• Schock: In einer Bamberger Grundschule haben Kriminelle eine Videokonferenz gehackt
  • Die Täter spielten vor den Kindern einen Porno-Film ab
  • Die Porno-Hacker gingen besonders perfide vor
  • Psychologen betreuen Eltern und Schüler - Vater macht bayerischen Politikern schwere Vorwürfe

An der Kaulbergschule in Bamberg (Grundschule) haben Unbekannte am Montagvormittag (12. April 2021) den Video-Unterricht einer dritten Klasse gestört. Die Kriminellen haben vor den Kindern einen Porno-Film abgespielt. Im Video-Chat waren zehn bis zwölf Kinder anwesend, bestätigt der Elternbeiratsvorsitzende der Bamberger Grundschule, Mathias Zeck, gegenüber inFranken.de

Bamberg: Kriminelle nutzten perfiden Trick, um in die Schul-Videokonferenz zu gelangen

Der abstoßende Vorfall ereignete sich Zeck zufolge folgendermaßen: "Bei dem verwendeten Programm kann jeder Teilnehmer andere Teilnehmer aus dem Warte-Vorraum in die Sitzung lassen. Und wenn Sie drin sind, können Sie auch jeden rausschmeißen." Eltern und Lehrer vermuten, dass ein Kind aus der Klasse die Kriminellen in die Konferenz gelassen hat. "Wahrscheinlich hat das Kind gedacht, es handelt sich um einen Klassenkameraden", sagt Zeck. 

Besonders perfide: Als Erstes hätten die Täter die Lehrerin aus dem Video-Chat entfernt. "Derjenige hat sich zunächst reingeschlichen und die Lehrerin rausgeworfen. Dann hat er ein pornografisches Filmchen abgespielt", so Zeck. Es habe sich aber nicht um kinderpornografisches Material gehandelt, wie es seit Beginn der Pandemie ebenfalls mehrfach an Schulen vorgekommen ist. 

Die Lehrerin selbst habe versucht, die Kontrolle über den digitalen Klassenraum wiederzuerlangen, doch ohne Erfolg. "Zum Glück waren Eltern am Bildschirm dabei. Die haben sich sehr schnell über eine WhatsApp-Gruppe verständigt und die Konferenz geschlossen", sagt Zeck. Auch sein Neffe (9) sei in dem Chat gewesen, erzählt der dreifache Familienvater. "Das ist abstoßend, da wird man schon sehr nachdenklich."

Bamberger Staatsanwaltschaft ermittelt - Kindesmissbrauch steht im Raum

Die Kaulbergschule in Bamberg hat sofort Anzeige bei der Polizei erstattet. Der Fall liegt jetzt bei der Kriminalpolizei und der Cybercrime-Stelle der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. "Wir tragen die Informationen gerade mit der Polizei zusammen", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Goger gegenüber inFranken.de. Das Phänomen sei seit Monaten bekannt, bundesweit habe es viele Fälle gegeben. 

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"Die Bandbreite reicht von einfachen Streichen zu schweren Straftaten." Goger will noch nichts zum laufenden Verfahren sagen, generell könne in derartigen Fällen aber auch wegen "sexuellem Missbrauch" ermittelt werden. Mit richtigem Hacken hätte das Stören von Distanz-Unterricht meist wenig zu tun. "Die Links werden auf Social Media geteilt, die Konferenzen sind oft schlecht gesichert", sagt Goger. 

"Das Videoprogramm Jitsi Meet wurde vom bayerischen Kultusministerium offiziell empfohlen", so Elternbeiratsvorsitzender Zeck. Zoom und Microsoft Teams hätten hingegen datenschutzrechtliche Probleme, habe es geheißen. Wegen der Cyber-Attacke ist die Bamberger Grundschule jetzt auf ein anderes Programm umgestiegen. "Dort kann nur die Lehrerin die Schüler in die Konferenz holen und es ist passwortgeschützt", sagt Zeck. 

Vater stinksauer auf bayerische Politiker - "Verlierer der Pandemiegeschichte sind die Kinder"

Der Elternbeiratsvorsitzende an der Bamberger Grundschule ist nach der Porno-Attacke wütend auf die bayerische Politik. "Ich verstehe nicht, wie man nach über einem Jahr nichts entwickelt hat, was wirklich sicher ist. Von der Politik heißt es immer, Bayern sei bei der Digitalisierung Vorreiter. Es kommen nur große Worte", sagt Zeck. Der Schulleiter der Kaulberg-Grundschule, Norbert Eger, sieht das Problem besonders an Bayerns Grundschulen: "Wir fühlen uns generell in den Grundschulen sehr alleine gelassen. So bekommt an unserer Schule mit 275 Schülern eine einzige Lehrkraft pro Woche eine Stunde Unterrichtsermäßigung, um sich um administrative Aufgaben an den Computern zu  kümmern. An Gymnasien oder Realschulen sieht das ganz anders aus", sagt Eger.  

"Verlierer der Pandemiegeschichte sind die Kinder", findet Zeck. Nach der Attacke, die für ihn "unfassbar" sei, wurden die Schulpsychologen eingeschaltet. Diese beraten nun mit den Eltern, wie den Kindern erklärt werden kann, was sie im Chat gesehen haben. "Da ist jetzt jeder Tag wichtig", sagt Zeck. Denn für die Kinder sei neben dem Film an sich auch sehr belastend, "dass plötzlich ein Fremder auf meinem Computer auftaucht", so Schulleiter Eger. Er betont den Zusammenhalt an der Bamberger Grundschule: "Jetzt hilft die ganze Schule zusammen. Wir haben tolle Eltern hier, die den Lehrkräften keine Vorwürfe machen."

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