Die Ungeduld ist ihnen anzumerken: "Über zehn Jahre liegt das Gelände brach. Wir müssen endlich aufwachen und anpacken!", polterte Stadtrat Norbert Tscherner (BBB) in der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Finanzsenat - und erntete zustimmendes Klopfen. Heinz Kuntke von der SPD bedauerte, dass in der Öffentlichkeit offenbar der Eindruck entstanden ist, es würde nichts vorangehen.

Doch ganz so brach wie die ehemalige Glaskontor-Fläche liegen die Planungen nicht. 4,9 Hektar Wüste mitten im Stadtteil Wunderburg, die letzten Abbrucharbeiten sind beendet, für rund 800 000 Euro.

Diese Wüste soll nun so schnell wie möglich belebt werden. Im nördlichen "Eck" zwischen Kapellenstraße und Erlichstraße sind zwei Bauabschnitte ausgewiesen. Für Nummer I plant die Stadt einen Lebensmittelmarkt, ein Dienstleistungszentrum und Wohnungen, auf einer Fläche von rund 4450 Quadratmetern.

Fünf Vorschläge für das Gebiet

Zur Gestaltung dieses Areals sind bei der Stadt fünf Vorschläge eingereicht worden. Mit den zwei besten Bietern verhandelt die Stadtverwaltung nun weiter. Das Ziel: Nach seiner Sommerpause soll dem Stadtrat ein Sieger-Entwurf präsentiert werden.

Rücksicht nehmen will die Stadt dabei auf die Nahversorger in der Wunderburg. Diese haben Bedenken, dass ein zu groß geratener Lebensmittelmarkt ihnen die Kunden wegnehmen könnte. Deswegen sollen die maximalen Verkaufsflächen des geplanten Marktes schriftlich festgehalten werden.

Im Raum standen zunächst 1600 Quadratmeter, mittlerweile redet man von einer Größe von 700 Quadratmetern, was laut Christian Wonka, Leiter Immobilienmanagement, "wenig" ist. Man müsse noch klären, wie groß eine Verkaufsfläche aus Sicht der Betreiber mindestens sein müsse.

Am "Nahkauf" orientieren

Grundsätzlich wolle man sich an der Größenordnung orientieren, wie sie derzeit im "Nahkauf", früher "Comet", bestehe - insbesondere bei den Back- und Wurstwaren. Eine Lösung, die Metzgermeister Matthias Alt nach der Sitzung als "annehmbar" bezeichnete. Er ist einer jener alteingesessenen Gewerbetreibenden in der Wunderburg, die die Entwicklung kritisch hinterfragen.

Dem Metzger schmeckte der Kommentar von Stadträtin Birgit Dietz (CSU) nicht, die sich mehr als die ursprünglich angedachten oberirdischen Parkplätzen vorstellen kann. Denn "wir wollen, dass der Markt brummt!" Ein Satz, den sich Metzger Alt aufgeschrieben und unterstrichen hat.

Sozialbau im zweiten Abschnitt

Durchweg positiv aufgenommen wurden die Entwürfe für Bauabschnitt Nummer II: An der Erlichstraße sollen rund 34 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen, ambulante Wohngemeinschaften, ein Gesundheitszentrum mit Praxisräumen, eine Apotheke sowie eine Tagespflege realisiert werden. Zur Verfügung stehen dafür rund 3800 Quadratmeter.

Es ist angedacht, dass die Sozialstiftung Bamberg Betreiber der Wohnanlage wird. Für ein Sozialbauvorhaben ist die Stadtbau GmbH im Boot. Mit beiden Stellen führt die Stadtverwaltung weiterhin Gespräche und möchte, ebenfalls nach der Sommerpause, Vorschläge für eine Planung vorlegen.

Allerdings bleibt noch die Frage der Besitzverhältnisse: Aktuell gehören der Stadt Bamberg zirka zwei Drittel des gesamten Glaskontor-Areals. Besonders in der Erlichstraße sind jedoch verschiedene Grundstückseigentümer noch nicht verkaufsbereit. Eng mit diesen Grundstücksverhandlungen hängt zusammen, wie sich das Bebauungsplanverfahren entwickeln wird.

Ebenso ist noch offen, wie das "restliche" Gelände östlich der Bauabschnitte I und II aussehen wird. Im aktuellen Konzept sind dort Reihenhäuser und Geschosswohnungen geplant. Petra Friedrich (GAL) betonte: "Wir stimmen heute den Bauabschnitten I und II zu, aber mit der westlichen Bebauung sind wir nicht einverstanden." Friedrich sprach von "Einheitsbrei-Wohnbebauung".

Ein neuer Name für das Quartier

Auf wenig Gegenliebe stieß bei den Grünen außerdem der neue Name für das neue Quartier: "Ulanenpark". Doch die Fraktion wurde von der Mehrheit der Senatsmitglieder überstimmt. Der Bürgerverein Wunderburg hatte im Frühjahr die neue Bezeichnung vorgeschlagen.

Bis die ersten Bewohner einziehen, wird das Projekt noch mehrmals politische Gremien passieren müssen. Aber, wie es Pankraz Deuber (BUB) formulierte: "Es ist erfreulich, dass es endlich weitergeht."