Der Burgebracher Storch ist erst gar nicht zum Überwintern weggeflogen. Dafür sind die Stegauracher seit Anfang dieser Woche wieder zurück. Vermutlich wohl eher aus Spanien als aus Afrika. 17 der bayernweit 421 Brutpaare waren im vergangenen Jahr im Landkreis Bamberg zuhause. Auch diese Infos haben die zehn Horstbetreuer in der Region an LBV-Weißstorch-Expertin und Hilfsprojektleiterin Oda Wieding nach Hilpoltstein gemeldet.

Die Diplom-Biologin hat Zugriff auf Daten zu den Weißstörchen seit dem Jahr 1980. Deswegen weiß sie beispielsweise, dass der Horst in Baunach seit 1986 nicht mehr besetzt ist. Dank der ehrenamtlichen Horstbetreuer kann der Landesbund für Vogelschutz (LBV) auf Daten für den Landkreis Bamberg zugreifen und Entwicklungen ausmachen.

Storchennester gibt es in Burgebrach, Elsendorf, Frensdorf, Reckendorf, Reichmannsdorf, Pomersfelden, Sambach, Schlüsselfeld, Stegaurach, Steppach, Stolzenroth, Unterneuses, Vorra und Wingersdorf. In manchen Dörferfinden sich sogar mehrere Horste, wie etwa in Steppach mit insgesamt drei.

An manchen Orten überwintern die Tiere, so in Burgebrach. Eines der Tiere stammt, so Wieding aus dem Elsaß. Das ist anhand des drei Zentimeter breiten, weißen Rings bekannt. In Deutschland beringen die drei Vogelwarten Hiddensee, Wilhelmshafen und Radolfzell seit dem Jahr 2003 mit schwarzen Plastikringen. Die Anfangsbuchstaben sind DE für Deutschland, danach entweder und R für Radolfzell, H für Hiddenssee oder W für Wilhelmshafen. Über die Beringung gewinnt man Aufschluss auch über das Zugverhalten. "Etwa 60 Prozent der Weißstörche überleben das erste Jahr nicht."

Ab zwei Jahren steigen die Überlebenschancen, mit drei Jahren werden die circa 1,10 Meter hohen und zwischen drei und vier Kilo schweren Vögel geschlechtsreif.


32 Tage Brüten

Sie bebrüten ihre zwei bis sechs Eier 32 Tage lang. Neun Wochen dauert es bis der Nachwuchs flügge ist, drei Monate bleibt der Storch auf dem Nest, ab Juli August begibt man sich auf die Reise ins Winterquartier, mit Strecken von bis zu 10 000 Kilometern. "Es entwickelt sich aber auch eine andere Tradition." Manche Tiere fliegen nicht mehr nach Afrika, sondern bleiben seit den 60ern in Spanien. Damals entstanden zunehmend Reisfelder, wo die Tiere Nahrung fanden, aber auch Müllkippen. " Störche fressen alles, was ihnen vor den Schnabel kommt."

Warum aber überwintern immer mehr Störche, wie neben Burgebrach in Steppach, Stolzenroth oder Unterneuses? Das könne wohl mit der Angst vor dem Aussterben der Störche zu tun haben. Deswegen wurde in Frankreich oder der Schweiz die Nachzucht von Weißstörchen drei Jahre eingesperrt. "Man brachte ihnen bei, hier zu überwintern." Das zusammen mit wärmeren Wintern und entsprechendem Nahrungsangebot erkläre dieses Verhalten.

Die Stegauracher Störche auf unserem Foto haben nicht hier überwintert, sie kamen am Montag. Bis Anfang April sollten jedenfalls alle Überwinterer eingetrudelt sein. Die Horstbetreuer werden die jeweiligen Eincheck-Daten mitteilen, die mit Satellitensendern versehenen Tiere weitere interessante Daten liefern. Keinesfalls, warnt die Expertin, dürfe man die Störche in ihren Nestern stören, auch nicht durch Drohnen. Wer sich mehr mit Meister Adebar befassen und Horstbeobachter werden will, kann sich gerne bei Oda Wieding melden: Telefon 09174/4775-32.