Starr steht der 23-jährige E. neben seinem Bamberger Verteidiger Oliver Teichmann. Der eher kleingewachsene junge Mann aus Eritrea hat die langen Haare nach hinten gebunden - anders als an den anderen Verhandlungstagen sind seine Augen nicht von den Strähnen verdeckt. Er blickt vor sich ins Leere, als Vorsitzender Richter Markus Reznik die Urteile der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg im Prozess gegen insgesamt vier Eritreer wegen Randale im Ankerzentrum verkündet.

Für das Gericht steht außer Frage, dass E. neben seinem 26 Jahre alten Landsmann F. derjenige war, der das Feuer in der Nacht zum 11. Dezember 2018 in der Wohnung in Block 7 des Ankerzentrums gelegt hatte. Und die Krawalle auch nach Aufforderung der Polizei nicht beendete.

Bei dem Feuer in der Wohnung hatten 15 Bewohner Rauchgasvergiftungen erlitten, einer musste sich vom Balkon retten und wurde leicht verletzt. Viele hatten von Todesangst berichtet. Es war ein Sachschaden von 135.000 Euro entstanden.

E. muss nun neuneinhalb Jahre hinter Gitter. Auch, weil er einen Polizisten durch einen Wurf einer über ein Kilogramm schweren Aluminiumfolienrolle am Kopf verletzt hatte. Staatsanwalt André Libischer hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert. Verteidiger Teichmann äußerte in seinem Plädoyer dagegen Zweifel, ob sein Mandant für das Feuer verantwortlich gemacht werden kann.

Letztlich stützte sich das Urteil im Fall der besonders schweren Brandstiftung vor allem auf die Aussage des Mitangeklagten O. Dieser hatte angegeben, sich erst unter einem Bett, dann in einem Schrank versteckt zu haben. Von dort aus habe er beobachtet, wie E. eine Matratze angezündet hat. Das Gericht hielt O. aufgrund anderer Indizien, die seine Angaben bestätigten, für glaubwürdig. Außerdem sei er von niemandem belastet worden, O. wurde deshalb auch in allen Anklagepunkten freigesprochen.

Für den Angeklagten F. ordnete die Kammer die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Er sei zur Tatzeit aufgrund einer hirnorganischen Wesensveränderung unter Einfluss von Alkohol mit fast zwei Promille nicht steuerungsfähig gewesen. Er soll der Aggressivste gewesen sein, hatte auch die Polizisten mit Pflastersteinen attackiert.

Video als zentrales Beweismittel

Die Würfe mit Gegenständen auf Polizisten von E. und F. sowie vom damals stark betrunkenen 28 Jahre alten S., der dafür ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis muss, waren im Gegensatz zur Brandstiftung leichter nachweisbar: Es gibt ein Video der Polizei aus der Nacht, was Staatsanwalt Libischer und Vorsitzender Richter Reznik lobend hervorhoben. Dieses sei zentrales Beweismittel gewesen. "Die Videosequenzen lassen aber auch fassungslos werden, mit welcher sinnlosen Gewalt hier agiert wurde und in welcher Todesangst die Bewohner versucht haben, ihr Leben zu retten", sagte Reznik.

Zu den Krawallen war es nach einem Streit zwischen den Bewohnern aus Eritrea und den Security-Mitarbeitern wegen zu lauter Musik gekommen. Ein Fehlverhalten der Security-Mitarbeiter oder der Polizei schloss das Gericht dabei aus.

Innenminister äußert sich

Am Abend meldete sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu Wort: "Insbesondere das harte Urteil gegen den Anführer der Randale ist ein deutliches Zeichen, dass ein solch unsägliches Verhalten in unserem Rechtsstaat klare Konsequenzen hat", betonte er nach den Urteilen, die zum Teil noch nicht rechtskräftig sind. "Wir werden alle rechtlichen Hebel in Bewegung setzen, um auch eine Abschiebung dieser Gewalttäter durchzusetzen. Bei den zu den Haftstrafen verurteilten Tätern natürlich erst dann, wenn sie einen ausreichenden Anteil ihrer Haft verbüßt haben und die Staatsanwaltschaft ihr Einvernehmen erklärt hat", so der Minister weiter. Ein fünfter Mittäter sei bereits im Wege des Dublin-Verfahrens nach Italien zurückgeführt worden. "Unsere auf Randalierer und Straftäter spezialisierte Task Force beim Bayerischen Landesamt für Asyl und Rückführungen wird die Männer bis dahin scharf im Blick behalten."