats - die Zahlen hat Wolfgang Heyder schon parat - fest verplant hat?

Das Defizit des Bezirks Oberfranken lag zuletzt bei etwa 18 Millionen Euro, mit "abspecken" ist da wohl nicht viel zu machen, auch wenn manches "durchgewunken" wird, wie Heyder meint. Ob man da Sponsoren finden würde? "Die Unternehmen suchen augenfällige Plattformen", weiß der Mann, der seit 15 Jahren die Basketballer managt. Und für ausgeschlossen hält er es nicht, dass finanzkräftige Firmen - zum Beispiel aus dem Gesundheitswesen - für finanzielle Beiträge zu haben wären, wenn sie dafür in die Öffentlichkeit kämen.

"Inhaltlich überzeugen"

Auf der anderen Seite sieht Wolfgang Heyder noch Freiräume für Umschichtungen im Jugendbereich der Vereine. "Die Vereine leisten sehr viel", sagt er, auf dem sozialen Sektor, in ihrer gesellschaftlichen Relevanz. Deshalb müsse man immer neu nachdenken, ob man dem "ganz wichtigen Ehrenamt" die nötige Unterstützung zukommen lasse.

Möglicherweise sei "eine gewisse Hauptamtlichkeit" in den Vereinen nötig, oder zumindest ein Steuerfreibetrag als Anreiz für Ehrenämter. Das könne ein kleiner Ausgleich sein für das Engagement in einer immer intensiveren Arbeitswelt, die den Einsatz in der Freizeit immer schwieriger mache, "am Ende des Tages ein bisschen Verantwortung zu tragen". Die "soziale Interaktion" solle nicht getan sein mit dem Besuch eines Fitnessstudios. "Es muss ein Anreiz geschaffen werden, etwas zu bewegen."

Wie Wolfgang Heyder seine Chancen auf einen Sitz im Bezirkstag von Oberfranken selbst einschätzt? Immerhin heißt sein direkter Mitbewerber Günther Denzler, und der Bamberger Landrat ist immerhin Bezirkstagspräsident. "Hier halte ich es mit der Devise ,Dabei sein ist zunächst einmal alles', der Erfolg stellt sich mit Authentizität und guter Arbeit schon ein. Ich freue mich auf einen konstruktiven Wahlkampf, auf eine hohe Wahlbeteiligung und hoffe, dass ich die Bürger inhaltlich überzeugen kann."

Sollte er nicht den direkten Einzug schaffen, wie sind die Chancen über die Liste? "Auch das überlasse ich der Zukunft. Ich habe mich im vergangenen Jahr überzeugen können, dass in der Basis der SPD, insbesondere natürlich vor allem bezogen auf die fränkische Region, eine sehr gute, breit aufgestellte Arbeit geleistet wird. Insofern hoffe ich, dass die Bürger dies auch erkennen und bei der Wahl entsprechend umsetzen."