Eine Konzertsaison im Zeichen des Tanzes haben die Bamberger Symphoniker versprochen, und zum Tanz haben die ersten musikalischen Takte der neuen Spielzeit auch aufgefordert. Endlich mal ein Saisonmotto, das nicht zu allgemein klingt, sondern sich konkret am Werk orientiert und darüber hinaus ein Füllhorn symphonischen Repertoires verspricht. Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz" also als Eröffnung, welcher Auftakt!

Dass der Chefdirigent bei dieser Ouvertüre die Leitung des Orchesters dem Gewinner des letzten Mahler-Dirigentenwettbewerbs überließ, darf als noble Geste gelten angesichts der coronabedingten Nöte des musikalischen Nachwuchses.

Finnegan Downie Dear wusste das zu nutzen und führte auch ohne Dirigierstock das ihm vertraute Orchester mit Aplomb durch den walzerseligen Evergreen.

Aufgesogen vom Orchester

Doch zunächst galt bei der symphonischen Saisoneröffnung das Interesse des neugierig in den Joseph-Keilberth-Saal gelangten Rumpfpublikums der Aufführungssituation des Orchesters. Die Musiker sitzen nun weit gefächert bis nach vorne in die (freilich gesperrte) erste Publikumsreihe hinein und können dergestalt die Abstandsregeln einhalten.

Aber wie gut hört man sich, wie kompakt ist der Klang? Das Orchester tritt den weiter vorne Sitzenden klanglich nicht geschlossen gegenüber, vielmehr erzeugen die extreme Tiefe und Breite des Raums einen recht stereophonen Eindruck. Man wähnt sich mittendrin, fühlt sich quasi vom Orchester aufgesogen.

Die Orchesterstärke ist trotz Reduzierung respektabel und reicht sogar verwöhnten Ohren für eine romantische Symphonie aus. Wenn das Solokonzert Mozart gewidmet ist, stellen sich sowieso keine Kapazitätsprobleme. Mit Piotr Anderszewski spielte ein Pianist von hohem Rang Mozarts Konzert für Klavier und Orchester G-Dur KV 453. Wer nicht zugegen war und auch die identischen Darbietungen heute und morgen nicht live erleben kann, sollte die Übertragung des Sonntagskonzertes auf medici.tv nicht verpassen.

Es lohnt sich nämlich, der äußerst differenzierten und gleichwohl kontrastreichen Mozartinterpretation Anderszewskis zu lauschen.

Ausgefeilte Artikulation

Zwischen metallischer Härte und kaum hörbaren Pianissimi bewegt sich seine dynamische Bandbreite, während die Läufe nicht nur perlen, sondern einer ausgefeilten Artikulation gehorchen. Im Finale neigte das mehr zum Stakkato. Für die Kadenz des Kopfsatzes vertraute der Pianist auf Beethoven.

Faszinierend ist der Reichtum an Klangfarben, die Anderszewski aus dem Steinway zaubert. Die behutsame Begleitung durch das Orchester hätte dafür adäquater nicht sein können. Nach der Pause dann die 1. Symphonie von Johannes Brahms in recht üppiger Besetzung. Mit dieser Programmidee hatte es seine besondere Bewandtnis, denn mit eben demselben Werk war die Saison Anfang Februar abrupt zu Ende gegangen.

Nun also eine Reprise als Anknüpfung, quasi aus symbolischen Gründen. Zum damaligen Befund müssen wir hier nichts mehr ergänzen, doch der Eindruck war diesmal noch um eine Nuance rauschhafter.

Eine Frage stellt man sich allerdings nach diesen Aufführungen und nach den wegweisenden symphonischen Einspielungen der jüngsten Zeit schon: welches Orchester vermag Brahms und Dvorák zurzeit ähnlich überzeugend interpretieren wie die Bamberger Symphoniker?

Durchhalten!

Zum Schluss sah man Jakub Hru  Grad ša und seinen Musikern die Erleichterung darüber an, dass endlich wieder ein Anfang gefunden wurde.

Glückliche Gesichter allenthalben nach diesem historischen Saisonstart, besonders auch im Publikum. Schade aber war, dass dies alles als Live-Erlebnis nur wenigen Leuten vorbehalten war. 200 Zuschauer maximal lautet derzeit noch die ministerielle Maxime; es sei denn, man ist der Münchner Opernchef und hält die Hand über eine "Performerin", die sich für die Reinkarnation der Callas hält.

Doch die Hoffnung bleibt, dass die Einlasszahl auch in Bamberg sukzessiv angehoben wird. Bis dahin heißt es durchhalten.