Zweifelhaften Ruhm erlangt in diesen Tagen der Nachbar-Landkreis Coburg. Der zählt zu den drei Kommunen, die neben den Kreisen Coesfeld und Sonneberg derzeit tiefrot aus einer Deutschland-Karte des Robert-Koch-Instituts (RKI) herausstechen. Alle drei eint ein Wert von mehr als 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Damit gelten sie als Kandidaten für die von Bund und Ländern angekündigte "Notbremse", die Rücknahme der Lockerung von Corona-Maßnahmen. Da die gestiegenen Fallzahlen im Landkreis Coburg auf betroffene Alten- und Pflegeheime zurückzuführen waren, wurden dort wieder Besuchsverbote ausgesprochen.

Wie stellt sich nun die Situation in Stadt und Landkreis Bamberg dar, die derzeit auf der RKI-Karte noch in blassen Gelbtönen unterlegt sind? Ein Blick auf die bisherigen Entwicklungen und Zahlen. Ab welchen Werten wird es auch bei uns kritisch?

Ausgehend von den aktuellen Einwohnerzahlen (Stadt 77 592, Landkreis 147 086 Einwohner) müssten im Stadtgebiet etwa 39, im Landkreis knapp 74 neue Covid-19-Infektionen binnen einer Woche festgestellt werden.

Für den Gesundheitsamtsbezirk, der Stadt und Landkreis Bamberg umfasst, würde damit ein kritischer Gesamtwert von 113 Neuinfektionen innerhalb einer Woche gelten. Würde eine Überschreitung dieser Werte bedeuten, dass Bamberg zum Lockdown und sämtlichen Beschränkungen zurückkehren muss?

Das ist sehr unwahrscheinlich. In welchem Umfang auf einen neuerlichen Anstieg der Infektionen reagiert werden muss, entscheidet die jeweilige Katastrophenschutzbehörde.

"Wenn es noch einmal eine plötzliche Zunahme der Corona-Fälle gibt, kann man wahrscheinlich auch den Infektionsherd bestimmen. In der Regel geht es um betroffene Einrichtungen, etwa Pflegeheime", sagt Frank Förtsch, der Pressesprecher des Landratsamtes. Entsprechend sei wohl eine punktuelle Reaktion möglich, ohne gleich das gesamte Maßnahmenpaket noch einmal für den ganzen Landkreis auszurollen. Hat sich die Zahl der Bamberger Neuinfektionen in der Vergangenheit schon einmal im kritischen Bereich bewegt?

Die bislang stärksten Anstiege gab es Ende März und Anfang April. So wurden zwischen dem 22. und dem 29. März 40 Neuinfektionen in der Stadt und 124 im Landkreis festgestellt. Das waren zusammen 164 neue Fälle. Zwischen dem 1. und 8. April stieg die Gesamtzahl der positiv Getesteten dann noch einmal um 153 - von 261 auf 441. In beiden Zeiträumen wurde damit der mittlerweile für die "Notbremse" geltende Grenzwert deutlich überschritten. Wie viele Neuinfektionen werden derzeit in Bamberg festgestellt?

Die Zahl der vom Landratsamt mitgeteilten neuen Corona-Fälle bewegt sich seit Tagen im niedrigen einstelligen Bereich. In der vergangenen Woche gab es sogar vier Tage in Folge keine Neuinfektionen.

Das RKI verzeichnet in der jüngsten 7-Tages-Übersicht für die Stadt Bamberg gerade einmal 2,6 neue Fälle auf 100 000 Einwohner, im Landkreis waren es in der vergangenen Woche 11,6 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner. "Wir wissen aber nicht, wie es nach den jüngsten Lockerungen in zwei Wochen aussehen wird", sagt Pressesprecher Förtsch. Sind die Zahlen so niedrig, weil so wenig getestet wird?

Nach Auskunft des Landratsamtes sind derzeit ausreichend Testkapazitäten vorhanden - und es werde auch viel getestet: Die Gesundheitsbehörden gehen " näherungsweise davon aus, dass in einer Woche rund 1500 Tests gemacht werden". In dieser Zahl sind die Tests des Fachbereichs Gesundheitswesen am Landratsamt, der Kassenärztlichen Vereinigung, von Hausärzten und von den drei Kliniken in Stadt und Landkreis (Bamberg, Burgebrach und Scheßlitz) enthalten.