Der Rummel wirkt nach. Vor einigen Wochen kam kaum ein Facebook- und WhatsApp-Nutzer an der Warnung vor falschen Rauchmelder-Kontrolleuren vorbei. Die Kettennachricht basierte, wie sich später herausstellte, auf Vorkommnissen in Bremen, hatte aber in der Zwischenzeit - weil hunderttausendfach in sozialen Netzwerken geteilt - die halbe Nation nervös gemacht.


Bad Kissingen bis Nürnberg

Die Folgen zu spüren bekommen jene, die an Haustüren klingeln müssen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Einer von ihnen ist Siegfried Schlereth, Fachkraft für Rauchmelder und Brandschutztechnik. Beheimatet in Oberthulba im Kreis Bad Kissingen, erstreckt sich sein Wirkungsradius bis in den Raum Nürnberg.

Vor einer Woche hat er es auch im Landkreis Bamberg wieder erlebt. Zwar hat ihn nicht die Polizei kontrolliert, wie seinerzeit in Bad Kissingen am Tag, an dem im Internet die Meldung von den falschen Kontrolleuren kursierte. Doch es doch wurde, als er in Oberhaid unterwegs war, auf zwei öffentlichen Facebook-Seiten darauf hingewiesen, das im Ort jemand sei, der Feuerlöscherprüfdienste anbiete. Es sei nicht klar sei, ob es sich dabei um jemanden handele, der die Berechtigung dazu habe, war der Tenor.

Eine Nachfrage der Lokalredaktion bei der Polizeiinspektion Bamberg-Land ergab, dass auch die Ordnungshüter eingeschaltet waren und eine Streife die Straßen abfuhr, die von einem Anrufer genannt wurden.


Schlereth sieht seinen Job gefährdet

Bei allem Verständnis dafür, dass die Menschen sensibel auf solche Meldungen reagieren, sieht Siegfried Schlereth seinen Job gefährdet. "Da lesen die Leute was im Internet und verbreiten es ungeprüft weiter. Sowas kann zur Ruf- und Geschäftsschädigung werden. Immer mehr sind mittlerweile skeptisch. Man kann schon sagen: misstrauisch. Sie sollten solche Sache aber der Polizei überlassen und nicht Hilfssheriff spielen."

Der Selbstständige hat dann auch recht bald Kenntnis davon bekommen, dass wegen ihm zur Vorsicht "gemahnt" wurde und bei den Oberhaidern nachgefragt, ob sie "das in Facebook gelesen" haben. Sowohl die Feuerwehr Oberhaid als auch Radio Bamberg hatten den Feuerlöscher-Prüfer auf ihren Seiten erwähnt. "Ich kann schon sagen, dass man mir, seit vermehrt solche Warnungen im Internet auftauchen, abweisender gegenübertritt. Und das wird so manchem Mitbewerber ähnlich gehen."

Der gelernte Hochbautechniker Schlereth hat sich vor Jahren mit einem Fachbetrieb für Brandschutztechnik in Oberthulba selbstständig gemacht. Zuvor hat er für einen Brandschutzhersteller gearbeitet. Privat engagiert er sich seit Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schlimpfhof und ist dort stellvertretender Kommandant.
Beruflich vertreibt und wartet er alles, was mit Brandschutz in Privatwohnungen, Geschäften und öffentlichen Gebäuden zu tun hat; vom Rauchmeldesystem für Gehörlose bis zum fahrbaren ABF-Feuerlöscher. Alle fünf Jahre muss er seinen Sachkundenachweis auffrischen.

Um private Neukunden zu gewinnen, ist er darauf angewiesen, Klinken zu putzen. Siegfried Schlereth geht von Tür zu Tür und bietet Brandschutzberatungen an. Die nötige behördliche Genehmigung in Form einer Reisegewerbekarte besitzt er. Auch in dieser Woche noch wird er im Landkreis Bamberg unterwegs sein.
In gewerblichen Betrieben und öffentlichen Gebäuden ist vorgegeben, ob eine Brandmeldeanlage benötigt wird und wie viele Feuerlöscher vorzuhalten sind.

Auch der Wartungsturnus wird festgelegt. Anders ist es bei Privathaushalten. Dort besteht keine gesetzliche Pflicht, Feuerlöscher bereitzustellen, auch wenn es für den Notfall natürlich wichtig ist.


Wartung alle zwei Jahre

"Man sollte die Feuerlöscher alle zwei Jahre warten lassen, so, wie es die Hersteller empfehlen", sagt Siegfried Schlereth. Das Pulver in den Löschern kann verklumpen. "Ist ein Feuerlöscher verstopft, fliegt einem im schlimmsten Fall das Ding um die Ohren, wenn man versucht, es zu benutzen."

Er sieht das Problem auch aus der Sicht des Feuerwehrmanns. "Wenn man bei einem Brandeinsatz ins Haus geht und sieht, dass dort ein Feuerlöscher ist, hat man keine Zeit nachzuschauen, ob der ordnungsgemäß geprüft und gewartet ist..."