Es war eine machtvolle Demonstration der Menschen und der Farben. Ein scheinbar endloser Protestzug von Bosch-Mitarbeitern versammelte sich am Donnerstagmittag in roten Warnwesten vor den Toren des Hauptwerks in Bamberg.

Nach Angaben des Betriebsrats kam die gesamte Belegschaft, ca. 3000 Menschen, zusammen. Auch in den anderen Werkteilen wurde demonstriert. Daneben verlor sich das kleine Häuflein blau und weiß gewandeter Kollegen. Es sollte den traurigen Rest von Mitarbeitern darstellen, der "übrig bleibt", wenn es in Bamberg keine Fertigung des Dieselmotors mehr gäbe, weil nur noch Benziner hergestellt werden oder Elektroautos. 4000 Menschen würden alleine bei Bosch in Bamberg ihre Arbeit verlieren.

Bamberger Standort leidet an sinkender Dieselmotor-Nachfrage

Tatsächlich leidet der Standort schon heute massiv durch die sinkende Nachfrage nach Diesel-Motoren. Die Zahl der so genannten Schließschichten wächst, wie Mario Gutmann, in einer aufrüttelnden Rede berichtete. Erstmals schickt Bosch in Bamberg seine Mitarbeiter über Ostern nach Hause. Schon ist die Rede davon, dass der Standort auf unter 5000 Mitarbeiter sinken könnte.

Gutmann prangerte die von falschen Hoffnungen geleitete politische Unterstützung der Digitalisierung und der Elektrifizierung an. Doch die Produktion von Elektroautos sei nicht so klimafreundlich wie geglaubt werde. Ganz abgesehen von der Stromerzeugung, die immer noch von fossilen Brennstoffen dominiert werde, werde das für die Akkus nötige Lithium unter umweltzerstörerischen Bedingungen in der chilenischen Wüste gewonnen. Das weltweit vorhandene Kobalt reiche bei weitem nicht aus, um die nötige Menge von Akkus herzustellen.

Demo in Bamberg: "Ökologie und heutige Verbrenner sind kein Widerspruch"

Unter dem Beifall der Zuhörer verteidigte der Bamberger Betriebsratschef die umwelttechnischen Vorzüge der Verbrennermotoren, besonders die des Diesels. Die Politik müsse sich für eine technologieoffene Zukunftsentwicklung einsetzen. Es dürfe nicht sein, dass alle "staatlichen Subventionen in Richtung Elektrifizierung fließen". "Ökologie und heutige Verbrenner sind kein Widerspruch", sagte Gutmann.

Wie gefährlich der Trend zur Elektrifizierung für die Region ist, zeichnet sich schon länger ab. Das Unternehmen Bosch in Bamberg, das in seinen besten Zeiten einmal fast 10 000 Menschen beschäftigte, hat sich mittlerweile auf 7400 Beschäftigte verkleinert.

Ein weiterer Schrumpfkurs stehe bevor, kündigte Gutmann an, denn durch Fluktuation und Altersteilzeitangebote verliere der Standort jährlich rund 300 Mitarbeiter. "Wenn wir nur noch die Azubis übernehmen, werden wir auf absehbare Zeit unter 5000 Beschäftigte runtergehen", sagte der Betriebsrat. Nicht nur für die einzelnen Familien, für die gesamte Region sei das keine gute Perspektive: "Stadt und Landkreis Bamberg müssen sich warm anziehen. "

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