"Wer will fleißige Bäcker seh'n ...", könnte man das bekannte Kinderlied von den Handwerkern abwandeln. Im Schlüsselfelder Ortsteil Reichmannsdorf wird man "Bäcker" künftig häufiger antreffen. Dafür soll das neue Backhaus sorgen, das im Rahmen der Dorfplatzgestaltung mit Förderung aus dem Leader-Programm errichtet wurde. Grund genug für die Feuerwehr und die engagierte Dorfgemeinschaft, die Einweihung des Backofens mit einem Fest zu feiern.

"Wir sind stolz auf unser Werk", sagt der Reichmannsdorfer Reinhold Hofmann, zugleich Dritter Bürgermeister der Steigerwaldstadt und Konrektor an der Schlüsselfelder Schule. Zusammen mit Georg Kübrich hatte Hofmann schon anlässlich der 700-Jahrfeier vor zehn Jahren die Idee für einen Holzbackofen. Damals war es noch zu früh. Doch im Zusammenhang mit dem Bau des Feuerwehr- und Gemeinschaftshauses und nachfolgender Gestaltung eines herrlichen Dorfplatzes nahm die Idee Gestalt an.
Damit in Zukunft möglichst viele Dorfbewohner und Vereine an der Einrichtung partizipieren können, wurde am Samstag ein Brotback-Kurs durchgeführt.

Volker Brehm, der in Lonnerstadt (Landkreis Erlangen-Höchstadt) den ältesten Backofen aus dem Jahr 1822 besitzt, wurde als "Lehrer" angeheuert. Hinzu kam der Reichmannsdorfer Stefan Roth, der als ehemaliger Bäckergeselle sehr viel vom Fach versteht. Auch Reinhold Hofmann und verschiedene Feuerwehrler haben mittlerweile jede Menge Ahnung vom Backen. Sie haben sogar schon einiges ausprobiert. Pizza, Zwiebelkuchen, Flammkuchen, Haxen, Schweinebraten - außer Brot "geht" noch vieles in so einem Holzbackofen. Und alles hat einen ganz besonderen Geschmack, wie Adelgunde Lindner, ein Reichmannsdorfer Urgewächs, feststellt: "Das Brot schmeckt super! Es riecht so gut und hat so eine schöne Kruste", schwärmt sie. Marianne Hollmann bäckt seit Jahren zu Hause im eigenen Holzbackofen. "Ich will noch etwas dazu lernen", sagt die Reichmannsdorferin.

Teig stand schon bereit


Der Sauerteig stand am frühen Samstagmorgen im Feuerwehrhaus schon bereit. Mindestens einen Tag vor dem Backen müsse er "angesetzt" werden, erklärt Volker Brehm. Rechtzeitig heizte Reinhold Hofmann den Backofen an. Mit einer Ladung Kiefernholzscheite gefüllt, loderte das Feuer bald hell auf. Etwa eine Stunde muss es brennen. Ist eine Temperatur von etwa 260 Grad (Celsius) erreicht, wird die Glut zuerst im ganzen Ofen ausgebreitet und dann mit dem Schieber herausgeholt.

Inzwischen hat Brehm das Mehl - im Verhältnis 70 (Roggenmehl) zu 30 (Weizenmehl) mit dem vorbereiteten Sauerteig vermengt. Will jemand ganz neu mit dem Brotbacken anfangen, sollte er sich den ersten Sauerteig vom Bäcker holen, erläutert der Lehrmeister. Später könne man den Sauerteig mit Roggenmehl und Wasser selbst vermehren. Mehl und Sauerteig werden noch mit Hefe - in lauwarmem Wasser aufgelöst - angereichert.
Die schwierigste Prozedur, das Kneten, war im Reichmannsdorfer Feuerwehrhaus reine Männerarbeit. 15 Minuten lang muss der Teig kräftig mit beiden Händen bearbeitet werden. Dann erst darf er ruhen - wie auch die fleißigen Bäcker. Damit er nicht "rüftig" wird, bekommt der Teig zum "Gehen" eine Decke und obenauf noch eine Folie. Noch eine weitere Viertelstunde, dann formte Stefan Roth geschickt die Laibe. Gelernt ist eben gelernt!
Bis zum "Einschießen" mussten die Teig-Laibe noch einmal gehen. Lohn der schweren Arbeit, die früher traditionell Aufgabe der Bäuerinnen war, war am Ende der köstliche Zwiebelkuchen. Aus Brotteig wurde er auf Blechen bei geringer Resthitze gebacken. Zwiebeln, Rahm und Kümmel drauf - ein echt fränkischer Leckerbissen. "Ich hoffe, die Einrichtung wird viel genutzt", sagte Reinhold Hofmann. Bei Bedarf könnten weitere Brotbackkurse folgen. Er denkt an einen festen Termin - vielleicht einmal im Monat - an dem Brot gebacken wird.

Viel Zeit und Energie investiert


"Wir haben alles allein gemacht", zeigt sich Hofmann stolz auf seine Mannschaft. Der Feuerwehrkommandant Jochen Stark, Franz Müller und Andreas Litz hätten beim Mauern viel Zeit und Energie in dieses wohl einmalige Projekt gesteckt. Allerdings mussten die fleißigen Helfer feststellen, dass ohne Plan nichts geht. Daher rief man den Bamberger Architekten Willi Lein zu Hilfe, der sofort zusagte. Nach seinem Plan setzte das Team Stein auf Stein. Vor allem das "Herzstück" des Backhauses, die Züge, die im Ofen für den rechten Abzug sorgen, waren nicht einfach. Hatte doch noch keiner je zuvor so etwas gemauert. Noch viele fleißige Helfer sorgten für die Dacheindeckung, die Ofentüre, die Dachrinne, den Außenputz und die Farbe.

"Er funktioniert", stellte das Bauteam begeistert fest als Ende Mai erstmals Feuer angezündet wurde. Am Sonntag wurde die Segnung durch Pfarrer Erhard Schupp mit einem Backofenfest begangen. Zu Essen gab es - was denn sonst - alles Mögliche aus dem Backofen.