Bamberg

Bamberg hat Bayerns niedrigsten Inzidenzwert

Erfreulich haben sich die Fallzahlen für das Bamberger Stadtgebiet zuletzt entwickelt. Sind das schon Zeichen einer Trendwende oder nur statistische Verschiebungen? Wir haben nachgefragt, wie verlässlich diese Zahlen derzeit sind.
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Bereits am Wochenende war die Stadt Bamberg der einzige gelbe Fleck auf einer ansonsten hell- bis dunkelroten Bayernkarte. Gelb gilt in der derzeitigen Pandemiephase als vergleichsweise gut und bringt zum Ausdruck, dass in den vergangenen sieben Tagen weniger als 50 neue Corona-Fälle pro 100 000 Einwohner gemeldet wurden.

Der genaue Inzidenzwert von 45,2 bedeutet in der Stadt mit ihren gut 77 500 Einwohnern genau 35 neue Fälle binnen einer Woche. Steht Bamberg damit wirklich besser da als der Rest Bayerns? In der aktuellen Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) trifft das auf jeden Fall zu. Doch wie so oft lohnt auch hier wieder ein Blick hinter die Zahlen.

Wie verlässlich sind die in Stadt und Landkreis Bamberg vergleichsweise niedrigen Zahlen?

Die recht niedrigen Zahlen erscheinen auch beim Gesundheitsamt unerwartet, jedoch könne man dort "keine Verzögerungen oder Probleme bei der Übermittlung der Meldungen feststellen".

Laut Pressestelle des Landratsamtes habe man beim RKI nachgefragt, ob es möglicherweise Übermittlungsschwierigkeiten gegeben habe, doch noch keine Antwort erhalten. Inzwischen liegen jedoch auch Medienberichte vor, wonach bei den Montagswerten eine Datenpanne des RKI vorliegen könnte. Das Institut prüfe laut einer Sprecherin, was der Grund für die wenigen Meldungen aus Bayern oder Rheinland-Pfalz sein könnte. Inwieweit sich daraus auch Folgen für den Bamberger Inzidenzwert ergeben könnten, war am Montagnachmittag noch nicht bekannt. Allerdings lagen die Bamberger Zahlen ja bereits am Wochenende unter der 50er-Marke.

Wurde zuletzt einfach viel weniger getestet?

"Da die Coronatests dezentral über viele verschiedene Praxen, Kliniken und Testzentren durchgeführt werden, ist es uns nicht möglich hier eine exakte Angabe zu machen", teilen dazu die Bamberger Gesundheitsbehörde mit.

Eine Trendübersicht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit lässt jedoch auf weniger Tests zu Jahresbeginn schließen. So gab es im November und Dezember immer wieder Tage mit bayernweit 60 000 oder auch sehr viel mehr Laboruntersuchungen. Im Januar waren es bislang nur an einem Tag mehr als 50 000.

Gibt es vielleicht noch Bearbeitungsrückstände bei der Meldung von neuen Corona-Fällen?

Die Bamberger Gesundheitsbehörden sind mit ihren Meldungen auf dem Laufenden. Alle Meldungen, die das Gesundheitsamt derzeit erhält, werden noch am gleichen Tag bearbeitet und gemeldet.

Hat sich mit dem niedrigen Inzidenzwert auch die Lage in den Krankenhäusern in Stadt und Landkreis etwas entspannt?

Im Klinikum Bamberg müssen trotz niedriger Inzidenzwerte noch immer viele Covid-19-Patienten behandelt werden. Derzeit sind es 49, davon acht auf Intensivstation.

In den Häusern der Gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises in Burgebrach und Scheßlitz liegen derzeit 20 Corona-Patienten, von denen sechs eine Intensivbehandlung benötigen.

Wie kann es sein, dass gelegentlich die Zahl der aktiven Fälle abnimmt, aber der Inzidenzwert steigt?

Von der Anzahl der aktiven Fälle kann laut Gesundheitsamt nicht auf die 7-Tage-Inzidenz geschlossen werden. So können beispielsweise unabhängig von einer hohen Rate an Neuansteckungen auch überdurchschnittlich viele Personen wieder genesen und aus der Quarantäne entlassen werden. "Ein direkt proportionales Verhältnis der beiden Werte ist somit nicht zwingend gegeben", erklärt dazu das Gesundheitsamt.

Im Dezember und Januar gab es zum Teil erhebliche Sprünge bei den Zahlen der aktiv Erkrankten. Wie erklären sich diese?

Schwankungen in den aktiven Fällen sind zumindest teilweise dem dynamischen Infektionsgeschehen geschuldet. "Weiterhin konnten aufgrund der hohen Arbeitsbelastung der Gesundheitsbehörden im Dezember und Anfang Januar nicht alle beendeten Fälle bearbeitet und in der Statistik als solche kenntlich gemacht werden", teilt dazu Frank Förtsch, der Sprecher des Landratsamtes, mit. Eine zentrale Bereinigung der Fallliste habe dann zu einem starken Absinken der "aktiven Fälle" geführt.

Viele Hausarzt-Praxen hatten zwischen den Jahren ein paar Tage geschlossen. Kann das jetzt noch Effekte auf die Fallzahlen haben?

Die Urlaubszeiten von Praxen sollten laut Gesundheitsamt keine Auswirkungen auf die Meldung von Coronatestergebnissen haben. Dennoch sei damit zu rechnen, "dass die Anzahl der durchgeführten Tests über die Weihnachtsfeiertage aufgrund der eingeschränkten Zugänglichkeit zurückgegangen ist".

Das Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei erwartet zahlreiche neue Polizeischüler aus allen Teilen Deutschlands - und damit auch aus einigen Corona-Hotspots. Könnte das die Bamberger Zahlen wieder hochschnellen lassen?

"Positive Fälle aus dem Ausbildungszentrum Bamberg gehen nicht zwingend in die Fallstatistik der Stadt Bamberg ein", erläutert dazu die Pressestelle des Landratsamts.

Die Meldung eines positiven Falles erfolge von dem Gesundheitsamt, in dessen Zuständigkeit der Wohnsitz einer positiv getesteten Person liege.