Bamberg
Altkleidersammlung

Sammel-Eimer vor zahlreichen Häusern in Bamberg: Wem kommen die Spenden zugute?

In Bamberg sind vor vielen Häusern aktuell Sammel-Eimer für Altkleider aufgestellt. Ist eine solche Aktion seriös? Und wem kommen die Spenden zugute?
Bamberg: Sammel-Eimer vor zahlreichen Häusern - wem kommen die Spenden zugute?
"Große Schuh- und Altkleidersammlung" in Bamberg: Vor vielen Häusern in Bamberg prägen aktuell blaue und orangefarbene Eimer das Straßenbild. Foto: Redaktion
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Altkleidersammlung in Bamberg: Vor zahlreichen Wohnhäusern in Bamberg prägen aktuell blaue und orangefarbene Eimer das Straßenbild. Die auf den Gehsteigen deponierten Sammelbehälter dienen laut Beschriftung einer "großen Schuh- und Altkleidersammlung". Bürgerinnen und Bürger können demnach Schuhe, Altkleider, tragbare Textilien, Federbetten, Bettwäsche, Decken und Handtaschen in die dafür aufgestellten Eimer geben - als "Spende".

Die Sammlung wird demnach von der Lichtenfelser Firma Pagitex durchgeführt. "Die Ware wird zur Wiederverwertung aufbereitet. Wir garantieren, dass die Spende nicht in den Reißwolf kommt", lautet das Versprechen auf dem Deckel der Plastikbehälter. Doch ist eine solche Aktion wirklich seriös? Und: Wem kommen die Spenden überhaupt zugute?

88 Altkleidercontainer in Bamberg - auch Privatfirmen führen regelmäßig Sammlungen durch

In Deutschland werden pro Jahr über 1,1 Millionen Tonnen Kleider aussortiert. Viele davon sind noch gut erhalten und zum Wegwerfen zu schade. Allein im Stadtgebiet Bamberg sind laut Angaben der Stadt 88 Altkleidercontainer aufgestellt. 

Straßensammlungen wie im oben geschilderten Fall seien grundsätzlich anzumelden und die Firmen zu prüfen, teilt die Stadt Bamberg inFranken.de auf Anfrage mit. "Dies ist im genannten Fall beim Klima- und Umweltamt (Abteilung Abfallwirtschaft) auch geschehen, die Sammlung ist daher als seriös zu betrachten", erklärt Bambergs Pressesprecher Steffen Schützwohl. Die Anzahl derartiger Sammlungen in Bamberg variiert demnach von Jahr zu Jahr und bewegt sich im ein- bis niedrig-zweistelligen Bereich.

Doch was geschieht mit den gespendeten Schuhen, Kleidungsstücken und anderen Textilien eigentlich? "Sammlungen wie die genannte werden von Privatfirmen durchgeführt", berichtet Schützwohl. "Das heißt, hier stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, seltener caritative oder Umweltzwecke." Die Sammlungen werden in entsprechende Sortieranlagen gebracht, wo eine händische Sortierung erfolgt. Die Altkleider werden dabei in verschiedene Qualitäten und für unterschiedliche Zwecke unterteilt. "Danach richtet sich die Höhe des Erlöses", konstatiert der Stadt-Sprecher. 

Altkleidersammlungen: Wem kommen die Spenden zugute?

Und wem kommen die Spenden letzten Endes zugute? "Die verschiedenen Einheiten werden verkauft und gehen zum Beispiel auf den deutschen Secondhand-Markt, ins Ausland, an Putzlumpenfirmen, die Autoindustrie oder andere Industriezweige, die Bedarf an diesen bestimmten Rohstoffen haben", erläutert Schützwohl. 

Laut der Verbraucherzentrale Bayern werden Textilien aus Altkleidersammlungen mitunter auch vernichtet. "Was mit den Kleidern geschieht, ist unterschiedlich", teilt Simone Bueb, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale, inFranken.de mit. "Teilweise werden diese geschreddert, teilweise an wohltätige Organisationen oder bei Überschuss auch an kommerzielle Verkäufer weitergegeben." Der Verbraucher könne diesbezüglich jederzeit bei der angegebenen Telefonnummer der Sammelstelle nachfragen. 

Im vorliegenden Fall verweist die Firma Pagitex auf die Förderung lokaler Projekte. "Wir unterstützen regionale Projekte mit Spenden, die Menschen in Ihrer Region zugute kommen", heißt es in der Beschriftung auf den Sammeleimern. Um welche Projekte es sich hierbei konkret handelt, ist unklar. Unter der angegebenen Telefonnummer hat inFranken.de trotz mehrmaliger Versuche bisher niemanden erreicht. 

Verbraucherzentrale klärt auf: Daran erkennt ihr seriöse Sammelstellen 

Die Verbraucherzentrale rät grundsätzlich, nur an seriöse Sammelstellen zu spenden. Diese seien daran erkennbar, dass sie mit einer deutschen Adresse und einer Festnetznummer erreichbar sind. Beide sollten am jeweiligen Altkleidercontainer angebracht sein. Unseriöse Sammler würden stark gefühlsbetont werben und an Mitleid und Hilfsbereitschaft appellieren. "In vielen Fällen können sie auch keine überzeugende Auskunft zum Verbleib der Kleidung und zur Verwendung der Gewinne geben."

Wollen Verbraucher sicher gehen, dass mit ihrer gespendeten Kleidung etwas Gutes bewirkt wird, können sie sich an die Kleiderkammern vor Ort wenden. "Diese werden häufig von Kirchen betrieben", erklärt Bueb. "Was dort landet, kommt Bedürftigen in der Gemeinde oder an einem anderen festgelegten Ort zugute." Dennoch könne es vorkommen, dass überschüssige Kleidung bei kommerziellen Verwertern lande. "Der Erlös aus dem Verkauf fließt dann meist in die eigenen Aktivitäten der karitativen Organisationen", konstatiert die Referentin für Verbraucherrecht.

"Ganz grundsätzlich raten wir, den Altkleiderberg nicht weiter anwachsen zu lassen", betont Bueb. Wer beim Kauf auf Qualität achte, spare Geld und schone die Umwelt. Ähnliches rät auch die Stadt Bamberg: "Grundsätzlich achten sollten die Bürgerinnen und Bürger aber bereits beim Einkauf auf Qualität, Langlebigkeit und tatsächlichen Bedarf."

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