Die Beschäftigten des Autozulieferers Bosch in Bamberg atmen auf. Gestern erfuhren sie auf Betriebsversammlungen, dass sich ihre Vertreter und die Werkleitung auf eine Standortsicherung geeinigt haben. Die entsprechende Betriebsvereinbarung sieht vor, dass betriebsbedingte Kündigungen bis März 2026 ausgeschlossen sind. Dafür stimmte der Betriebsrat einer Arbeitszeitverkürzung zu. Von April an bis März 2026 arbeiten bei entsprechender Reduzierung des Entgelts Beschäftigte mit einer 35-Stunden-Woche drei Stunden weniger, Beschäftigte mit einer 40-Stunden-Woche arbeiten vier Stunden weniger.

Schon bald nur noch 7000 Beschäftigte

"Dies gilt für nahezu alle Mitarbeiter und betrifft alle Arbeitszeitmodelle", erklärte Ulrike Kümmel, Bosch-Sprecherin in Bamberg. Auch Teilzeitkräfte müssten proportional ihren Beitrag leisten.

Aktuell beschäftigt Bosch als größter Industriearbeitgeber Oberfrankens in Bamberg 7200 Mitarbeiter. "Im April werden es noch rund 7000 sein, weil gerade ein Abfindungsprogramm läuft, aber auch durch natürliche Fluktuation", sagte Kümmel. Für 800 dieser 7000 Beschäftigten gelte die Vereinbarung aber nicht. Dies seien die 250 Azubis und die 150 Altersteilzeitler sowie rund 400 außertariflich beschäftigte Führungskräfte und Fachreferenten.

"Dies ist eine für das Werk Bamberg maßgeschneiderte Lösung, die in dieser Form neu bei Bosch ist", lobte Martin Schultz, kaufmännischer Werkleiter bei Bosch in Bamberg. In der Tat haben andere Werke so eine Vereinbarung, um die dem Vernehmen nach seit Wochen hart gerungen wurde, noch nicht. Sie habe aber keinen Pilotcharakter, hieß es von Seiten der Geschäftsführung.

"Großer Wurf"

Als einen "ziemlich großen Wurf für Bamberg und das Werk" bezeichnete Matthias Gebhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg, die Vereinbarung, deren Verhandlung die Gewerkschaft im Hintergrund begleitet habe. Dies vor allem auch, weil Zukunftsprodukte für Bamberg gesichert worden seien. In der Vereinbarung sagt Bosch zu, am Standort in den sogenannten Stack, also die Kernkomponente einer mobilen und stationären Brennstoffzelle, zu investieren. Die Vorserienfertigung ist bereits in Bamberg angesiedelt. Jetzt kam auch die Zusage für die industrielle Fertigung. Heißt: Wenn Bosch sich entschließt, damit in Serie zu gehen, wird Bamberg für die Serienfertigung verantwortlich sein.

"Mit der sechsjährigen Laufzeit der Arbeitszeitverkürzung können wir viele Arbeitsplätze erhalten", sagte Betriebsratsvorsitzender Mario Gutmann. Zudem habe man Zeit gewonnen, die Transformation am Standort aktiv zu gestalten. Vereinbart wurde auch, dass Bosch in Bamberg weiter ausbildet.