Sieben Monate sind die magische Grenze - denn frühestens sieben Monate vor dem gewünschten Hochzeitstermin können Paare sich diesen im Bamberger Standesamt vorreservieren lassen. Die eigentliche Voranmeldung ist erst ab sechs Monaten möglich.

Auch Lena (24) und Tobias (25) Meier waren ganz früh dran. Sie möchten anonym bleiben und heißen in Wirklichkeit anders. Vor kurzem haben sich die zwei das Ja-Wort gegeben: Es sollte unbedingt der 2. Oktober sein. Denn genau an diesem Tag vor fünf Jahren haben sich die beiden Studierenden im Zug kennengelernt.

"Wir fuhren von Bamberg nach Nürnberg zum Vorbereitungswochenende unseres Studiums", erzählt Lena. Sie kommt ursprünglich aus München, ihr Mann Tobias aus dem Sauerland. Eine Hochzeit in einer der beiden Herkunftsregionen sei keine Option für sie gewesen, sagen sie. "Bamberg ist unsere Heimat geworden, unsere Freunde leben hier. Wenn wir fertig mit dem Studium sind, wollen wir hier bleiben", sagt Tobias.

Zum Heiraten zurückgekommen

Paare, die sich im Studium in Bamberg kennen und lieben gelernt haben, wollen oftmals auch hier heiraten. Das weiß Robert Strauß, Leiter des Bamberger Standesamts. Und: "Viele, die Bamberg irgendwann mal als Touristen besucht haben, kommen zum Heiraten wieder." Das sind nicht wenige. Das Heiratenist mittlerweile Teil des Bamberger Tourismus. Die Zahl der auswärtigen Paare hat sich laut Strauß in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. "Heute ist fast ein Drittel der Hochzeitspaare nicht aus Bamberg."

Generell finden im Bamberger Standesamt durchschnittlich 480 Trauungen pro Jahr statt. Für 2014 liegt die Zahl bisher bei 372 (Stand 21. Oktober). Im gesamtdeutschen Vergleich rangiert Bamberg jedes Jahr unter den 15 bis 20 heiratsstärksten Standesämtern in Deutschland. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

"Unter den Top 20 sind nur vier Städte, das andere sind alles Landkreise, etwa auf Sylt. Der Eheschließungs-Tourismus nimmt deutlich zu", erläutert Robert Strauß. In einer Zufriedenheits-Umfrage einer Online-Trauring-Verkaufsplattform belegte Bamberg 2013 in der Kategorie "Schönstes Standesamt Deutschlands" Platz 2. Doch nicht nur hier wird "ja" gesagt. Sehr gefragt bei Paaren ist der Rokokosaal im Alten Rathaus, das Palas in der Altenburg oder die Thomas- und Katharinenkapelle in der Alten Hofhaltung. Nach Strauß' Erfahrung bewirkte unter anderem die steigende Zahl der Kirchenaustritte, dass die standesamtliche Hochzeit ein ganz besonderer Tag werden soll. Da werden Gäste aus dem Ausland eingeflogen und für die Trauung muss es der Rokokosaal sein.

"Das braucht's nicht unbedingt", dachten sich dagegen Annika (19) und Jens (26) Schneider. Die zwei haben am 11. April im Trauungssaal des Rathauses den Bund fürs Leben geschlossen. Für die beiden Bamberger war klar: Geheiratet wird nur hier. "Weil Bamberg das Schönste zum Heiraten ist und die Heimat", sagen sie. "Wir wollten auch unbedingt, dass die kirchliche Trauung in meiner oder seiner Taufkirche stattfindet", betont Annika. Wo anders hätten sie sich nicht wohl gefühlt.

Standesbeamter gut informiert

Auch die Schneiders haben sich frühzeitig um ihren Wunschtermin beim Standesamt gekümmert. "Wir waren gleich die ersten, die sich für diesen Tag gemeldet haben", sagt Annika. Gute Planung war für die beiden umso wichtiger, weil standesamtliche und kirchliche Trauung am selben Tag stattgefunden haben. Dass es ein schöner wurde, daran war auch der Standesbeamte nicht ganz unschuldig. Er sei gut informiert gewesen und habe ein paar treffende Worte gefunden, sagen sie. Diese Tatsache loben auch Lena und Tobias Meier ausdrücklich. "Die Zeremonie war sehr persönlich, damit hatten wir nicht gerechnet", sagt Lena.

Apropos rechnen: Den beiden war eine Trauung im Rokokosaal einerseits zu teuer - mit allem Drum und Dran kostet sie 580 Euro. "Außerdem wollten wir an der Oberen Brücke nicht zu sehr im Getümmel sein", sagt Ehemann Tobias. So war die Entscheidung für die Trauung im Standesamt, die an einem Samstag um die 150 Euro kostet, nicht nur eine Kosten- sondern auch Geschmacksentscheidung.

Geschmack wollen auch die Standesbeamten beweisen. Leiter Robert Strauß lächelt: "Ich darf zum Beispiel nie besser aussehen als der Bräutigam."