Seit April heißt es für Thomas S. (Name geändert) "Kurzarbeit null". Nun freut sich der langjährige Bosch-Mitarbeiter, dass es zumindest in seinem Teilbereich bald wieder losgehen soll. "Aber die nächste Kurzarbeitsphase ist schon absehbar", sagt S., der vor zehn Jahren nach der Finanzkrise schon einmal Kurzarbeit bei Bosch erlebt hat.

Die finanziellen Folgen bleiben dabei für den Bamberger noch überschaubar. Die Industriegewerkschaft Metall und örtliche Betriebsräte haben für ihre Mitglieder schon vor langem ordentliche Aufzahlungen durch die Arbeitgeber herausgehandelt, den Beschäftigen bleiben zwischen 82 und 95 Prozent ihres bisherigen Nettoeinkommens. Und doch sorgen sich Thomas S. und 25 000 andere, die in der Region bei Automobilzulieferern arbeiten, um die Zukunft ihrer Branche. Zwar wird zum Beispiel bei Bosch schon an verschiedenen Brennstoffzellenformen gearbeitet, doch bietet dieser Entwicklungsbereich im Vergleich zum Kerngeschäft bislang nur wenige Arbeitsplätze.

Schon vor Monaten hatten viele Beschäftigte von Automobilzulieferern demonstriert. Die nahende Werksschließung bei Michelin in Hallstadt, der über allem schwebende Diesel-Skandal und strukturelle Veränderungen machen ihnen schon länger zu schaffen. Nun noch die Corona-Krise, seit deren Beginn kaum Autos verkauft wurden. Das macht sich mit einigen Wochen Verzögerung auch bei den Zulieferern stark bemerkbar.

"Die Zahl der Kurzarbeiter wechselt wöchentlich und täglich, bei Bosch sind es zur Zeit 40 Prozent", sagt Matthias Gebhardt, der erste Bevollmächtigte der Bamberger IG Metall. Weitere 30 Prozent bleiben aber aus anderen Gründen zuhause, sie bauen zum Beispiel Überstunden ab. In Gebhardts Zuständigkeitsbereich, der unter anderem Schaeffler in Hirschaid und Höchstadt, Brose in Bamberg und Hallstadt, Bosch in Bamberg, Albeá in Scheßlitz, aber auch FTE in Ebern umfasst, sind derzeit 6000 bis 9000 Menschen in Kurzarbeit. Die Betriebsratsvorsitzenden dieser Unternehmen haben eine Erklärung der IG Metall unterzeichnet, die "im Rahmen eines großen Konjunkturprogrammes auch Maßnahmen zur Stützung der Schlüsselindustrie Fahrzeugbau" fordert.

Kaufprämie gefordert

Denn neben der Sorge um die Gesundheit würden immer mehr Menschen um ihren Arbeitsplatz und ihre wirtschaftliche Zukunft fürchten. "Die Autobranche ist unbestritten das Zugpferd für die gesamte Wirtschaft. Allein in der Region Bamberg können bis zu 25 000 Arbeitsplätze in Gefahr geraten", stellt Gebhardt fest.

Auch wenn sich die Wirtschaftsweisen zuletzt skeptisch dazu geäußert hatten, denken die Unterzeichner an eine Art Kaufprämie für Neuwagen, die "nicht nur die Nachfrage fördern, sondern auch einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten" soll. Von einer solchen Prämie dürfe aber "der ökologische und moderne Verbrenner nicht ausgeschlossen" werden. Die Hersteller sollten aus Sicht der Gewerkschafter ebenfalls einen Eigenbeitrag dazu leisten. Wie wichtig die Zulieferer für die Region sind, wissen auch die Verantwortlichen in Stadt und Landkreis. Für Landrat Johann Kalb (CSU) könne auch eine Kaufprämie "ein probates Mittel sein, wenn es in die Zukunft wirkt". Dafür seien Umwelt- und Klimakomponenten unabdingbar. "Jedes Instrument, das unseren Autozulieferern hilft, hilft der Region und den hier lebenden Menschen", sagt der Landrat. Die Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim strebe eine Aufnahme in das Sonderförderprogramm "Transformationsprozesse" an. "Das Ziel von uns allen muss es sein, die Wirtschaftskräfte in der Region zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern", sagt Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Sein Wirtschaftsreferent Stefan Goller ergänzt, dass es eine allgemeingültige Strategie für die Automobilzulieferer nicht gebe: "Wir müssen auf die individuelle Ausgangsposition der Unternehmen abstellen."

Das wichtigste Projekt sei, Stadt und Landkreis Bamberg als Wasserstoff-Modellregion zu profilieren. Für die kleinen und mittleren Unternehmen der Automobilzulieferbranche werde aktuell an einem Maßnahmenpaket gearbeitet, das diese befähigen soll, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. IG-Metall-Bevollmächtigter Gebhardt geht davon aus, dass in vielen Unternehmen Kurzarbeit noch länger ein Thema bleibt: "Die Wirtschaft hat einen dramatischen Schlag abbekommen." Zwar sei die Situation von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich, aber die ganze Branche sei darauf angewiesen, dass die "Leitlok Automobilindustrie" langsam wieder hochfahre.

Das sieht auch der Boschler Thomas S. so. Ein Kaufanreiz für Neufahrzeuge würde aus seiner Sicht "die extrem eingebrochene Nachfrage auf jeden Fall ankurbeln - und an jedem Auto hängen viele Zulieferer".