"Bamberg wäre ohne Marcus heute nicht, was es ist. Dabei gibt es bis heute nicht einmal eine moderne Biographie über ihn. In Bamberg wurden zwar eine Straße, ein Platz und eine Brücke nach ihm benannt, aber ansonsten ist er weitgehend vergessen." Das beklagt die frühere Stadtheimatpflegerin Karin Dengler-Schreiber in einem Aufsatz über Adalbert Friedrich Marcus.

Und genau das soll sich jetzt ändern. Der 200. Todestag des Mediziners ist dem Ärztlichen Kreisverband Anlass, in Erinnerung zu rufen, wer Marcus war und was Bamberg ihm zu verdanken hat. Dazu gibt es eine ganze Reihe öffentlicher Veranstaltungen (eine Übersicht finden Sie am Ende dieses Beitrags).

Marcus, 1753 im hessischen Arolsen geboren, lebte und wirkte ab 1777 in Bamberg.
Von hier aus schrieb er Medizingeschichte. Er prägte aber auch das gesellschaftlichen Leben in der Stadt: Marcus gehörte 1791 zu den Mitbegründern der "Gesellschaft Harmonie", der ein Leseinstitut mit freiem Zugang zu Büchern und Zeitschriften angegliedert war.

Er förderte die Ansiedlung eines professionellen Theaters und er rettete die Altenburg: 1801 kaufte er, was von den alten Gebäuden übrig war und verhinderte auf diese Weise, dass die Bausubstanz komplett vernichtet wurde.


"Absolut revolutionär"

So kommt es nicht von ungefähr, dass der Altenburgverein Mitveranstalter des Gedenkjahres ist. "Marcus war für die Stadt eine viel wichtige Persönlichkeit, als man denkt", sagt denn auch der Vereinsvorsitzende und frühere Bürgermeister Werner Hipelius.

"Absolut revolutionär" sei gewesen, was Marcus auf medizinischem Gebiet tat, betont Georg Knoblach, der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands. Auf ihn gehe die bis heute gültige duale Krankenhaus-Finanzierung zurück.

Als Leibarzt von Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal, dem Erbauer des alten Bamberger Krankenhauses (heute Hotel "Residenzschloss"), habe Marcus wesentlichen Einfluss darauf gehabt, dass es das modernste seiner Art in Europa war: "Jedes Zimmer hatte seinen eigenen Abtritt, jeder Kranke seine eigene Wäsche und auch die Ernährung der Patienten war geregelt."

Laut Knoblach war es ein Glücksfall, dass der fortschrittlich denkende Marcus in Erthal einen aufgeschlossenen "Landesvater" traf, der das Beste für das Volk wollte und die Ideen seines Leibarztes bereitwillig umsetzte.

Dank Marcus sei St. Getreu in Bamberg auch "das erste Nervenkrankenhaus im deutschsprachigen Raum gewesen, in der Irre nicht nur weggesperrt wurden, sondern auch behandelt", so Knoblach. Der Ärzte-Funktionär gesteht offen: "Ich kriege immer eine Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, das alles ging von Bamberg aus."

Geht es nach Knoblach und dem mitveranstaltenden Pathologie-Professor Gerhard Seitz, sollten berühmte Bamberger Ärzte wie Schönlein und Marcus dauerhaft ins kollektive Gedächtnis der Bamberger geholt werden. Ihre gemeinsame Idealvorstellung geht dahin, dass das Klinikum am Bruderwald eines Tages den Namen Schönleins trägt und der Name von Marcus im Klinikum am Michelsberg (St. Getreu) verewigt wird.

Wie eng Marcus der Altenburg verbunden war, belegt die Tatsache, dass er seine letzte Ruhestätte im Wäldchen unterhalb des Bamberger Wahrzeichens gefunden hat. Obwohl nur ein paar Schritte von der Treppe entfernt, die vom Parkplatz an der Altenburger Straße hinauf führt zur Burg, ist das Grab den wenigsten Bambergern bekannt.


Bei "seiner" Burg begraben

Der Burgwart des Altenburgvereins, Michael Bosch, hat den Umgriff in den vergangenen Wochen hergerichtet. Er ist erleichtert, dass eine Joggerin ein abgebrochenes Stück von einem steinernen Kreuz auf der Grabplatte gefunden und gesichert hat, so dass es wieder an seinem Platz angebracht werden konnte. Am 26. April, auf den Tag genau 200 Jahre nach Marcus' Tod, findet um 19 Uhr am Grab eine Feierstunde mit Kranzniederlegung statt.

Die öffentlichen Veranstaltungen zum Marcus-Jahr im Überblick:

5. April Der geplante Vortrag von Karin Dengler-Schreiber fällt aus. Er wird eventuell im Herbst nachgeholt.

24. April Festakt im Klinikum am Bruderwald mit Enthüllung eines Marcus-Medaillons von Bildhauer Adelbert Heil (mit Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, Erzbischof Ludwig Schick, Prof. Gerhard Seitz, Bürgermeister Christian Lange , Georg Knoblach, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Bamberg), 14 Uhr;

26. April Kranzniederlegung am Marcus-Grab im Wäldchen unterhalb der Altenburg, mit Bürgermeister Christian Lange, Werner Hipelius, Norbert Ruß, dem Schauspieler Martin Neubauer und der Stadtkapelle, 19 Uhr;

30. April "Die Frage nach dem Menschen in Philosophie und Medizin", "Wie human ist die Humanmedizin heute? - die Frage nach dem spezifisch Menschlichen in ärztlicher Humanität und Anthroplogie", Symposium von 9 bis 13 Uhr im Würzburger Lehrgangswerk, Würzburger Straße 59;

3. Mai "Serapionsbrüder? Adalbert Friedrich Marcus und E.T.A. Hoffmann", Vortrag von Johannes Wilkes in der Galerie auf der Altenburg, 19 Uhr;

22. Mai "Die Altenburg als Erinnerungsort" Führung und Besuch der E.T.A.-Hoffmann-Klause mit Professor Wilfried Krings, 14 Uhr, Treffpunkt am Turm;

24. Mai "Israel Marcus Jugend - Herkunft, Familie und Studienzeit", Vortrag von Professor Gerhard Aumüller, 19 Uhr, Galerie auf der Altenburg;

7. Juni "Dr. Adalbert Friedrich Marcus und die Bamberger Krankenversicherung - Was haben Politiker in 200 Jahren dazu gelernt?" Vortrag von Gerhard Seitz und Robert Zink (früherer Stadtarchiv-Leiter), 19 Uhr, Altenburg-Galerie.