Die Landkreisbewohner können sich schon mal an den Gedanken gewöhnen, gleich zwei Wochen nach dem 15. März noch einmal wählen zu gehen. Denn es scheint sich ein enges Rennen um den Landratsposten abzuzeichnen: Sollte es in die Stichwahl gehen, könnte es zu einem spannenden Zweikampf zwischen Titelverteidiger Johann Kalb (CSU) und SPD-Herausforderer Andreas Schwarz kommen. Zumindest stellen das Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in Aussicht, die der Fränkische Tag beim Pragma-Institut in Auftrag gegeben hat.

Demnach würden 47 Prozent der Befragten im ersten Wahlgang ihre Stimme Amtsinhaber Kalb geben. Der Landrat würde damit fast zehn Prozentpunkte hinter seinem Ergebnis von vor sechs Jahren liegen. Und Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz landet in der ersten Runde bei rund 32 Prozent. Er könnte damit das Ergebnis des SPD-Kandidaten bei der Wahl 2014 mehr als verdoppeln: Heinz Jung war damals auf 15 Prozent gekommen.

Hohe Wahrscheinlichkeit für Stichwahl

"Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit auf eine Stichwahl", erklärt Martin Messingschlager vom Pragma-Institut zu den Ergebnissen. "Und in der Stichwahl", sagt der promovierte Sozialwissenschaftler, "kann es eine Überraschung geben". Denn es sei damit zu rechnen, dass Schwarz die Stimmen des Grünen-Bewerbers Bernd Fricke (14 Prozent) hinzugewinnt. Und dann wird es, geht man nach der Befragung, eine hauchdünne Entscheidung. Die Frage wird sein, wo die Stimmen der anderen Mitbewerber hinwandern.

Die Kandidaten Bruno Kellner (FW/ÜWG), Tobias Sieling (ÖDP) und Marco Strube (FDP) liegen in der Umfrage zusammen unter 10 Prozent, wobei Kellner den größten Anteil der Wähler hinter sich vereinigen dürfte. Vor allem seine Stimmen könnten den Ausschlag in der Stichwahl geben.

Starke Grüne, CSU mit Verlusten

Doch nicht nur die Landratswahl verspricht Spannung. Auch die Zusammensetzung des Kreistags wird durcheinandergewirbelt. Erstmals treten schließlich mit CSU, SPD, Grüne/AL, FW/ÜWG, Bürgerblock (BBL), FDP, ÖDP, AfD und Linke/Offene Liste neun Listen bei der Kommunalwahl an.

"Die Grünen werden verhältnismäßig stark sein", prophezeit Messingschlager. Gegenüber der Wahl vor sechs Jahren (knapp 9 Prozent) könnten sie einen deutlichen Sprung auf 19 Prozent machen. Der Landes-Trend setzt sich somit auch im Landkreis fort, die Grünen sind auf dem Weg die zweitstärkste Fraktion zu werden. Verlierer sind dafür wohl CSU und SPD. Bei den 301 Befragten kommt die SPD nur noch auf 12 Prozent (2014: 17,53 Prozent). Die CSU muss sogar fürchten, unter die 40-Prozent-Marke zu rutschen. Bei der Wahl 2014 hatten die Christsozialen noch knapp 45 Prozent erreicht. Die FW/ÜWG-Fraktion käme auf stabile 10 Prozent, der BBL auf 9 Prozent.

AfD wird wohl Einzug schaffen

Neben den Grünen kann sich eine weitere ökologisch orientierte Partei freuen: "Die ÖDP wird wohl wieder in den Kreistag kommen", liest Messingschlager aus den Umfrageergebnissen. Und auch die AfD wird den Einzug schaffen. Messingschlager rechnet mit bis zu zwei Sitzen für die Rechtsaußenpartei.

Knapp zwei Prozent könnten bereits für einen Sitz reichen. Ob auch die Linke und die FDP in den Kreistag ziehen werden, lässt sich laut Messingschlager aufgrund der geringen Prozentzahlen in der Umfrage nicht genau vorhersagen. Unter anderem sei durch die Möglichkeit des Panaschierens und Kumulierens, also das Anhäufen von Stimmen auf einer oder mehreren Listen, und die Persönlichkeitswahl, die Sitzverteilung nicht exakt bestimmbar.

Umfrage zur Wahl 2020

Befragung Das 2008 an der Uni Bamberg gegründete Pragma-Institut hat im Auftrag des Fränkischen Tags im Zeitraum vom 30. Januar bis zum 17. Februar in Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg insgesamt 301 Stimmberechtigte im Landkreis befragt, wen sie bei der Landrats- und Kreistagswahl am 15. März wählen würden. Die repräsentative Umfrage wurde online und per Telefon durchgeführt (Mix-Mode-Befragung).

Unentschlossene Da die Befragung noch vor der heißen Wahlkampfphase durchgeführt wurde, bevor also die Plakate aufgehängt wurden, und da es unter den Befragten mit 39 Prozent noch einen hohen Anteil an Unentschlossenen gab, sind Abweichungen im tatsächlichen Wahlausgang möglich.

Kommentar von Sebastian Martin: Spannende Konstellation

Ein Selbstläufer wird die Wiederwahl von Landrat Johann Kalb nicht. Der CSU-Mann weiß zwar im ersten Wahlgang fast die absolute Mehrheit hinter sich - aber eben nur fast. Laut Prognose könnte es durchaus zu einer faustdicken Überraschung kommen, sollte es Herausforderer Andreas Schwarz (SPD) in die Stichwahl schaffen. Zunächst hat Schwarz zwar nur Außenseiterchancen, doch wäre bei einem Duell alles möglich: Denn die Stimmen von Bernd Fricke (Grüne) dürften dann zum SPD-Mann wandern und damit der Bundestagsabgeordnete dem Amtsinhaber gefährlich nahe rücken. Legt man die Umfrage zugrunde, bliebe für beide Kandidaten nicht sonderlich viel Spielraum für eine Mehrheit. Das würde vor allem Bruno Kellner von den Freien Wählern in die Karten spielen. Er könnte Vize-Landrat werden - im Tausch gegen seine Stimmen. Eine Wahlempfehlung von ihm hätte das Potenzial, eine enge Stichwahl zu entscheiden. Kellner könnte so zum Zünglein an der Waage werden. Aber auch die hohe Anzahl der Unentschlossenen. Sie könnten genausogut gleich am 15. März für klare Verhältnisse sorgen.