„Photovoltaik im Welterbe“ – das müsse kein Widerspruch sein, habe ein Runder Tisch festgestellt, der in digitaler Form am Mittwochabend stattfand, so die Stadt Bamberg. Auf Einladung der Stadt hätten Akteure der Politik und Zivilgesellschaft über die Frage, wie sich Klima- und Denkmalschutz in Bamberg verbinden lassen, diskutiert.

Das Thema beschäftige Bamberg bereits seit vielen Jahren: "Zum einen wollen die Stadt und die Bürgerschaft nachhaltig mit ihren Ressourcen umgehen, zum anderen den Welterbe-Status bewahren, der ganz unmittelbar mit der mittelalterlichen Dachlandschaft verknüpft ist", heißt es.

Zum Einstieg in die Veranstaltung hatte die neue Klimaschutzmanagerin der Stadt, Xenia Jakubek, einen kurzen Impulsvortrag von Franziska Haas organisiert, erklärt das Rathaus. Die Bamberger Wissenschaftlerin arbeite für das EURAC-Institut für erneuerbare Energien Bozen und habe unter anderem einen Einblick gegeben, wie andere Städte mit dem Thema umgehen.

Grundsätzlich böten sich drei Möglichkeiten, um im Bereich von Denkmälern verträglich Photovoltaik-Anlagen zu installieren: erstens auf neuen, modernen Konstruktionen wie zum Beispiel Bushaltestellen, zweitens auf geeigneten Gebäudetypologien und in weniger sensiblen Bereichen, die es wie etwa in Edinburgh zu definieren gelte, und drittens in nicht einsehbaren Bereichen oder durch die Verwendung von Solar-Dachziegeln. Haas habe allerdings betont, dass diese speziellen Ziegel bei Neubauten "nur" 14 Prozent höhere Kosten verursachen würden, dies bei Sanierungen von Denkmälern jedoch viel teurer sei. Und: "Die Effizienz ist bei weitem nicht so hoch wie bei anderen Anlagen."

Die folgende Diskussion habe Patricia Alberth, die Leiterin des Zentrums Welterbe, mit dem Hinweis eröffnet, dass "die Denkmalpflege an sich schon nachhaltig ist durch die Nutzung von bestehender Bausubstanz". Während bei einsehbaren Bereichen herkömmliche Photovoltaik-Anlagen die visuelle Integrität des Welterbes störten, seien hier Solarziegel eine geeignete Alternative, die sich gut in die historische Dachlandschaft einpasste. Wegen des höheren Preises sollte über eine Förderung nachgedacht werden, so Alberth laut Stadt.

"Diese Idee griffen im Anschluss weitere Teilnehmer der Runde auf, wie etwa die Stadträte Claudia John (FW) und Franz-Wilhelm Heller (CSU) sowie Historikerin Dr. Karin Dengler-Schreiber (Landesdenkmalrat), die darauf aufmerksam machte, dass im Rahmen des Green Deals der Europäischen Kommission auch Fördermittel zur Verfügung stehen würden", heißt es.

Daneben sei immer wieder der Ansatz aufgetaucht, Leitlinien zu definieren, wo im Welterbe was möglich sein könnte. Patricia Alberth habe bemerkt, dass es allgemeine Kriterienkataloge schon geben würde, etwa vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: "Diese lassen sich in Bamberg anwenden. Auch von der UNESCO wird in Kürze ein Papier dazu erwartet, wie es das für die Nutzung von Windenergie im Umgriff von Welterbestätten bereits gibt." In diesem Zusammenhang habe Franziska Haas allerdings dafür plädiert, sich auch von guten Beispielen aus anderen Städten Anregungen zu holen und diese auf Bamberg zu übertragen.

Wie drängend eine autarke Energie-Produktion auch mitten in der Stadt sei, sei von Stadtrat Andreas Eichenseher (Grünes Bamberg) veranschaulicht worden, denn "bei steigenden Energiepreisen wird das Denkmal als Wohnort immer teurer und unattraktiver". In die gleiche Kerbe habe Heiko Küffner vom Bürgerverein Mitte geschlagen und vom Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, "die etwas machen wollen", berichtet. Erich Spranger vom Bund Naturschutz: "Wir möchten, dass möglichst viel ermöglicht wird." Für Glüsenkamp (Grüne) sei klar, dass auch eine Stadt wie Bamberg ihre Potenziale nutzen müsse, um alternative Energie zu erzeugen. Das Problem könne nicht fünf Kilometer vor die Stadt verlegt werden, denn dort würden die Flächen für die Landwirtschaft benötigt.

Den regen Austausch am digitalen Runden Tisch bewertete OB Starke (SPD) als Moderator laut Stadt zum Abschluss positiv: "Wir verstehen den Auftakt von heute so, dass wir den Dialog weiterführen. Wir werden uns überlegen, wie wir die vielen guten Impulse in die politischen Gremien weitertransportieren können."