Für die letzten Bamberger Berufsgärtner wäre es ein nur schwer verschmerzbarer Verlust. Der Ausbau der Bahntrasse im Bamberger Norden würde wertvollsten Bamberger Boden hektarweise verschlingen und sich zudem durch eine beliebte Kleingartensiedlung fräsen.

Doch zwei Wochen vor der großen Sondersitzung zum Bahnausbau wächst die Gewissheit, dass dieses Szenario vermieden werden kann.

Die Zuversicht, dass es nicht zu dem befürchteten Flächenfraß kommt, gründet auf dem neuen Spurplan der Bahn. Claus Reinhardt vom Baureferat der Stadt Bamberg spricht davon, dass sich die Inanspruchnahme des Gärtnerlandes auf null senken lasse.

Freilich scheint die neue Trassenführung für das abzweigende Gleis nach Schweinfurt nur für eine Variante des umstrittenen Bahnausbaus durch Bamberg möglich zu sein. Sie ist an den viergleisigen Ausbau im Bestand gekoppelt.

Das bestätigt auch Mike Flügel, der zuständige Projektkoordinator der Bahn. Laut Flügel soll sich die neue Abzweigung stark an der bestehenden Trasse nach Schweinfurt orientieren. "Dadurch können wir den Eingriff in das Gärtnerland und die Kleingartensiedlung weitgehend minimieren."

Doch was die einen beruhigt, ärgert die Tunnelfreunde: Die schonende Trassenführung im Bamberger Gärtnerland soll aus technischen Gründen weder bei der einen, noch bei der anderen Tunnelvariante zu verwirklichen sein. Flügel spricht davon, dass der große Flächen verbrauchende Verschwenk bei beiden Tunnelvarianten unvermeidlich sei.

Die mögliche Verschonung der begrenzten Gärtnerflächen kann als weiterer wichtiger Hinweis dafür verstanden werden, in welche Richtung die voraussichtlich zum Jahreswechsel anstehende endgültige Trassenwahl in Bamberg gehen könnte. Sie erleichtert das Votum für den Ausbau im Bestand für die immer noch große Zahl der Zweifler im Stadtrat.

Derzeit sind in Bamberg noch sechs Varianten der Trassenführung im Gespräch. Neben dem Ausbau im Bestand, der totale Verzicht auf den Ausbau, der dreigleisige Ausbau, ein kurzer und ein langer Tunnel, sowie die Tieferlegung aller vier Gleise und des Bahnhofs samt einer Verlegung des Güterbahnhofs auf eine Freifläche zwischen Main und Regnitz.

Bisher hat sich als einzige Fraktion im Stadtrat die Bamberger CSU für den Ausbau im Bestand ausgesprochen. Ein wichtiges Argument der Union: Der vom bayerischen Innenminister versprochene S-Bahn-Halt Süd gilt nur beim Ausbau im Bestand als realistisch.

Wo dieser S-Bahn-Halt liegen könnte und nach welcher Methodik die endgültige Ausbauempfehlung des VWI-Instituts in Stuttgart für Bamberg erfolgen könnte, das erfahren Sie in einem ausführlichen Hintergrundbericht hier.