Die Affäre in der SPD um eine geplante und dann doch zurückgezogene Unterschriftenaktion gegen 5000 zusätzliche Flüchtlinge in Bamberg hat ein überraschendes Nachspiel.

In einer Pressemitteilung fordern die Jusos innerhalb der Bamberger SPD den Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden Klaus Stieringer. Die Vorsitzende der Jusos Bamberg, Sophia Lösche, wirft dem Fraktionschef vor, für eine Pressemitteilung und für Facebook-Posts verantwortlich zu sein, in der rechtspopulistische Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht worden sei.

Die darin angekündigte Unterschriftenaktion der SPD entspreche ebenso wie eine für den Stadtrat zum Beschluss vorgeschlagene Resolution "nicht im geringsten der Meinung und dem Willen der SPD Bamberg". "Die SPD Bamberg hadert nicht mit Stieringer, sondern spricht ihm vielmehr deutlich das Misstrauen als Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion aus. Stieringer hat keinen Rückhalt in der SPD", erklären die Bamberger Jusos.

Stieringer, der von den Rücktrittsforderungen erst von dieser Zeitung erfuhr, zeigte sich überrascht über den Angriff seiner Parteigenossen. Er arbeite mit der Mehrheit in der SPD sehr gut zusammen und sei überzeugt, dass diese hinter ihm stehe, sagte Stieringer. Deshalb sehe er auch keinen Grund, sein Amt niederzulegen.

Auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) widersprach den Vorwürfen aus dem eigenen Lager und stärkte dem Fraktionschef den Rücken. "Das ist völliger Unfug und entspricht nur einer Minderheitenmeinung innerhalb der SPD. "Ich kenne die Stimmung in der SPD sehr genau und weiß, dass in der Fraktion und der Partei eine Mehrheit hinter Stieringer steht. Starke bezeichnete es als völlig legitim, wenn eine Partei darüber diskutiere, wie mit 5000 weiteren Flüchtlingen umzugehen sei. Auch hätten die gewählten Bürgervertreter die Pflicht, die Sorgen aus der Bevölkerung gegen eine Überforderung der Stadt aufzugreifen.

Versöhnliche Töne kamen von Felix Holland, der am Samstag als Kreisvorsitzender der SPD bestätigt worden war. Man müsse sich zusammensetzen und die Fehler aufarbeiten. Einen Grund für einen Rücktritt sieht auch Holland nicht.