Spaziergänger und Radfahrer schauen vom Mühlwörth schon neugierig bis sehnsüchtig hinüber - noch müssen sie sich gedulden, bis die Fähre wieder ihren Betrieb aufnimmt. Am morgigen 1. April geht es los. Die Fähre mit dem eigentümlichen Namen "Chance Jugend" startet dann in ihre dritte Saison und sorgt wieder täglich außer Montag für eine kurze Verbindung von Inselstadt und Stephansberg.

Für etwas Geld und Anerkennung

Den Namen verdankt sie dem Projekt "Zahltag" des Don Bosco-Jugendwerks. "Zahltag" kümmert sich um Jugendliche mit schwieriger Biografie, die zu Hause oder auf der Straße sitzen, weil sie es nicht schaffen, über eine längere Zeit zu arbeiten oder zu lernen. So erklärt Projektleiter Christian Salomon mit wenigen Worten die Idee dahinter.

Die Mitarbeit auf der Fähre biete den jungen Leuten neben der Gelegenheit, ein bisschen Geld zu verdienen, auch etwas, das ihnen genau so fehle: gesellschaftliche Anerkennung. Jugendliche von "Zahltag" bilden im Idealfall ein Zweier-Team mit den erwachsenen, ehrenamtlichen Fährleuten.

Joseph, einer der Jugendlichen, hat schon bei den Saison-Vorbereitungen der Fähre angepackt. Gemeinsam mit dem Projektleiter stieg er in die noch ziemlich kalte Regnitz, um das Stahlseil zu befestigen, mit dessen Hilfe die Fähre manövriert wird und mit dem sie - einige Meter flussaufwärts - an einem Betonblock im Wasser - befestigt ist. Der TÜV hat laut Salomon das 70 Meter lange Stahlseil während der Winterpause begutachtet und für gut und sicher befunden. Auch sonst sei die Fähre wieder in Bestzustand, heißt es beim Betreiber. Den Winter über lagerte sie in einer Halle der Stahlbau-Metalltechnik Johann Heim GmbH in Hallstadt, wo sie auch gebaut worden war und jetzt, soweit nötig, überholt und repariert wurde.

Vor einigen Tagen transportierte man das besondere Boot dann an seinen Einsatzort im Linken Regnitzarm, nahe der Schleuse 100. Mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Fährleute ist sie inzwischen gerüstet und startklar. Der Betrieb geht am 1. April um 10.30 Uhr los. Die Fähre wird nach Bedarf verkehren, jeweils bis zum Beginn der Dämmerung. Wenn es lange hell ist, wird sie bis 20.30 Uhr fahren.

Preise unverändert

Unverändert sind nach Salomons Auskunft die Preise: 1 Euro für Erwachsene, 50 Cent für Sechs- bis 18-Jährige. Kleine Kinder dürfen umsonst mitfahren. Jahreskarten kosten für Erwachsene und Kinder 28 bzw. 18 Euro.
Alle Einnahmen kommen dem Jugendhilfe-Projekt des Don-Bosco-Jugendwerks zu Gute. Einen Lohn erhalten nur "Zahltag"-Jugendliche. Die erwachsenen Fährleute engagieren sich unentgeltlich, um einerseits das Projekt zu unterstützen und andererseits eine Tradition zu bewahren: An dieser Stelle hielt bis in die 1960er Jahre eine Familie mit einem Schelch die kurze Verbindung von einem Ufer zum anderen aufrecht.

Dem Bürgerverein Bamberg-Mitte ist es zu verdanken, dass die Tradition im 21. Jahrhundert neu belebt wurde. Der Verein griff die Idee auf und fand im Bamberger Jugendwerk der Salesianer Don Bosco einen Partner, der die nötigen Geldgeber auftat und sich ein Betriebskonzept einfallen ließ.