Im Ukraine-Konflikt häufen sich die Angriffe und militärischen Einsätze rund um die Atomkraftwerke des Landes: Am Freitagmorgen (4. März 2022) war sogar ein Brand in Europas größtem Kernkraftwerk ausgebrochen, als russische Truppen das Werk Saporischschja beschossen. Die Sorge vor einer nuklearen Katastrophe und deren Auswirkungen scheint auch in der Region Bamberg zuzunehmen, wie eine aktuelle Mitteilung zeigt.

"Aus einer ganzen Reihe von Anfragen beim Landratsamt wird deutlich, dass Menschen auch in der Region Bamberg durch den Ukraine-Krieg eine Gefährdung durch atomare Strahlung befürchten", schreibt das Landratsamt am Montag (7. März 2022). In den meisten Fällen sei das Thema dabei mit der Frage nach der Verfügbarkeit von Jobtabletten verbunden.

Jodtabletten stärker nachgefragt - Katastrophenschutz informiert

Das Landratsamt als Katastrophenschutzbehörde informiert darüber, dass das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Umweltradioaktivität beobachten. BMUV und BfS rechnen aufgrund der Entfernung zur Ukraine aber nicht damit, dass eine Einnahme von Jodtabletten erforderlich werden könnte, heißt es in der Mitteilung.

Zudem sei die Versorgung mit Jodtabletten gesichert. Ministerium und Bundesamt haben nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl einen Vorrat an knapp 190 Millionen Jodtabletten dezentral gesichert, informiert das Bamberger Landratsamt.

Falls es entgegen der Annahme von BMUV und BfS dennoch zu einem Eintrag von radioaktivem Jod in die Luft kommen sollte, sollen die Jodtabletten in den betroffenen Gebieten durch die Katastrophenschutzbehörden an Personen verteilt werden, die unter 45 Jahre alt sind.  

Über 45-Jährige sollten aber nach der Meinung der Experten der Strahlenschutzkommission von einer Einnahme von Jodtabletten absehen. Denn: Mit steigendem Alter treten häufiger Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auf. Eine solche sogenannte funktionelle Autonomie erhöhe die Gefahr von Nebenwirkungen einer "Jodblockade". Zudem nehme mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit stark ab, an durch ionisierende Strahlung verursachtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

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