Im Brandstifter-Prozess am Landgericht ist auch nach dem sechsten Verhandlungstermin noch kein Ende in Sicht.

Vor der viel beschäftigten Zweiten Strafkammer geht es - mit Unterbrechungen - seit 14. Juli um die Frage, wer in der Nacht zum 8. Dezember 2013 das Feuer in einem Sonnenstudio am Babenbergerring gelegt hat.

Angeklagt sind dessen 32 Jahre alter Betreiber Sami C. und sein acht Jahre jüngerer Neffe Yasin T. (Namen von der Redaktion geändert). Während T. zu Prozessbeginn seinen Onkel schwer belastete und sagte, dieser habe ihn zur Tat angestiftet, dementiert C. jede Beteiligung.

Der 32-Jährige bestreitet, dass er zur Tatzeit am Tatort war. Das wollen C.s Verteidiger mit neuen Beweisanträgen belegen, die sie am Freitag, dem sechsten Verhandlungstag, stellten. Sie verlangten - mit Erfolg - die technische Auswertung des Navigationsgeräts im Auto ihres Mandanten.

"Navi" wird ausgelesen
Der Angeklagte und seine Anwälte stimmten ausdrücklich einer "Teilzerstörung" des Wagens zu, sofern diese für die Gewinnung der Navi-Daten notwendig wäre.

Außerdem soll nach ihrem Willen ein so genannter Router in C.s Wohnung ausgewertet werden. Das Gerät zeichnet angeblich auf, wann welche Handys dort eingeloggt sind oder waren.

Bis die Expertisen vorliegen, kann es dauern, gab Vorsitzender Richter Manfred Schmidt zu bedenken. Das Gericht müsse erst einen Sachverständigen finden, der den Auftrag übernehmen kann. Unabhängig davon ist der 22. September als nächster Verhandlungstag vorgesehen.

Der einzige Zeuge, den das Gericht am Freitag hörte, gab Auskunft über die Schäden, die das nächtliche Feuer Ende 2013 in den Gewerbeeinheiten am Babenbergerring und der Wohnung direkt über dem Sonnenstudio angerichtet hat. Den reinen Gebäudeschaden bezifferte der Architekt und öffentlich vereidigte Sachverständige auf knapp 217.000 Euro.

Rauch und Ruß richten mehr Schaden an als Feuer selbst
Rauch und Ruß hätten mehr Schaden angerichtet als das Feuer selbst. Die Wohnung über dem Sonnenstudio sei so erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden, weil sich der Qualm über Zwischendecken und Lüftungsschächte seinen Weg nach oben habe bahnen können.

Ob die baulichen Gegebenheiten in dem Gebäudekomplex den Brandschutzvorschriften entsprachen, wollte der Vorsitzende Richter wissen.

Der Architekt vermochte das nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Er sei kein Brandschutzexperte und wisse nicht, welche Vorschriften 1976 galten, als das Haus errichtet wurde, gab er zu bedenken. Sicher war es sich darin, dass man es heute "so nicht mehr machen" dürfte.