Gefängnis, Maßregelvollzug in einer psychiatrischen Anstalt oder die (geschlossene) Unterbringung in einem Heim? Es ist weniger die Frage der Schuld, die in einem derzeit am Landgericht laufenden Verfahren wegen Brandstiftung aufgeworfen wird, sondern die Frage, mit welchem Urteil der heute 23 Jahre alte, geistig behinderte Simon K. die besten Zukunftschancen hat.

An seiner Täterschaft gab es bereits am ersten Verhandlungstag, dem 28. Januar, keinen Zweifel mehr, nicht zuletzt, weil der Angeklagte und sein Freund von ihren Zündeleien Videos gemacht hatten. Am 11. März 2015 legten die beiden an einem Gartenhaus in Baunach Feuer. Das auf einem Grundstück am Kraiberg stehende vier mal sechs Meter große Häuschen fiel in Schutt und Asche. Es hatte einen Wert von rund 20 000 Euro; ersetzt wurden von der Versicherung aber nur 2000 Euro für das zerstörte Inventar.

Als die Täter merkten, was sie angerichtet hatten, rief der Jüngere den Notruf an. In dem ziemlich langen Gespräch mit der Einsatzzentrale hatten die beiden Schwierigkeiten, die Örtlichkeit genauer anzugeben - aber ihre Namen haben sie brav genannt. Die Polizei hatte es deswegen nicht schwer, die Brandstifter zu identifizieren, auch wenn der Jüngere von beiden während des Telefonats ausdrücklich - und auffällig unauffällig - betont hatte: "Wir haben nicht gezündelt, wir waren es nicht!"


Jüngerer Täter schon verurteilt

Der jüngere Täter, damals erst 17 Jahre alt, hat seine Strafe schon am Freitag vergangener Woche bekommen: In nichtöffentlicher Verhandlung verpflichtete ihn der Amtsrichter, 1000 Euro Schadenswiedergutmachung zu zahlen. Außerdem sprach er eine richterliche Ermahnung aus. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der ältere Simon K., der sich vor dem Landgericht verantworten muss, wird nicht so glimpflich davon kommen. Das Urteil wird die Große Strafkammer aller Voraussicht nach am 4. März sprechen.

Christoph Mattern, Facharzt für Psychiatrie in Kutzenberg, hatte dem Angeklagten am ersten Verhandlungstag in seinem Gutachten eine intellektuelle Minderbegabung attestiert, die einhergehe mit "ungünstigen" Persönlichkeitszügen wie eingeschränkter sozialer Wahrnehmung, geringer Abstraktionsfähigkeit, fehlender Selbstkritik, deutlicher Selbstüberschätzung und Imponiergehabe.

Mattern empfahl der Kammer aber, von der Unterbringung des jungen Mann in einer psychiatrischen Anstalt abzusehen. Nur in einer geschlossenen, beschützenden Einrichtung mit strukturiertem Tagesablauf und Arbeit werde Simon K. angemessen betreut werden können.

Ins Gespräch brachte Mattern dafür die Himmelkroner Heime der Diakonie Neuendettelsau, eine der wenigen Einrichtungen in der Nähe, die straffällig gewordene geistig behinderte Menschen aufnehmen. Michael Willacker, der in den Heimen für Beratung und Förderung zuständig ist, und seine Kollegin, Wohnbereichsleiterin Sandra Müller, waren gestern nach Bamberg gekommen. Willacker sagte vor Gericht zu, K. zu einem einwöchigen Probewohnen aufnehmen zu wollen. Davon hängt nun ab, wie die Kammer am 4. März urteilen wird.