War es ein Bürger aus Bamberg? Oder durchbrach eine Schwimmerin aus dem Landkreis im Dezember die Rekordmarke? Niemand weiß es, und doch ist es eine bemerkenswerte Hürde, die im Ansturm während der Weihnachtsferien genommen wurde. Erstmals verzeichnete das Bamberger Sport- und Familienbad mehr als 400 000 Besucher im Jahr.

"Beim Besucherplus haben wir vom Wetter im vergangenen Jahr profitiert. Wenn es keinen Schnee hat, diesig und grau ist, dann haben wir die meisten Besucher. Und natürlich ist es auch die Einwohnerzahl, die sich positiv bemerkbar macht", erklärt Astrid Rosenberger, Sprecherin der Stadtwerke. Dabei zeichnet sich in den Zahlen seit Eröffnung des Bades Ende 2011 auch ein langfristiger Trend ab: Den Stadtwerken als Betreiber des großen Bades mit seiner großen Saunalandschaft ist es gelungen, den Schwachpunkt bei den Besucherzahlen Mitte des Jahrzehnts wieder auszubügeln.

Mit knapp 402 000 Besuchern liegt das abgelaufene Jahr deutlich über dem Besuchermittel seit 2011. Für die Bamberger Politik ist die gute Auslastung der beste Beweis, dass die Entscheidung, 34 Millionen Euro in den Neubau eines Hallenbades zu stecken, richtig war. Was wäre Bamberg heute ohne die Freizeiteinrichtung in der Pödeldorfer Straße? "Das Bambados ist eine wichtige Infrastruktureinrichtung für Bamberg. Das Engagement der Schwimm- und Sportvereine in Bamberg dafür hat sich mehr als gelohnt. Und das beste: Die ganze Bevölkerung kann davon profitieren. Und mittlerweile tut sie es auch", freut sich Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) über die Rekordzahlen.

Freilich hat das Schwarmbad in der Schwarmstadt auch seinen Preis. 2019 war in der achtjährigen Geschichte des Bambados mit einem Defizit von 2,5 Millionen Euro das zweitteuerste Jahr. Nur 2018 lag das Minus mit 2,7 Millionen Euro noch höher - eine Folge der unvermeidlichen Neufliesung der Beckenlandschaft, für die die Stadtwerke in die Vorleistung gegangen sind.

So mögen sich Kritiker bestätigt fühlen: "Als vor zehn Jahren die Entscheidung für das große Bad fiel, war davon die Rede, dass das Defizit des alten Hallenbades von 1,1 Millionen Euro nicht wesentlich überschritten werden sollte", erinnert sich Peter Gack, früherer Stadtrat der Grünen. Gack hatte sich dafür eingesetzt, beim Spaßbad "kleinere Brötchen zu backen" und unter anderem das umstrittene 50-Meter-Becken auf 25 Meter zu verkürzen. "Das dadurch eingesparte Geld hätte man gut für neue Geschäftsfelder etwa in der Energieversorgung investieren können. "

Auch für Dieter Weinsheimer von der Bamberger Allianz ist der hohe jährliche Fehlbetrag des Hallenbads mehr als nur ein Wermutstropfen. "Alle Gutachter haben uns damals davon abgeraten, in Bamberg so ein großes Bad zu bauen." Als langjähriger Aufsichtsrat des städtischen Energie- und Bäderunternehmens kennt Weinsheimer die Risiken und Nebenwirkungen einer derart verlustträchtigen Einrichtung nur allzu gut: "Das Minus beim Bambados schwächt die Ertragslage der städtischen Energietochter mit ihren vielfachen Verpflichtungen erheblich.Wir hätten es besser gefunden, den Spielraum des Unternehmens für andere Aufgaben zu erhöhen. "300 000 Euro kostet etwa eine Buslinie."

Freilich: Defizite sind in der deutschen Bäderlandschaft nicht die Ausnahme, sondern die Regel. So hat sich der Markt Hirschaid die Frankenlagune im Jahr 2018 rund eine Million Euro kosten lassen - ohne Saunalandschaft. Betriebsleiter Willi Brückner ist stolz darauf, dass es "dem schnuckeligen, kleinen Bad", 18 Kilometer südlich von Bamberg gelegen, gelungen ist, auch nach dem Bau des Bambados seine Besuchervorgaben zu erreichen. Zuletzt wurden in Hirschaid 120 000 Besucher gezählt - ohne Sauna und bei 620 Quadratmetern Wasserfläche. "Die höchsten Kosten verursachen in Hirschaid Strom, Wasser und das Personal", sagt Brückner. "Für ein Bad braucht man wahnsinnig viel Personal."

Auch in Forchheim kann man von einem kostendeckenden Hallenbadbetrieb nur träumen. In der südlichen Nachbarstadt beläuft sich das 2019 berechnete Defizit auf etwas über eine Million Euro. Bei einer Besucherzahl von 342 000 Personen kommen die Forchheimer also deutlich besser weg als die Bamberger. Eine Ursache dürfte das kleinere Schwimmbecken sein. Sportler müssen sich in Forchheim mit einer 25-Meter-Bahn begnügen.

Anders in Bamberg: Dort ist das superlange Becken ein Alleinstellungsmerkmal in weitem Umkreis, das vor allem die Vereinsnutzer nicht mehr missen möchten. Um die nächsten 50-Meter-Bahnen zu erreichen, müssten sie nach Bayreuth oder Nürnberg fahren. "Ohne die 50-Meter-Bahn wäre Leistungssport im Schwimmen heute nicht mehr möglich", sagt Klaus Lachmann, Vorsitzender des Schwimmvereins. Über 200 Mitglieder der Schwimmgemeinschaft Bamberg trainieren nach seinen Angaben wöchentlich im Bambados. Rund 65 000 Euro zahlt der Schwimmverein dafür.

Wer die zahllosen Besucherkommentare auf der Webseite des Bambados sichtet, stößt überwiegend auf positive Rückmeldungen. Ein Kritikpunkt, der seit den ersten Tagen geblieben ist, ist der von manchen als zu hoch empfundene Eintrittspreis. Eineinhalb Stunden kosten für Erwachsene 4,60 Euro.

Und auch empfindliche Nasen rebellieren gelegentlich. So wurden in der letzten Zeit wiederholt Geruchsprobleme moniert. Wem stinkt da was? "Der Geruch ist auch für uns ein Ärgernis und Gegenstand zahlreicher Gespräche mit unserer Reinigungsfirma", heißt es auf Nachfrage bei den Stadtwerken. Glaubt man dem Betreiber, dann ist er dabei, das Problem "zu bereinigen": "Fällt Badegästen auf, dass nicht ordentlich gereinigt worden ist, hat der Putzdienst die Aufgabe, dieses unverzüglich nachzuholen."